Spionage-Software für Handys Carrier IQ gesteht Speicherung von SMS

Im Streit um den angeblichen Einsatz von Schnüffel-Software auf Millionen Handys hat der Dienstleister Carrier IQ erstmals eingestanden, SMS mitgeschnitten zu haben. Sie seien aber nie ausgewertet worden.

Im Streit um den angeblichen Einsatz von Schnüffel-Software auf Millionen US-Handys hat der Dienstleister Carrier IQ erstmals eingestanden, SMS mitgeschnitten zu haben. Sie seien aber nur durch einen Fehler auf die Server des Unternehmens gelangt und nie ausgewertet worden, sagten Carrier-IQ-Manager dem US-Blog "All Things Digital".

Die Software habe die SMS nur in den seltenen Fällen abgefangen, wenn sie während eines Telefonats abgeschickt wurden. Carrier IQ ist ein Dienstleister für Mobilfunk-Unternehmen, der von mehreren US-Netzbetreibern genutzt wird, darunter AT&T und T-Mobile USA.

Die Aufregung kochte hoch, nachdem ein Software-Experte ein Video veröffentlicht hatte, in dem nach seinen Angaben zu sehen war, wie die Software von Carrier IQ auf einem Handy Suchanfragen und gewählte Telefonnummern schon beim Eintippen registrierte.

"Wir wussten nicht einmal, dass sie aufgezeichnet wurden."

Carrier-IQ-Manager Andrew Coward sagte jetzt, in dem Video sei in Wirklichkeit eine Datei des Smartphone-Betriebssystems Android zu sehen gewesen. Zugleich habe man in dem Video nicht erkennen können, welche Art von Informationen an die Server von Carrier IQ gegangen sei. Zu dem SMS-Fall sagte Firmenchef Larry Lenhart: "Wir wussten nicht einmal, dass sie aufgezeichnet wurden." Sie seien in einem nicht auswertbaren Format gespeichert gewesen, auch die Netzbetreiber hätten nichts davon gewusst.

Das Unternehmen bereitet gerade die Antwort auf eine Anfrage aus dem US-Senat vor und ging kurz davor mit ausführlicheren Informationen an die Medien. Bisher wies Carrier IQ alle Vorwürfe kategorisch zurück und erklärte, Daten von Verbrauchern seien weder mitgeschnitten noch weitergeleitet worden. Der Dienst soll Mobilfunk-Anbietern helfen, die Netze besser zu managen.

Dafür würden etwa Informationen über abgebrochene Verbindungen und andere Ereignisse gesammelt, hieß es. In den USA wurde nach den Vorwürfen bereits eine Sammelklage gegen Carrier IQ, Smartphone-Hersteller und Netzbetreiber in Gang gesetzt. Informationen über einen möglichen Einsatz von Carrier IQ in Deutschland gab es bisher nicht, auch wenn Spuren der Software auf hierzulande verkauften Telefonen gefunden wurden. Die bayerischen Datenschützer fragten bereits beim iPhone-Hersteller Apple nach zusätzlichen Informationen an.