Von Felix Sprang

Wie hat man sich typische Außerirdische vorzustellen? Kleine grüne Männchen mit überdimensional großen Gehirnen, die mit Hilfe ihrer überlegenen Intelligenz die Menschheit auf eine höhere Stufe der Evolution führen wollen? Oder doch eher das schleimige, blutrünstige Alien von der Galaxis nebenan, dessen einziges Ziel es ist, unseren schönen Planeten aus dem All zu fegen?

Beides falsch! Denn will man "Stupid Invaders" Glauben schenken, sind Aliens quietschbunte, verblödete Tölpel, die wie geschmolzenes Wachs aussehen und aufgrund ihrer Dummheit eine Bruchlandung auf der Erde hingelegt haben.

Bewertung: 5 = super / 4 = schön / 3 = nett / 2 = geht so / 1 = bescheiden / 0 = daneben (© Screenshot: Stupid Invaders)

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Die Vorlage für Ubi Softs neuesten Streich lieferte zweifelsohne die Zeichentrickserie "Ein Heim für Aliens", die auf ProSieben nur mit mäßigem Erfolg lief und mittlerweile abgesetzt wurde. Das Spiel selbst ist wahrscheinlich einer der letzten Vertreter des klassischen Adventure-Genres, das mit schräger Optik und abgedrehter Komik versucht, an den Erfolg legendärer Klassiker wie "Day of the Tentacle 2" anzuknüpfen. Es wäre wohl etwas früh, den Tod des Adventure-Genres zu proklamieren, aber eigentlich fehlt den Rätselabenteuern nur noch die letzte Salbung.

Daran werden auch solch gelegentliche Lichtblicke kaum etwas ändern können, vor allem dann nicht, wenn - wie in "Stupid Invaders" - viele kleine Detailmängel den Spielspaß trüben. Kenner der Fernsehserie und damit potenzielle Käufer werden sofort zwei Dinge schmerzlich vermissen: zum einen den fetzigen Soundtrack von Punk-Rock-Ikone Iggy Pop, zum anderen die witzig-überdrehten Original-Synchronstimmen der Hauptfiguren. Stattdessen quälen langweilige Fahrstuhlklänge den audiophilen Spieler und relativ unpassende, weil unmotiviert wirkende Sprecher versauen die Pointen der ansonsten urkomischen Dialoge.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Steuerung. Diese erfolgt zwar entgegen dem derzeit üblichen Trend erfreulicherweise mit der Maus, so richtig gelungen ist sie dennoch nicht. Oft müssen wie in alten Zeiten die sehr hübsch gezeichneten Hintergründe millimetergenau mit dem Mauszeiger nach so genannten Hot Spots abgesucht werden, um einen Gegenstand aufzunehmen oder eine Aktion auszuführen. Apropos Aktion: Manchmal reagieren die rebellischen Figuren einfach nicht auf Befehle, erst der zweite oder dritte Versuch führt bei den phlegmatischen ETs zu einer Reaktion. Außerdem stehen meist mehrere Manipulationsmöglichkeiten zur Verfügung, die umständlich durchgeklickt werden müssen, so dass ein simpler Gebrauch eines Gegenstandes zur reinen Geduldsprobe wird.

Und als ob das alles nicht genug wäre, feiert noch ein Relikt aus längst vergangenen Tagen der Softwaregeschichte in "Stupid Invaders" seine Wiederauferstehung: der virtuelle Tod. Wie in den legendären Sierra-Klassikern führen unüberlegte Aktionen rasch zum Ableben der Helden. Die Comic-ähnlichen Sterbeszenen sind zwar sehr amüsant, ständiges Speichern und Laden der Spielstände dafür aber weniger.

Doch wie sieht es mit dem Kernstück eines jeden Adventures aus, den Rätseln? Nun, darüber kann man sich wohl streiten. Diese sind zwar passend zum Spiel sehr abgedreht und witzig, grundsätzlich aber nie logisch. Da wird schon mal der im Kamin feststeckende Weihnachtsmann mit Rohrreiniger weggeätzt oder eine an Verstopfung leidende Kuh mit Chili kuriert. Meist jedoch müssen Utensilien einfach eingesammelt und an anderer Stelle verwendet werden, wobei das Inventar mit nur sechs Slots recht mager ausgefallen ist. Etwas seltener warten Denksportaufgaben oder Gespräche auf den Spieler. Trotzdem nimmt der Schwierigkeitsgrad stetig zu, so dass man sich oft im späteren Spielverlauf nur noch verdutzt am Kopf kratzen kann.

Unangefochtener Sieger in der Kategorie "Nervigster Spielabschnitt" ist jedoch das obligatorische Labyrinth. Hier herrscht nur noch das nervige "Try & Error"-Verfahren vor. Als Belohnung für jede gelöste Aufgabe gibt es immerhin eine kurze Videosequenz, die meist zu mehr oder minder starken Lachkrämpfen führt und die Story vorantreibt. Insgesamt warten mehr als eine Stunde der qualitativ hochwertigen Filmchen auf den Spieler, wodurch sich auch der enorme Umfang erklären lässt. Denn "Stupid Invaders" kommt auf ganzen vier CDs daher und benötigt bei einer Vollinstallation gigantische 2.500 Megabyte Festplattenspeicher.

Alles in allem sollten alle Adventure-Fans aufgrund mangelnder Alternativen einen zweiten Blick riskieren. Denn vielleicht könnte "Stupid Invaders" schon das letzte Game seiner Art sein.

Stupid Invaders, CD-Rom für PC / Macintosh/ Dreamcast, Ubi Soft, zirka 90 Mark.

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