Standort-App Foursquare checkt aus

Radikaler Strategiewechsel: Der "Ich sage, wo ich bin"-Dienst Foursquare spaltet sich in zwei unterschiedliche Apps auf. Statt virtueller Bürgermeister sollen Nutzer nun Freunde für das spontane Kaffeekränzchen finden - und ihren Standort automatisch verraten.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Vor etwa vier Jahren war Foursquare das nächste große Ding. Die Smartphone-App war der erste Dienst, der seine Nutzer spielerisch dazu brachte, ihren Standort preiszugeben und so echte Spuren auf der digitalen Landkarte zu hinterlassen. Wer sich am häufigsten an einem bestimmten Ort aufhielt ("eincheckte"), wurde zu dessen Foursquare-Bürgermeister.

Das ist seitdem passiert: Viele Bürgermeister später hat das New Yorker Unternehmen ein Problem. Trotz einer Bewertung von 650 Millionen Dollar wartet es noch immer auf den Durchbruch, die Gewinne sollen 2013 Schätzungen zufolge nur bei etwa zehn bis 15 Millionen Dollar gelegen haben. Nun zieht Gründer Dennis Crowley deshalb offenbar die Notbremse und ändert die Strategie.

Das plant Foursquare: Längst ist nicht mehr nur das Einchecken, sondern auch das Entdecken bestimmter Orte (Restaurants, Bars, Clubs) ein Nutzungsszenario. Dem trägt Foursquare Rechnung und spaltet sich auf: Der Dienst selbst wird im Sommer zu einer Empfehlungsmaschine für interessante Orte - und damit auch offiziell Konkurrenz zum Bewertungsportal Yelp. Um möglichst gute Tipps zu geben, wird Foursquare Vorlieben eines Nutzers und seiner Freunde, aber auch die Bewertungen anderer einbeziehen. Außerdem veröffentlicht das Unternehmen in wenigen Wochen eine neue App, die sich Swarm nennt.

Was steckt hinter Swarm? Swarm ist eine Auslagerung der bisherigen Foursquare-Hauptfunktion, seinen Standort preiszugeben. Dies soll künftig durch die automatische Übertragung der Aufenthaltsortes funktionieren. Über Swarm, so die Idee, sollen Nutzer den gegenwärtigen Aufenthaltsort ihrer Freunde sehen und sich so kurzfristig per Chat verabreden können, statt über SMS nachzufragen, wo sich jemand befindet. Ob der Check-in-Knopf komplett verschwindet und was mit den "Badges" genannten Auszeichnungen wie dem Bürgermeisteramt passiert, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage von Süddeutsche.de hat Foursquare bislang nicht beantwortet.

Wie sind die Erfolgsaussichten? "Ambient location sharing" nennt sich das Konzept, Bekannte über seinen Aufenthaltsort zu informieren, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen. Durchgesetzt hat es sich bislang nicht, selbst in den USA gibt es Vorbehalte gegenüber einem solchen Kontrollverlust über die Privatsphäre. Google experimentierte mit seinem inzwischen eingestellten Dienst Latitude als eines der ersten Unternehmen mit Ortungsfunktionen, vor wenigen Tagen schaltete Facebook mit "Friends nearby" einen Swarm recht ähnlichen Dienst frei. Die Reaktionen waren verhalten.

Eine weitere Parallele zwischen Facebook und Foursquare liegt in der Aufspaltung: Facebook bietet Smartphone-Nutzern seinen Chat-Dienst Messenger nur noch als separate App an. Anders als bei Swarm handelte es sich jedoch um eine bereits etablierte Funktion, die ohne Veränderungen aus der Standard-App ausgegliedert wurde.

Linktipp: Eine exklusive wie wohlwollende Vorstellung der Swarm-App ist bei The Verge zu lesen.