Spielekonzern Activison Blizzard Wenn die Pflicht ruft

Eine Szene aus "Call of Duty"

(Foto: Activision)

Der Spielehersteller Activision Blizzard ist mit dem Rollenspiel "World of Warcraft" und der Ego-Shooter-Reihe "Call of Duty" extrem erfolgreich. Jetzt kauft sich Firmenchef Bobby Kotick vom hochverschuldeten französischen Mutterkonzern Vivendi frei.

Von Mirjam Hauck

Der US-Spielehersteller Activision Blizzard löst sich für etwa 8,2 Milliarden Dollar vom französischen Mutterkonzern Vivendi. Die umgerechnet 6,2 Milliarden Euro kommen vom Unternehmen selbst und einer Investoren-Gruppe um Activision-Chef Bobby Kotick

Vivendi trennt sich so von 85 Prozent seiner Anteile an der Softwarefirma. Das gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Der hoch verschuldete Medienkonzern, zu dem unter anderem Universal Music gehört, gibt mit dem Verkauf seine Position als Mehrheitsaktionär auf. Activision Blizzard wolle mit dem Aktienrückkauf unabhängig werden, teilte der Primus der US-Videospiele-Industrie mit. Die Investoren um Kotick werden künftig 24,9 Prozent an Activision halten, der Anteil des französischen Vivendi-Konzerns schrumpft auf zwölf Prozent.

"Das ist eine riesige Chance für Activision und seine Aktionäre, inklusive Vivendi", sagte Bobby Kotick laut einem Statement. Bereits im vergangen Jahr gab es Gerüchte um einen Buy-out von Kotick. Der 50-Jährige hat Activision mitgegründet und ist seit 1991 Chef des Spieleherstellers.

Kotick kann auf eine lange Karriere in der IT-Branche zurückblicken. Bereits als Student programmierte er Apple-Software. Ende der 1980er wollte er, allerdings erfolglos, Commodore kaufen. Von 2003 bis 2008 war er Aufsichtsratsmitglied bei Yahoo, seit 2012 ist er auch noch Direktor bei Coca-Cola. Er sorgte Anfang Juli für Aufsehen, als er sein Jahresgehalt um 680 Prozent auf 64,9 Millionen Dollar erhöhte - und das, obwohl der Gesamtertrag des Unternehmens um zwölf Prozent zurückging.

Millionen Spieler

Activision Blizzard ist vor allem für erfolgreiche Spiele wie den Shooter "Call of Duty" oder das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" bekannt. Sorge bereitet Kotick allerdings, dass die Anzahl der Rollenspieler stetig sinkt. Gab es Ende des vergangenen Jahres noch 9,6 Millionen Spieler, sind es laut Activision derzeit nur noch 7,7 Millionen.

Die verbleibenden Kunden sind aber immer noch eine zuverlässige und stetige Einnahmequelle. So bezahlen Spieler nachdem sie sich das Game und diverse Erweiterungen gekauft haben monatlich zwischen elf und 13 Euro für den Zugang. Zudem können exklusive virtuelle Ausrüstungsgegenstände - wie beispielsweise ein hübscheres Pferd - zusätzlich erworben werden.

Eine weitere Geldquelle für Activision ist die umstrittene Ego-Shooter-Reihe "Call of Duty". Sie hat seit 2003 mehr als sieben Milliarden Dollar umgesetzt. Das sind mehr als alle "Star Wars"-Filme zusammen. Etwa 23 Millionen Mal hat sich allein der aktuelle Titel "Black Ops 2" verkauft. Online gibt es jeden Monat weltweit 40 Millionen aktive Spieler.

Die Videospieleindustrie bereitet sich in diesem Jahr insgesamt auf neue Herausforderungen vor. So bringen Microsoft und Sony neue Konsolen auf den Markt. Laut Expertenmeinung könnte es aber die letzte Generation an Spielekonsolen sein. Die Zahl der Konsolenspieler geht stetig zurück, Rechenleistung wird zunehmend in die Cloud verlagert und Spiele gestreamt. Wer einen Fernseher hat, benötigt zum Spielen dann fast nur noch einen Controller.