Pfitzmann: Zum einen beeinträchtigen die meisten Formen der Sperrung den Durchsatz und die Geschwindigkeit des Netzes. Außerdem sperren sie entweder zu viel oder zu wenig. Zum anderen können sich Sperrverpflichtungen innovationsfeindlich auswirken. Die Umsetzung ist für die Provider teuer und kaum wirtschaftlich zu handhaben. Und die Regeln werden die Entwicklung neuer Internetdienste in Deutschland hemmen.

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sueddeutsche.de: Ein Land wie China brüstet sich mit seiner Great Firewall, die den Zugriff auf unliebsame ausländische Internet-Inhalte innerhalb Chinas sperrt.

Pfitzmann: Das chinesische Filtersystem ist auf den ersten Blick tatsächlich sehr effektiv. Zunächst leiten die chinesischen Zugangsprovider alle Daten ungehindert weiter, legen dabei aber Kopien an und analysieren sie. Bei unliebsamen Inhalten beenden dann sogenannte TCP-Reset-Pakete die Kommunikation.

Nach einem solchen Kill-Befehl kann der PC des Surfers keine Verbindung mehr herstellen. Doch auch diese Sperrmaßnahme ist für jeden technisch Interessierten leicht zu umgehen: Er muss seinen Rechner lediglich so konfigurieren, dass er die vom Filtersystem versandten Informationen ignoriert. Moderne Personal-Firewalls können das.

Zudem müssen wir uns fragen, in was für einem Land wir leben wollen, ob eine Demokratie das nachbauen sollte, was die Chinesen haben.

sueddeutsche.de: Welchen Rat geben Sie also Frau von der Leyen?

Pfitzmann: Wenn es um den Schutz vor Kinderpornographie geht, sollte die Familienministerin anstatt in Internetsperren besser mehr in den Jugendschutz investieren - zum Beispiel die Jugendämter besser ausstatten. Und wir alle sollten einfach genauer hinschauen, was in unserer Nachbarschaft passiert.

Professor Andreas Pfitzmann ist Leiter der Datenschutz- und Sicherheitsgruppe an der Technischen Universität Dresden. In seinem Gutachten für die Kommission für Jugendmedienschutz (kjm) untersuchte er die technischen Vorraussetzungen und die Wirksamkeit von Internetsperren gegen Zugangsprovider. Aktuelle Forschungsprojekte von Andreas Pfitzmann sind anonymes Websurfing (JAP), datenschutzgerechtes Identitätsmanagement (PRIME) und Steganographie (hier Verschlüsselungstechniken im Internet).

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(sueddeutsche.de/bön/cmat)