Strategiewandel im sozialen Netzwerk Facebook wertet Surfverhalten aus

Schon jetzt verfügt Facebook über ein ungewöhnlich engmaschiges Netz, um das Surfverhalten seiner Nutzer zu analysieren. Nun knüpft Facebook es noch einmal enger - und schließt damit zur Konkurrenz von Google und Yahoo auf.

Von Pascal Paukner

Unaufdringlich soll sie sein. Interessant natürlich auch. Relevant? Na klar. Die Ansprüche an Werbung im Netz sind hoch. Kein Wunder, dass jene großen Internetkonzerne, die ihr Geld hauptsächlich mit Reklame verdienen, eigentlich permanent damit beschäftigt sind, sich neue Werbeformen auszudenken.

Zu den wichtigsten Akteuren unter den digital Reklametreibenden zählt auch das soziale Netzwerk Facebook. Das hat nun mit einer Ankündigung einen Strategiewandel eingeleitet, der Werber erfreut und Datenschützer besorgt. Künftig werde man den Nutzern auch Werbeanzeigen präsentieren, die auf ihrem Surfverhalten im Web basieren, kündigte Facebook an.

Wer beispielsweise im Internet nach einem neuen Fernseher suche, könne anschließend auf Facebook passende Angebote dargestellt bekommen. Das ist insofern neu, als dass Werbeeinblendungen in dem sozialen Netzwerk bislang vor allem auf Aktivitäten basierten, welche die Nutzer im direkten Zusammenhang mit Facebook getätigt haben. Markierte also ein Nutzer einen Künstler mit dem "Gefällt-mir"-Button, bekam er auch dessen Werbung zu sehen. Wenn er auf dessen Webseite surfte, hatte das in der Regel keinen Einfluss auf die Werbeeinblendungen.

Die Analyse des Surfverhaltens zu Werbezwecken ist im Internet allerdings nicht ungewöhnlich. Unternehmen wie Google oder Yahoo tun dies schon lange. Auch auf Webseiten wie Süddeutsche.de sind externe Werbetracker eingebunden. Facebook verfügt durch die vielerorts im Netz zu findenden Like-Buttons allerdings schon jetzt über ein besonders engmaschiges Netz, um das Surfverhalten seiner Nutzer zu analysieren.

Weil Facebook sich in der Vergangenheit aber mit Neuerungen, welche die Privatsphäre der Nutzer betreffen, schon mal den ein oder anderen Proteststurm eingehandelt hat, geht das Unternehmen diesmal besonders behutsam vor. Es kündigte zugleich an, den Nutzern trotz der umfassenderen Datenauswertung mehr Kontrolle über die angezeigte Werbung geben zu wollen. Facebook-Nutzer sollen demnach unerwünschte Werbebotschaften in Zukunft blockieren können. Zudem sollen sie festlegen können, welche Anzeigen und Produkte sie im Werbekontext ganz grundsätzlich interessieren.

Außerdem ist es möglich, sich über die Webseite der "Digital Advertising Alliance" ganz von der Datensammelei abzumelden. Wer das tut, sollte sich hinterher aber auch nicht beschweren, dass immer ausgerechnet die Reklame angezeigt wird, für die man sich gar nicht interessiert.

Linktipp: Hier können Sie nachlesen, wie wir mit Ihren Daten umgehen.