Streaming-Stick Chromecast Google will den Fernseher erobern

Googles Antwort auf Apple AirPlay: der Streaming-Stick Chromecast

(Foto: Bloomberg)

Kampfansage an Apple: Google stellt den Chromecast vor, ein daumengroßes Gerät, mit dem man Internetvideos auf das Fernsehgerät holen kann. Der Streaming-Stick macht dabei das Smartphone zur Fernbedienung - und soll nur 35 Dollar kosten.

Von Matthias Huber

Es gibt zwei Arten, der Welt ein neues Produkt vorzustellen. Man kann Presse und Fachleute in eine große Konzert- oder Messehalle bitten, den einen oder anderen Promi auf die Bühne holen und das neue Gerät mit großer Geste feierlich enthüllen. Oder man lädt nur ein paar wenige Menschen ein - den Rest erledigt der Online-Livestream - und schickt den Chefentwickler auf ein kleines, recht schmuckloses Podium. Der dann das neue Produkt einfach aus der Hosentasche zieht.

So geschehen beim Chromecast. Das etwa USB-Stick-große Gerät wird in einen HDMI-Port am Fernseher eingesteckt und per Wlan mit dem Internet verbunden. Anschließend kann der Nutzer per Smartphone, Tablet oder Chrome-Browser Videos, Musik und andere Inhalte auf dem TV abspielen. So ähnlich wie AirPlay von Apple - aber nicht beschränkt auf die Produkte eines Konzerns. Chromecast wird auch mit iOS-Apps funktionieren, hieß es bei der Präsentation. Eine Kampfansage an die Konkurrenz in Cupertino.

Ganz losgelöst vom Google-Ökosystem ist Chromecast aber nicht: Offenbar muss der Stick im Google-Account des Nutzers angemeldet werden. Dann erscheint in kompatiblen Apps - beispielsweise Youtube oder Netflix - ein zusätzlicher Button, mit dem sich das Video an das Fernsehgerät schicken lässt. Chromecast bezieht das Video direkt aus dem Netz. Das Tablet oder Smartphone fungiert zwar als Fernbedienung, aber der User kann das Gerät auch für andere Anwendungen nutzen, ohne die Wiedergabe zu unterbrechen.

Smart-TV zum Nachrüsten

Auch zukünftige Versionen des Google-Browsers Chrome sollen in der Lage sein, so an den Fernseher zu senden. Dann erscheint neben der Adressleiste der Chromecast-Knopf, um einen einzelnen Browser-Tab auf dem TV anzuzeigen - und darin beispielsweise Bildergalerien oder Vimeo-Videos.

Smart-TV zum Nachrüsten also. Und nicht Googles erster Versuch, sich auf diese Weise im Wohnzimmer einen festen Platz zu erkämpfen. Vor einem Jahr hatte Google den Nexus Q vorgestellt, einen Streaming-PC mit Android-Betriebssystem. Damit sollten Online-Videos und -Musik über den Fernseher abgespielt werden. Der Nexus Q wurde aber nie verkauft - auch weil sich schon im Vorfeld die Beschwerden über den hohen Preis von 299 Dollar häuften.

Google hofft auf Chromecast in anderen Geräten

Dieses Schicksal dürfte dem Chromecast kaum blühen. Google hat offenbar aus den Fehlern beim Nexus Q gelernt. Der HDMI-Stick, der kaum weniger kann als sein Vorgänger, kommt in den nächsten Tagen für nur 35 Dollar in die amerikanischen Läden, weitere Länder sollen folgen. Außerdem hofft Google, dass in Zukunft auch andere Geräte - denkbar sind DVD- und Bluray-Player ebenso wie Fernseher selbst - mit eingebautem Chromecast auf den Markt kommen. Und, dass möglichst viele App-Entwickler möglichst schnell die Funktion in ihre Apps einbauen.

Über mangelnde Resonanz kann sich der Konzern jedenfalls schon jetzt nicht beklagen: Bereits 40 Minuten nach Ende der Präsentation hieß es in amerikanischen Blogs, dass der Stick im Google-Shop bereits ausverkauft sei.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Nachfolgemodell des Android-Tablets Nexus 7. Das Gerät soll einen schnelleren Prozessor, ein etwas schlankeres Gehäuse und marginal bessere Akku-Leistung bieten. Große Innovationen sucht man darin aber vergebens. Die Konkurrenz dürfte trotzdem mit Sorge nach Mountain View geblickt haben: Das neue Nexus 7 wird ein Full-HD-Display bieten, und kommt damit erneut Apple zuvor. Deren iPad Mini 2 mit hochauflösendem Retina-Display wird voraussichtlich erst im Herbst enthüllt.