Von Bernd Graff

Ein als "Spam King" bekannter Mann muss 230 Millionen Dollar zahlen, weil er die Internetplattform "MySpace" mit Werbemails überflutet hat. Das Urteil ist ein Meilenstein im Kampf gegen den Werbemüll.

Die Internetplattform "MySpace" hat von einem US-Bundesgericht 230 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen bekommen, weil sie von einem als "Spam King" bekannten Mann und dessen Kompagnon mit unerwünschten Werbemails überflutet worden war. Dies ist das höchste Urteil, das jemals gegen Massenversender elektronischer Post ausgesprochen wurde. Und es ist ein Meilenstein im Kampf gegen "Spam" - den Müll in Postfächern von Internetnutzern.

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(© Foto: dpa)

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Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass MySpace diese Schadenssumme jemals erhalten wird, lässt sich Hemanshu Nigam, der oberste Sicherheitsbeauftragte dieser Plattform für Mode, Tratsch und Lebensstil, mit den Worten zitieren: "Es ist mein Job, die Spammer zu stoppen. Und nach diesem Urteil wird jeder, der die Absicht hat, Spam zu verschicken, sich wohl sagen müssen: Das lasse ich jetzt wohl mal besser."

Sanford Wallace, der verurteilte Spam-König, ist für die amerikanische Justiz kein Unbekannter. Mitte der 90er Jahre wurde er auffällig, weil seine Firma bis zu 30 Millionen Spam-Botschaften über die E-Mail-Konten der Erde streute. Täglich. Und als Wallace' Firma Mitte unseres Jahrzehnts arglosen Internetsurfern Schadsoftware auf die Computer spielte, um sie anschließend zum Kauf der Anti-Schadsoftware seiner Firma zu nötigen, verdonnerte ihn die US-Handelsaufsichtsbehörde FTC zur Rückzahlung von vier Millionen Dollar.

Jetzt soll der umtriebige Spammer Passwörter ausgespäht und sich unberechtigten Zugang zu MySpace-Konten verschafft haben. An die Besitzer schickte er seine Werbebotschaften. Außerdem soll er mit Hilfe des Computers massenhaft Profile und Gruppen in dieser Internet-Gemeinschaft angelegt haben, um seine ungewollten Botschaften dort abzusetzen.

Der Kampf gegen Spam kommt einem Hase-und-Igel-Wettlauf im Internet gleich. Am 3. Mai 1978, also vor mehr als 30 Jahren, fanden 400 an den Internetvorläufer Arpanet angeschlossene Nutzer die ersten unerwünschten Werbemails in ihren elektronischen Postfächern. Damals war der Absender, der Zubehör für Computer verkaufen wollte, noch leicht zu identifizieren und wurde abgemahnt. Heute rechnet man damit, dass jährlich 100 Milliarden Spam-Mails verschickt werden.

Nur der Spammer macht Kasse

Das sind 80 bis 85 Prozent des Gesamtaufkommens an elektronischer Post. Solche Massen erledigt kein Mensch. Das besorgen speziell dafür programmierte Computer. Solche werden "Harvester" ("Erntemaschinen") genannt, sie durchforsten das Internet systematisch nach offen einsehbaren E-Mail-Adressen. "Filterbrecher" stimmen die Art und Anmutung neuer Spam-Mail auf die Kontrollmechanismen der Spam-Abwehr ab. Und schließlich gibt es Computer, die den Massenversand optimieren: Bis zu 70 Millionen elektronischer Botschaften am Tag werden so von einem einzelnen Spammer verschickt, 2,1 Milliarden im Monat.

Spam ist nicht nur ein Ärgernis. Die ungewollte Flut verursacht wirtschaftliche Schäden, weil nahezu alle ans Internet angeschlossene Unternehmen erheblichen Aufwand betreiben müssen, um Spam mit Schadsoftware und Post mit betrügerischen Absichten aus dem regulären Eingang zu filtern.

Nur der Spammer macht Kasse: 40 Prozent Provision werden ihm angeblich für jeden über Spam-Köder abgewickelten Kauf gezahlt. Und es lohnt sich immer. Bis zu 15.000 Menschen fallen jedes Mal auf eine Spam-Kampagne herein.

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(SZ vom 15.05.2008/woja)