Start-up Transferwise "Skype für Überweisungen" startet in Deutschland

Überweisungen ins Ausland können lange dauern und teuer werden. Mit dem Start-up "Transferwise" verspricht ein ehemaliger Skype-Mitarbeiter nun einen Service, der "rund 85 Prozent billiger als bei einer Bank" ist.

Stephan Dörner, Wall Street Journal Deutschland

Das Start-up Transferwise hat nach eigenen Angaben bereits Überweisungen im Volumen von rund 300 Millionen Euro an Banken vorbeigeschleust - allerdings nicht für kriminelle Zwecke, sondern um Gebühren für Auslandsüberweisungen zu sparen. Der bekannte Facebook -Investor und Paypal-Mitgründer Peter Thiel ist im Mai in das Unternehmen eingestiegen und hat 6 Millionen US-Dollar investiert, das Auslandsüberweisungen zu fairen und transparenten Gebühren verspricht.

Seit Montag ist Transferwise nun auch offiziell auf Deutsch verfügbar. Gründer und CEO Taavet Hinrikus, nach eigenen Angaben der ersten Mitarbeiter beim Internettelefonie-Unternehmen Skype, gründete das Start-up aus der eigenen Not heraus.

"Eines Tages zog ich von Estland nach London - wurde von Skype aber noch in Estland bezahlt. Daher musste ich jeden Monat Geld von meinem Konto bei einer estländischen Bank nach England überweisen", sagt der 32-jährige Gründer. Von 1000 Euro aus Estland, die Hinrikus monatlich nach London überwies, kamen laut Hinrikus nur um die 700 Pfund an statt der erwarteten rund 750 Pfund - und das dauerte jedes Mal auch noch lange, teilweise bis zu fünf Tagen.

Versteckte Gebühren bei Banken durch den Währungskurs

Der Grund für die Differenz zwischen Erwartung und Ergebnis: Neben der offiziellen Gebühr bei jeder Transaktion falle bei Auslandsüberweisungen auch noch eine "versteckte Gebühr" an, sagt Hinrikus. Die Banken langten neben den Gebühren noch durch einen unfairen Wechselkurs zu. Transferwise dagegen nutze den durchschnittlichen Kurs des Devisenmarktes für Währungen, die sogenannte "mid-market exchange rate". Das ist weder ein Kauf- noch ein Verkaufskurs, sondern die Mitte, die beispielsweise auch von der Wirtschaftspresse für den Wert einer Währung ausgewiesen wird. Bei den Banken würden bei Überweisungsbeträgen von rund 1000 Pfund fast 5 Prozent verloren gehen, sagt Hinrikus.

Transferwise nimmt für jede Auslandsüberweisung eine Mindestgebühr von einem Euro - das gilt für Beträge bis zu 200 Euro. Bei Überweisungen darüber fällt pauschal eine Gebühr von 0,5 Prozent des Überweisungsbetrags an. "Das ist im Normalfall rund 85 Prozent billiger als bei einer Bank", sagt Hinrikus. Die Beträge können entweder von einer Kreditkarte oder in Deutschland über den Dienst "Sofort-Überweisung" vom Bankkonto abgebucht werden. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, eine Überweisung vom Konto auf das deutsche Treuhandkonto von Transferwise zu tätigen, die das Geld dann abzüglich der Gebühr weiterleiten.

Skype der Banküberweisungen

Transferwise richtet sich einerseits an Expats, die häufig größere Beträge in die Heimat überweisen oder aus dieser erhalten und andererseits an Unternehmen, die beispielsweise regelmäßig Mitarbeiter im Ausland bezahlen. Unterstützt werden neben Euro und britisches Pfund auch indische Rupie, australische Dollar, Singapur-Dollar - und für den deutschen Markt besonders wichtig - türkische Lira.

Die Vision von Transferwise: Das Skype der Banküberweisungen zu werden. "In vielerlei Hinsicht ist das, was wir bei Transferwise tun ähnlich zu dem, was wir bei Skype erreicht haben", sagt er. "Skype machte die Welt kleiner, indem es die Leute weltweit kostenlos bei hoher Qualität via Video kommunizieren lässt - und wir machen die Welt kleiner, indem wir den Leuten ermöglichen, sehr einfach Geld zu sehr geringen Kosten zu versenden", sagt der Gründer.

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