Von Johannes Boie

Ein Bericht des Wall Street Journal hat die Gerüchteküche angeheizt: Apple-Chef Steve Jobs beschäftige sich intensiv mit einem neuen Gerät - dem Tablet PC.

So stellt es sich der treue Apple-Fan vor. Er sitzt wieder da, an seinem Schreibtisch ganz oben im Hauptgebäude in Cupertino, Kalifornien: Steve Jobs.

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Vor wenigen Monaten unterzog sich Steve Jobs einer Lebertransplantation. (© Foto: Reuters)

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Er lässt sich Prototypen eines besonders kleinen Apple-Notebooks zeigen, das vor allem durch einen großen berührungsempfindlichen Bildschirm auffällt. Jobs schraubt die Geräte auseinander, testet sie gründlich, gibt seinen Mitarbeitern genaue Anweisungen, wie sie die Software noch verbessern können, die Hardware und auch das Marketing.

Der detailversessene, kontrollsüchtige und genialische Chef - es ist ein lange gepflegter Mythos, mit dem sich Jobs umgibt. Wie alle Dinge, die das Innenleben der Firma betreffen, hat Apple dieser Sicht der Jobs-Jünger niemals widersprochen. Das Unternehmen hat sie nicht einmal kommentiert und somit den Mythos weiter genährt.

Weil Jobs ein Mythos ist, hat sein körperlicher Zustand Einfluss auf Apples Aktienkurs, auf das Wohl und Wehe des Unternehmens. Glaubt man dem Wall Street Journal, geht dieser Status jedoch den Mitarbeitern ziemlich auf den Wecker. Vor allen Dingen jetzt, wo Jobs nach langer Krankheit wieder in die Firma zurückgekehrt ist, wie ein Foto auf der Klatschwebseite tmz.com beweist. Sie müssten liebgewonnene Freiheiten wieder aufgeben. Im Januar hatte sich der Chef einer Lebertransplantation unterziehen müssen. Vor fünf Jahren litt er an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Kein Wunder also, dass es heißt, Jobs habe sich sofort selbst um eines der wichtigsten Apple-Projekte gekümmert: einen kleinen, tragbaren Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm. Das Gerät würde die Lücke zwischen dem iPhone und dem kleinsten verfügbaren Apple-Notebook schließen. Dementsprechend könnte das Gerät zwischen 400 und 1000 Euro kosten.

Bereits seit dem Jahr 2000 sind die Apple-Ingenieure nach inoffiziellen Informationen mit der Entwicklung eines besonders kleinen Computers beschäftigt. Steve Jobs soll das Projekt aber persönlich zweimal gestoppt haben: wegen zu kurzer Akkulaufzeit und zu geringem Speicher des Prototypen. Nicht zuletzt deshalb hat Apple bislang auf dem schnell wachsenden Markt der sogenannten Subnotebooks kein passendes Produkt zu bieten. Die Popularität der Geräte gründet auch in ihren günstigen Preisen.

Jobs hatte diese Situation zuletzt im Oktober in seiner ganz eigenen Art kommentiert: "Wir wissen nicht, wie man einen Computer für 500 Dollar baut, der nicht Schrott ist."

Dass der Chef jetzt offensichtlich doch einen Weg gefunden haben soll und persönlich am neuen Klein-Computer arbeitet, schraubt die Erwartungen in die Höhe. Da hilft es wenig, dass Jobs selbst einen entsprechenden Bericht im Wall Street Journal dementiert hat. Schon wird von einer Wiederholung des iPhone-Erfolgs gemunkelt.

Das Dementi verhallt ungehört: Für Aktienbesitzer und Apple-Fans, deren Verehrung religiöse Züge annimmt, ist die Vorstellung vom kontrollsüchtigen Jobs beruhigend. Er ist für sie zur Heilsfigur der Marke geworden.

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(SZ vom 26.09.2009/cf)