Er ist der schnellste Rechner der Welt: der amerikanische Supercomputer "Roadrunner" hat die Petaflop-Grenze geknackt. Sein Job: die Simulation von Atombombenexplosionen.

Ein Rechner der US-Regierung schafft erstmals mehr als eine Billiarde Operationen in der Sekunde (Petaflops) und ist damit nun der schnellste Computer der Welt. Das berichten das US-Energieministerium und der Hersteller IBM am Montag.

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Der Supercomputer Roadrunner kostet nach Angaben der New York Times 133 Millionen Dollar. (© Foto: IBM)

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Der Computer namens Roadrunner wurde am Los Alamos National Laboratory (LANL) in New Mexico installiert. Er wird zuvorderst für die Forschung an US-Atomwaffen rechnen. Der neu konstruierte Roadrunner ist auf einen Schlag mehr als doppelt so schnell wie der bisherige Spitzenreiter der "Top 500"-Liste der Supercomputer.

Klimamodelle testen und Antibiotika entwickeln

Die Leistung des jeweils schnellsten Rechners vertausendfacht sich etwa alle 11 Jahre, erklären die Herausgeber der "Top 500"-Liste. Der erste Teraflop-Rechner (eine Billiarde Flops) stammt aus dem Jahr 1996. Der Roadrunner ist aus 6912 Dual-Core-Prozessoren des Chipherstellers AMD zusammengefügt.

Diese sind mit 12 960 Cell-Prozessoren verknüpft, die der Öffentlichkeit vor allem aus der Spielekonsole Playstation 3 bekannt sind. Inzwischen gibt es aber zahlreiche Forscher, die sich die Rechenkraft dieser Chips zunutze machen. Diese Chip-Kombination allerdings ist neu.

"Roadrunner" wurde nach dem schnellen blauen Vogel benannt, der in einem Cartoon vor einem Kojoten davon rennt. Der Supercomputer vertreibt sich seine Zeit jedoch mit weniger harmlosen Beschäftigungen als hungrige Kojoten zu ärgern: Roadrunner soll Atombombenexplosionen simulieren.

Anfangs soll der Roadrunner aber vor allem wissenschaftliche Probleme lösen. Beispielsweise sind Tests von Klimamodellen vorgesehen, doch rechnet das LANL mit Anwendungen in diversen Bereichen, darunter die Kosmologie, die Entwicklung von Antibiotika oder die Astrophysik. Danach wird der Supercomputer laut LANL militärischen Aufgaben zugeteilt und unter Geheimhaltung Explosionen nuklearer Waffen simulieren, um physikalische Modelle zu verbessern und das Vertrauen in das nukleare Arsenal der USA ohne tatsächliche Atomtests zu erhalten.

Supercomputer mit Vorbildfunktion

"Für uns und die HPC-Community ist es hoch erfreulich, dass es ein System gibt, das diese Marke geknackt hat", sagt Thomas Lippert, Leiter des Jülich Supercomputing Centre. Dadurch werde dem Supercomputing berechtigte Aufmerksamkeit zuteil.

Technologisch dürfte Roadrunner Vorbildwirkung haben. "Es zeichnet sich ab, dass Hybrid-Technologie auf jeden Fall Zukunft haben", meint Lippert. Damit sind Systeme gemeint, die klassische CPUs mit Beschleunigern wie beispielsweise den Cell-Chips oder Grafikprozessoren kombinieren.

Auf der International Supercomputing Conference vom 17. bis 20. Juni in Dresden wird die neue Fassung der Top-500-Liste der stärksten Superrechner der Welt präsentiert. Ob der Roadrunner diese anführen wird, ist unklar - die Frist zum Einreichen der dafür ausschlaggebenden Linpack-Benchmarkwerte endete am 15. April 2008. Die nächste Version der Top-500-Liste im November dieses Jahres sollte den LANL-Supercomputer jedenfalls als Petaflop-Superrechner ausweisen. Bis dahin werde die Marke auch von anderen HPC-Systemen geknackt, ist Lippert überzeugt.

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(sueddeutsche.de/dpa/pte/sma)