Von Susanne Herda

Kampfpreise und Exklusivverträge sind die Waffen der Wahl auf dem Markt der Spielkonsolen.

Der Haken hat gesessen. Die hübsche, aber böse Dame liegt winselnd am Boden. Doch plötzlich bäumt sie sich wieder auf und holt zum letzten, entscheidenden Schlag aus.

Das nimmt kein gutes Ende: "Dead or Alive 3" exklusiv für die Xbox. (© )

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So kennen und lieben die Fans ihre Konsolenspiele: Auf dem Bildschirm im Wohnzimmer wird, etwa bei "Dead or Alive", mit harten Bandagen und ohne Hemmungen gekämpft. Und diese Strategie setzt sich in den Management-Etagen der Konsolen- und Spielehersteller nahtlos fort. Die Waffen der Wahl sind dort plötzliche Preissenkungen statt geballter Fäuste und Exklusivverträge statt der abgesägten Flinte. Dieser Kampf dürfte sich in der nächsten Zeit noch verschärfen, wenn im März Microsofts Xbox und im Mai Nintendos Gamecube auf den Markt kommen. Der bisherige Monopol-Inhaber Sony hat darum rechtzeitig vorher den Preis der Playstation 2 drastisch gesenkt. Sie geht zurzeit für 300 Euro über den Ladentisch, während die Xbox 480 Euro kosten soll.

Die Geschichte des Spiels "Dead or Alive" illustriert den Frontverlauf während der vergangenen vier Jahre. Die Prügel-Software, die sich inzwischen zwei Millionen Mal verkauft hat, kam vor vier Jahren auf den Markt. Erste Kampfarena war die Sega-Konsole Dreamcast. "Wir haben uns damals um die Lizenz bemüht, weil die Konsole von Sega neu auf den Markt kam", sagt Stephan Ricken, der Produktmanager beim Herausgeber Acclaim. Der zweite Teil des Spiels läuft - unter Sonys Label - auch auf der Playstation. Und beim dritten Teil schlagen die Pixel-Kämpfer nur noch auf der Xbox zu: Microsoft hat sich die Rechte an "Dead or Alive 3" exklusiv gesichert.

Dieses Geschachere um die Lizenzen entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Die Hardware, mit deren Leistung die Hersteller beim Käufer werben, wird nur dann zum Verkaufsschlager, wenn ein breit gefächertes Angebot an Spielen erhältlich ist. Microsofts Produkt, so ist zu hören, soll mit 18 Titeln aller Genres starten. Damit alle Kunden etwas finden, hat der Software-Riese eine "gutmütige Steuerung" vorgenommen, sagt Firmensprecher Boris Schneider-Johne.

Dass eine solche Steuerung überhaupt möglich ist, zeigt schon, welche Gesetze bei den Konsolen gelten. Wer Spiele für Xbox, Playstation oder Gamecube entwickeln will, braucht eine Lizenz von den Hardware-Herstellern und muss sich deren Kontrolle unterwerfen. Software, Verpackung und Beipackzettel werden etwa bei Sony streng geprüft, ehe sie veröffentlicht werden dürfen. "Das kann Wochen dauern", sagt Wolfgang Ebert von der Firma Konami. Bei Microsoft und Nintendo sei es genauso.

Zum Kauf gezwungen

"Bevor der Konsolenhersteller die Spiele nicht freigegeben hat, geht gar nichts", bestätigt Stephan Ricken. Die Branche wisse aber genau, welche Qualitätsstandards sie erfüllen muss: Das Videospiel dürfe keine Abstürze verursachen, keine grafischen Fehler enthalten und müsse korrekt übersetzt sein. "Auf dem PC hingegen können die Firmen frei produzieren und liefern dann eben Korrekturen von Fehlern nach", sagt der Acclaim-Sprecher.

Die Qualitätskontrolle kostet viel Geld, das sich die Konsolenhersteller zurückholen: Die Spieleanbieter müssen ihren Erlös mit Sony, Microsoft oder Nintendo teilen. Über den gezahlten Betrag schweigt sich die Branche aus. Eine Vorstellung vermittelt der Aufschlag für die Kunden: Im Mittel ist Konsolensoftware 15 Euro teurer als ein PC-Spiel.

"Grundsätzlich sind die Lizenzgebühren bei jedem Spiel identisch. Man kann aber verhandeln", berichtet Wolfgang Ebert von Konami. Denn mit den Lizenzen halten die Konsolenfirmen den Verkauf ihres Produkts hoch und die Konkurrenz klein. Das schärfste Instrument dabei ist der Exklusivvertrag. Entwickelt ein Software-Hersteller ein begehrtes Spiel nur für eine Plattform, kann er deutliche Preisnachlässe heraushandeln. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Modelle, sagt Matthias Oertwig vom Hersteller Ubi Soft. "Exklusivvereinbarungen gelten manchmal nur für eine Version und manchmal nur für einen bestimmten Zeitraum."

So lange sie aber gelten, zwingen sie den Spielefan, sich die passende Hardware zu kaufen. Anhänger von "Metal Gear Solid 2" sind also auf die Playstation 2 angewiesen. Und wer ab März unbedingt "Dead or Alive 3" spielen möchte, braucht eben die Xbox.

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