Neue Tastaturbelegung beim Touchscreen Daumen drauf

Neue Tastatur

(Foto: SZ-Grafik, Quelle: MPI für Informatik)

Die Verbreitung von Smartphones und Tablets stellt neue Anforderungen an die Hände. Das Zehnfingersystem funktioniert auf Touchscreens meist nicht. Zweidaumentippen könnte in Zukunft die Regel werden. Wissenschaftler haben ausprobiert, wie dafür die optimale Tastatur aussehen muss.

Von Patrick Illinger

QWERTZ, oder wie es auf Englisch heißt: QWERTY, ist nicht immer die schnellste Lösung. Zumindest nicht, wenn man mit nur zwei Daumen Texte tippen will. Das Zweidaumentippen könnte jedoch in Zukunft die Regel werden und das Zehnfingersystem ablösen, wenn handliche Geräte mit berührungsempfindlichen Bildschirmen - so genannten Touchscreens - sich weiter verbreiten, sei es als größere Smartphones oder kleinere Tablet-Computer wie die iPads.

Weil diese Geräte ihre Handlichkeit zum Teil der fehlenden Tastatur verdanken, müssen Texte direkt auf dem Bildschirm getippt werden - und das womöglich während man das Gerät in Händen hält. Hier kommen die Daumen ins Spiel. Um mit diesen zu tippen, ist die in der Computerwelt übliche Tastenanordnung, wie sie von den früheren Schreibmaschinen stammt, links oben beginnend mit den Buchstaben QWERTZ oder QWERTY, nicht optimal.

Wie die Buchstaben für das Tippen mit den Daumen am besten angeordnet sind, hat nun das Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken erforscht. Millionen verschiedener Anordnungen der Buchstaben haben die Informatiker inklusive virtueller Daumen in Computersimulationen ausprobiert und das beste Ergebnis (siehe Grafik) mit menschlichen Testtippern überprüft. Tatsächlich tippten die Nutzer nach einer vergleichsweise kurzen Eingewöhnung mit der "KALQ"-Anordnung deutlich schneller als mit einer herkömmlichen QWERTY-Tastenbelegung.

Mit der klassischen Tastatur kommen geübte Daumentipper auf rund 20 Worte pro Minute. Mit der neuen Anordnung schaffen gute Probanden 37 Worte pro Minute. Das System ist jedoch bislang auf die englische Sprache optimiert. Dort hat die neue Tastenbelegung zwei Vorteile: Die beiden Daumen müssen sich im Schnitt weniger bewegen, und sie können häufig abwechselnd benutzt werden. Vor allem letzteres erhöht die Geschwindigkeit, da sich mit etwas Übung die beiden Daumen unabhängig voneinander bewegen: Während der rechte eine Taste antippt, schwebt der linke bereits auf den nächsten Buchstaben zu.

Bei der klassischen QWERTY-Tastatur müssen häufige englische Wörter wie "see", "you", "read" und "dear" von ein und demselben Daumen getippt werden. Bei der neuen Anordnung liegen unter anderem alle Vokale im Zuständigkeitsbereich des rechten Daumens. Die Forscher wollen die neue Tastenanordnung am 1. Mai auf einer Fachtagung vorstellen.