Soziales Netzwerk Facebook plant "Dislike"-Knopf, der keiner ist

Gefällt mir, gefällt mir nicht: Die Forderung nach einem Dislike-Button existiert schon lange.

(Foto: dpa)
  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigt "Gefällt-mir-nicht"-Knopf an.
  • Die Funktion soll nicht Ablehnung, sondern Mitgefühl ausdrücken.
  • Wie die Empathie-Funktion das Verhalten der Nutzer ändern könnte.
Von Johannes Kuhn, San Francisco

Die Debatte ist fast so alt wie Facebook selbst, und sie galt zwischenzeitlich schon als abgehakt: Braucht das soziale Netzwerk ein Gegenstück zum "Gefällt-mir"-Knopf?

Lange hatte die Firma betont, welch schlechte Idee das sei. Facebook soll ja - theoretisch zumindest - das Digital-Land der positiven Handlungen und Haltungen sein, und nichts symbolisiert dies stärker als der erhobene Daumen. Und wer möchte schon ein "Gefällt mir nicht" unter seinem neuen Profilbild oder dem ersten gemeinsamen Foto mit dem neuen Lebenspartner sehen?

Und doch äußern viele Nutzer diesen Wunsch, seit geraumer Zeit hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erklärt, dass seine Firma über eine Lösung nachdenke. Nun verriet er in einer Fragestunde in der Facebook-Zentrale, dass der neue Knopf demnächst getestet und danach wahrscheinlich eingeführt werde.

Kein Gegenstück zum "Gefällt mir"

"Wir haben euch gehört und wir arbeiten daran und werden etwas liefern, das die Bedürfnisse eines Großteils der Gemeinschaft gerecht wird", sagte er. Er habe gezögert, die Funktion zu entwerfen, weil er nicht wolle, dass Menschen "niedergestimmt" werden könnten. Kurz: Facebook ist kein Forum wie Reddit (wo der Daumen nach unten entsprechend verwendet wird), und das soll so bleiben.

Wie? Indem der Dislike-Button kein Gegenstück zum Gefällt-mir-Knopf wird, sondern eine Funktion zur Anteilnahme. "Nicht jeder Moment ist ein guter Moment", so die Zuckerberg'sche Einsicht. Ein Todesfall in der Familie, Artikel oder Fotos der Flüchtlingstragödie - dort, wo ein "Gefällt mir" unangebracht wirkt, Menschen aber Anteilnahme zeigen wollen, soll der neue Knopf zum Einsatz kommen. Man könnte sagen: Facebook erhält eine Mitgefühl-Funktion.

Details verriet Zuckerberg keine. Zwei Varianten stehen theoretisch zur Auswahl: 1. Der veröffentlichende Nutzer selbst kann wählen, ob er Status-Mitteilung oder Fotos mit dem Mitgefühl-Knopf versieht oder er beim "Gefällt mir" bleibt. 2. Freunde entscheiden, ob sie den Mitgefühl-Knopf anwählen.

Letzteres hätte zwar hohen Ironie-Faktor (Marke x stellt schlechtes Produkt vor, höhö, Mitgefühl-Klick ... Freund y zeigt Hochzeitsfoto, höhö, Mitgefühl-Klick), könnte aber im Facebook-Land der positiven Willensbekundungen zu vielen Kontroversen führen (höhö-Mitgefühl für Hochzeitsfoto, mehr "Gefällt mir" als "Mitgefühl"-Angaben unter dem Foto eines verzweifelten Flüchtlings). Auch die Übersetzung der Empathie-Funktion in die unterschiedlichen Sprachen ist nicht trivial.

Es geht auch darum, was aus Facebook wurde

Facebook kann mit der Mitgefühl-Funktion theoretisch das Verhalten seiner Milliarden Nutzer ändern. Allerdings entwickeln sich häufig ganz eigene Regeln und Normen. Auf Instagram bedeutet das Zustimmung signalisierende "Herzchen" in vielen Teenager-Kreisen inzwischen schlicht ein "Habe ich gesehen", ohne jede Wertung.

Und statt einer Plattform für die Teilnahme an der Achterbahn des Lebens ist Facebook mit seinen Status-Mitteilungen häufig ein Werkzeug, um vorteilhafte Lebensschnipsel zu verbreiten, die Authentizität simulieren, ohne den kleinsten Blick unter die Oberfläche ermöglichen zu müssen.

Könnte ein Mitgefühl-Knopf dazu beitragen, dies zu ändern? Mark Zuckerberg, Chef einer Firma im ständigen Kampf um Nutzer-Aufmerksamkeit und -Verweildauer, würde in diesem Fall sicherlich "Gefällt mir" klicken.