Von Panagiotis Kolokythas

Die Xbox 360 ist in den USA seit Mitternacht (Ortszeit) erhältlich. Im ganzen Land öffneten Geschäfte in der Nacht zum Dienstag ihre Türen, um die Xbox 360, Spiele und Zubehör zu verkaufen. Premiere: Erstmals startet eine neue Konsole nahezu zeitgleich auf den wichtigsten Märkten in der Welt. Den USA folgen am 2. Dezember Europa und am 10. Dezember schließlich Japan

Microsoft erhofft sich in den ersten drei Monaten nach dem nun erfolgten Verkaufsstart der Xbox 360 einen Verkauf von über drei Millionen Konsolen weltweit. Landesweit sollen hunderte von Käufer Stunden vor den Läden campiert haben, um gleich nach Mitternacht eine Xbox 360 erwerben zu können.

In Kooperation mit  PC-Welt

Anzeige

Im Vorfeld fand in der Mojave-Wüste ein mehrtägiges Event statt, indem auf einem großen Areal der nahende Launch der Xbox 360 gefeiert wurde. Exakt 360 Sekunden vor Mitternacht fuhren mit Xbox 360 beladende Trucks inklusive Polizei-Eskorte in das Areal ein und entluden die Konsolen.

Vor einem "Best Buy"-Geschäft in Bellevue (Vorort von Seattle nahe der Microsoft-Zentrale) zelebrierte Microsoft in der Nacht zum Dienstag ebenfalls den Verkaufsstart. Anwesend war auch Bill Gates, der dem allerersten Käufer der Xbox 360, Dan Friedman, selbst bediente. Der 26-jährige Friedman gab dabei mehr als 1000 US-Dollar für die Konsole, Zubehör und Spiele aus. Randnotiz: Laut US-Medienberichten ist Dan Friedman bei Microsoft als Programmierer beschäftigt und nahm sich drei Tage frei, um sich an der Schlange zum Geschäft ganz vorne positionieren zu können.

Wie in den USA wird Microsoft auch in Europa die Xbox 360 in zwei Varianten anbieten. Für 299 Euro wird das "Core"-System (Konsole, Kabel-Controller, Composite AV Kabel). Für 399 Euro erhalten die Käufer neben der Xbox 360 unter anderem eine 20-GB-Festplatte, kabellosen Controller, ein Headset, ein Component HD AV Kabel, eine Fernbedienung und ein Netzwerkkabel.

Die Festplatte ist Pflicht für alle, die Xbox-1-Spiele auch auf der Xbox 360 spielen wollen. Dabei werden allerdings derzeit zwar viele, aber noch nicht alle Xbox-1-Spiele unterstützt. Die gesamte Splinter-Cell-Reihe kann beispielsweise nicht auf der Xbox 360 gespielt werden. Halo 2 läuft zwar auf der Xbox 360, aber für die Online-Funktionen ist ein Online-Update erforderlich. Das Update kann über Xbox Live bezogen werden.

Über den in Xbox Live enthaltenen Xbox Marketplace will Microsoft zusätzlich Geld verdienen. Hier werden über 400 Inhalte angeboten. Einige sind gratis (Trailer, Demos) viele aber auch kostenpflichtig.

Abzuwarten bleibt der Erfolg der Xbox 360. Microsoft hat immerhin einiges an Vorsprung vor den Konkurrenten Nintendo und Sony. Seinerzeit erschien die Xbox 1 im Jahre 2001 noch ein Jahr später als die Playstation 2. Diesmal stehen die Vorzeichen umgekehrt. Sowohl die Nintendo Revolution als auch die Playstation 3 werden erst irgendwann 2006 erwartet. Microsoft hofft zumindest darauf, den Abstand zu Sony verringern zu können.

Der Erfolg einer Konsole definiert sich aber nicht nur durch ihre Existenz auf dem Markt, sondern auch durch die dafür erhältlichen Spiele. Hier hatte bisher Sony mit Serien wie Final Fantasy und Metal Gear Solid die Nase vorne. Nintendo kann auf seine Zugpferde Zelda, Mario und Samus (Metroid-Reihe) zurückgreifen. Ein Blick auf die Launch-Titel der Xbox 360 zeigt, dass es hier bei der Microsoft-Konsole noch etwas hapert.

Xbox 360-exklusiv sind zu Beginn immerhin Amped 3, Fifa 06: Road to FIFA World Cup (wie FIFA 06 nur mit WM-Qualifikation im Mittelpunkt), Kameo, Perfekt Dark Zero und Project Gotham Racing 3. Alle anderen Titel gibt es auch für andere Konsolen beziehungsweise für den PC. Mit Halo 3 hat Microsoft ein weiteres Zugpferd in Petto, das die Xbox-360-Verkäufe ankurbeln könnten. Das Spiel wird aber erst im Jahre 2006 erscheinen.

Nichts zu rütteln gibt es allerdings an der derzeitigen technischen Überlegenheit der Konsole, die alle Konkurrenten und auch PCs im Regen stehen lässt. Die Konsole wird von einer speziell gefertigten IBM-CPU mit drei Kernen angetrieben, die jeweils mit 3,2 GHz (insgesamt 6 Hardware-Threads, 9,6 GHz Nettoleistung) getaktet sind. Hinzu kommen ein speziell für die Konsole gefertigter ATI-Grafikchip mit 500 MHz und 512 MB GDDR3-Speicher (700 MHz).

Von der Grafik- und Rechenleistung der Xbox 360 profitieren hauptsächlich Besitzer eines hochauflösenden Fernsehers, der 720p oder 1080i unterstützt. Alle Spiele sind für 720p optimiert. Die erste Generation der Xbox-360-Spiele dürfte die Power der Konsole noch lange nicht ausnutzen. Wie bei allen Konsolengenerationen wird erst die Zeit zeigen, was Entwickler imstande sind aus der Konsole herauszukitzeln.

Unabhängig von den Spielen will Microsoft, dass die Besitzer die Konsole als Multimedia-Geräte verwenden. Über Netzwerk an einen Windows-XP-PC angeschlossen, können Musik und Bilder an die Konsole und den Fernseher übertragen werden. Wer einen Windows-Media-Center-PC besitzt, kann auch Videos auf die Konsole streamen lassen.

Digitalkameras und MP3-Player können direkt an die Konsole über die USB-Anschlüsse (insgesamt 3) angeschlossen werden. Für Hardcore-Gamer dürften solche Funktionen eher Zusatz-Gimmicks sein. Positiv: Die neue Xbox ist diesmal von Haus aus in der Lage, DVD-Filme abzuspielen. Der Kauf eines Zubehörs, wie bei der Xbox 1 noch nötig, entfällt diesmal.

Abzuwarten bleibt, welchen Ansturm es auf die Xbox 360 in Deutschland geben wird. Die Zahl der Konsolen, die hierzulande ausgeliefert werden sollen, will Microsoft nicht nennen. Stattdessen wird betont, dass es auch keine Rolle spiele, wie viele Konsolen zum Start erhältlich sein werden. Wichtiger sei, wie viele Konsolen in der Startphase, die sich über mehrere Wochen hinweg zieht, auf den Markt gelangen.

Amazon hat bereits die Notbremse gezogen und weist alle Kunden, die nach dem 9. November eine Vorbestellung getätigt haben, darauf hin, dass sie nicht mehr mit einer Lieferung in diesem Jahr rechnen können. "Wir arbeiten mit Microsoft daran, sicherzustellen, dass alle Konsolen so schnell wie möglich versendet werden", so Amazon Deutschland.

Leser empfehlen 

(PC-Welt)