Google gibt nach: Nach monatelangen Protesten dürfen Nutzer des Plus-Netzwerks Pseudonyme und Nicknames verwenden. Kritiker bezweifeln allerdings, dass es der Konzern ernst meint.
Es war eine zähe Debatte: Schon im Juli begann Google damit, Nutzer seines Netzwerks Google Plus zu löschen, wenn diese offensichtlich Pseudonyme verwendeten. Trotz zahlreicher Proteste von Mitgliedern und Technologie-Aktivisten hielt der Konzern an seiner Praxis fest - und rechtfertigte sich damit, ein "Identitätsdienst" zu sein.
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Google-Vorstandsmitglied Vic Gundotra: "Andere Formen der Identität" künftig möglich. (© Bloomberg)
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Von dieser harten Linie will das Unternehmen nun jedoch offenbar abrücken: Auf dem Web 2.0 Summit in San Francisco erklärte Google-Vorstandsmitglied Vic Gundotra, dass der Dienst künftig Pseudonyme und "andere Formen der Identität" dulden werde. Ab wann dies der Fall sein wird, ließ Gundotra offen.
Kritiker macht das vage Statement stutzig: Jamie Zawinsk, Mitgründer von Netscape, rechnet beispielsweise damit, dass Google eine Klarnamen-Registrierung verlangen und Nutzern erst danach die Möglichkeit geben könnte, ein Pseudonym zu wählen.
Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation hatten Google für die Löschung der Pseudonym-Konten harsch kritisiert. Als Beispiele für die Notwendigkeit falscher Namen werden Aktivisten in unterdrückten Regimen oder Menschen, die sich online über Krankheiten oder Traumata austauschen möchten, genannt. Gegner von Pseudonymen führen eine bessere Diskussionskultur und einfachere Identifizierungsmöglichkeiten ins Feld.
Weil Netzwerke wie Google Plus oder Facebook die Informationen ihrer Nutzer zur gezielteren Einblendung von Werbung nutzen, sind Klarnamen für die Portale von besonderer Bedeutung für das Geschäftsmodell. Bei Facebook, der Konkurrenz-Plattform von Google Plus, sind ebenfalls keine Pseudonyme zugelassen.
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(sueddeutsche.de/joku)
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Facebook kathegorisch abzulehen und evtl. bei G+ mitzumachen, hätte ich es wahrscheinlich wegen augenscheinlich besserer Sicherheitseinstellungen gemacht, wenn nicht für mich zwischen den Zeilen der Vertragsbedingung gestanden hätte, dass man auch bei anderen Diensten dann die Ersetzung des Pseudonyms durch den Klarnamen akzeptieren müsste. DAS war für mich völlig indiskutabel. Ich weiß, wie viele Spams ich trotz professioneller Firewall und Filter durch den Klarnamen in der Arbeit bekomme, - das brauche ich nicht privat auch noch.
Außerdem wären dann (berechtigte) kritische Äußerungen zu dem mir bekannten Umfeld völlig undenkbar, - und dabei rede ich noch nicht mal annähernd von Qualitäten á la Wikileaks.
Mal schau'n, ob die Richtlinien demnächst akzeptabler sind.
Bis jetzt haben die meisten Anwender nichts gegen Googles Datensammelwut, solange in den Google Ads Anzeigen erscheinen, welche eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, den Interessen der Nutzer zu entsprechen.
Und auch einen Klarnamenzwang kann man noch elegant umgehen, wenn man die Möglichkeit hat, sich Fritzchen Müller zu nennen und nicht nach seiner Paßnummer gefragt zu werden.
Wenn jedoch genau dies eintrifft, ist zu vermuten, daß sich eine große Anzal der Internetnutzer von den sozialen Neztwerken abwendet, denn dann geht es in Richtung Überwachung.
Der nächste Schritt wäre die Zusammenarbeit von sozialen Netzwerken und staatlichen Behörden. Ausgerechnet bei dieser Forderung, die gerne von konservativen Parlamentariern ins Gespräch gebracht werden, kommt die CDU/CSU wieder bei den Stasi-Methoden an.