Start in Frankreich Twitter mir mal Geld!

  • Twitter-Nutzer sollen sich in Zukunft Geld schicken können. Dafür kooperiert das soziale Netzwerk mit der französischen Bankengruppe Banques Populaires Caisses d'Epargne (BPCE).
  • Auch Facebook soll angeblich einen ähnlichen Dienst planen.
  • Bezahl-Apps sind in den USA zu einem Phänomen geworden.

Twitter erlaubt es Nutzern, sich gegenseitig Geld zu schicken

Schon 140 Zeichen pro Tweet sind nicht viel, doch die neue Aktion des Kurznachrichtendienstes Twitter lässt sich auf ein einziges Symbol reduzieren: €, das Euro-Zeichen. Twitter-Nutzer in Frankreich sollen künftig die Möglichkeit haben, sich Geld per Tweet zu schicken, berichtet Reuters. Alles, was die Nutzer dafür bräuchten, sei eine Bankkarte. Es sollen keine Kosten anfallen. Das Versenden des Geldes läuft über den Dienst "S-Money" ab, der zur BPCE-Gruppe gehört. Die Bank hatte den Schritt bereits im September angekündigt: "Diese Initiative eröffnet eine ganze Reihe von Bezahlmöglichkeitein in sozialen Netzwerken", so BPCE-Chef Jean-Yves Forel.

Paypal bietet die Funktion bereits an, Facebook arbeite angeblich daran

Bislang verdienen soziale Netzwerke ihr Geld vor allem, indem sie Informationen über ihre Nutzer sammeln. Dieses Wissen bieten sie anschließend der Werbe-Industrie an, die so immer gezielter potenzielle Kunden anspricht. Doch arbeiten soziale Netzwerke an neuen Modellen, um auf andere Weise an Geld zu kommen. Eine Lösung sehen viele anscheinend im Geldtransfer, also wie Twitter in einer neuen Form von Überweisungen. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass auch Facebook angeblich an dieser Funktion arbeitet. In der App für Kurznachrichten, dem Messenger, sind Codeschnipsel enthalten, die es Nutzern erlauben, mit Karte zu zahlen. Facebook hatte zuvor David Marcus, den Chef von Paypal, abgeworben, damit dieser sich um den Messenger kümmert. Paypal selbst erlaubt es seinen Kunden mittlerweile auch, "Geld an Freunde" zu verschicken.

Der Vorreiter im Bereich Geld-Versenden ist die App "Venmo"

Details zur Bezahlfunktion wollen Twitter und die BPCE-Grupppe am Dienstag in Paris bekanntgeben. Es ist denkbar, dass Twitter sich an der App "Venmo" orientiert. Die App ist in den USA beliebt, besonders bei jenen jungen Menschen, die rund um die Jahrtausendwende Teenager waren. Laut dem Branchendienst BI Intelligence hat Venmo immensen Zuwachs: "Wir haben seit den Tagen von Facebooks und Instagrams Erfolg im Mainstream keine App gesehen, die sich derart schnell verbreitet hat."Es ist denkbar, dass Twitter sich an der App "Venmo" orientiert. Die App ist in den USA beliebt, besonders bei den so genannten Millennials, also jener Generation, die rund um die Jahrtausendwende Teenager waren. Laut dem Branchendienst BI Intelligence habe Venmo immensen Zuwachs: "Wir haben seit den Tagen von Facebooks und Instagrams Erfolg im Mainstream keine App gesehen, die sich derart schnell verbreitet hat."

Venmo macht den Akt des Bezahles zu einem Event, im Zeitalter von sozialen Netzwerken heißt das: Es gibt eine Timeline. So wie man auf Facebook nachschauen kann, was die Freunde denken, kann man bei Venmo nachlesen, welcher Freund gerne Kinobesuche spendiert - oder kein Bargeld dabei hatte und seine Schulden per Venmo begleicht. Ein Beispiel: Zwei Freunde gehen ins Kino, einer von beiden hat kein Bargeld dabei. Die andere Person zahlt zwei Tickets und bekommt den Betrag vom Freund anschließend über Venmo geschickt. Der Dienst soll laut Zeit Online so erfolgreich sein, dass er mittlerweile zum Verb wird. Ähnlich wie man heute nicht mehr im Internet sucht, sondern googelt, sollen die Millennials "I'll venmo you" sagen, ich gebe dir das Geld mit Venmo.

In Deutschland ist es schon seit Jahren möglich, Geld per Tweets zu verschicken

In Deutschland ist das Geldversenden per Twitter schon seit Jahren möglich - allerdings ohne offizielle Kooperation mit dem US-Unternehmen und nur nach einer Registrierung bei der Münchner Fidor-Direktbank. Wer dort ein Konto hat, kann statt der Kontodaten eine Mail-Adresse, Handynummer oder einen Twitter-Namen angeben, um den Zahlungsempfänger zu identifizieren. Der wiederum wird per Tweet informiert, dass er Geld bekommt. Das vereinfacht zwar einerseits die Überweisung, andererseits funktioniert es nicht ohne Zugang zur Online-Plattform der Bank. Ähnlich dürfte es auch in Frankreich werden - denn ohne Genehmigung der Bankenaufsicht darf Twitter nicht selbst den Geldtransfer übernehmen.

Linktipps:

  • Venmo sei aktuell das beste soziale Netzwerk, über das keiner berichtet, schreibt das US-Magazin The Wire.
  • Hier lesen Sie, wie Mitarbeiter der Seite Quartz in einem Gruppenchat über Venmo diskutieren. Was ersichtlich wird: Menschen unter 30 finden die App toll, Menschen über 30 verstehen den Sinn dahinter nicht.