Streit mit Youtube Brei aus Unterstellungen und Halbwissen

In den Youtube-Videos werden beinahe alle Aussagen von Gutjahr und seiner Tochter analysiert. Es entsteht ein Brei aus Unterstellungen, Zahlen und Halbwissen. Zwei Beispiele: Der OEZ-Tweet, den Gutjahr absetzte und später löschte, trägt in einer Version auf einer britischen Webseite einen Zeitstempel von 17:50 Uhr. Das wären zwei Minuten, bevor die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen sind. Tatsächlich wurde der Tweet aber um 18:50 Uhr geteilt, also eine Stunde später. So steht es in den Metadaten. Es ist der Zeitunterschied zwischen Großbritannien und Deutschland, kein Anhaltspunkt für Unsauberes.

Zweitens wird in einem der Videos behauptet, dass die Autofahrt zum Hauptsitz des BR nicht über das OEZ und damit den Mittleren Ring führe, sondern über die Innenstadt. Was der Macher des Videos nicht zu wissen scheint: Das Fernsehstudio des BR, dort arbeitet Gutjahr, liegt im Stadtteil Freimann. Der Weg dorthin führt sehr wohl über den Mittleren Ring. "Ich arbeite seit 15 Jahren beim BR und fahre immer die gleiche Strecke", sagt Gutjahr.

Gutjahr erhält Drohungen, per Mail, Twitter, Youtube-Videos und Facebook. Er versucht, die Youtube-Videos sperren zu lassen. Da für sie mitunter sein Material verwendet wurde, setzt er zunächst auf das Urheberrecht. Einige Videos werden gelöscht, Nutzerkonten gesperrt.

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Es ist schwierig, Hilfe von Youtube zu bekommen

Gutjahr erstattet Anzeige bei der Polizei, auch weil ihm Mitarbeiter von Youtube Deutschland dazu geraten haben. "Ich habe gedacht, dass die Polizei mich nach Hause schicken und erst gar keine Anzeige aufnehmen will. Aber sie war nach München sehr sensibilisiert und hat diese Videos sehr ernst genommen", sagt Gutjahr. Der SZ wollte die Polizei nichts zu dem Fall sagen.

Doch von Youtube-Mitarbeitern hört er bald, dass nach Prüfung der Videos keine konkreten Drohungen gegen ihn festgestellt werden konnten. Gutjahr sagt, er habe Mails mit konkreten Drohungen erhalten. Sie gingen an eine Adresse, die er ansonsten nicht verwende und die das Netzwerk im Rahmen der Prüfung an eben jene Personen übermittelt habe, deren Videos Gutjahr sperren lassen wollte.

Gutjahr findet die Aktion von Youtube feige. "Ich glaube nicht, dass man da nicht noch mehr machen könnte." Wenn es um Geld gehe, bei Urheberrechtsverletzungen von Musiklabels etwa, lege Youtube das Gesetz sehr eng aus. Wenn es aber um üble Nachrede und Verleumdung gehe, interessiere es das Unternehmen anscheinend wenig. "Sie machen ja weiterhin Geld mit diesen Videos."

Auf Nachfrage erklärt Youtube, dass man sich zu Einzelfällen nicht äußere. Man habe sich aber auch in diesem Fall "sehr intensiv mit den Beschwerden befasst, jedes einzelne Video wurde begutachtet".

Gutjahr sagt: "Ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, nichts zu machen." Die Nutzerkonten, auf denen er verleumdet wurde, sind wieder entsperrt. Dort finden sich neue Videos. Eines ihrer Themen: Richard Gutjahr und der Mossad.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass Richard Gutjahrs Video in Nizza um kurz nach 23 Uhr gefilmt wurde. Richtig ist: Das Video wurde kurz nach 22:30 gedreht. Der Artikel wurde entsprechend aktualisiert.