Der Gefällt-mir-Knopf erobert das Netz: Künftig sollen Facebook-Mitglieder ihre Vorlieben auch jenseits der Plattform preisgeben. Droht nun der gläserne Nutzer?
"Gefällt mir" - unscheinbar prangt der Knopf auf der Internetseite von Facebook, versehen mit einem nach oben gerichteten Daumen. Wer mit der Computermaus darauf klickt, gibt seine Begeisterung kund für Bilder von Freunden, Kommentare oder Mitteilungen.
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Facebook will ab sofort eine Plattform im gesamten Web sein. (© Foto: Reuters)
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In der Strategie des sozialen Netzwerks, auf dem weltweit Menschen Kontakte knüpfen, soll dieser kleine Knopf künftig eine wichtige Rolle spielen. Wenn ein Facebook-Nutzer darauf klickt, teilt er seine Vorlieben für Bands, Nachrichten oder Restaurants seinen Freunden mit - und den Anzeigenkunden von Facebook. Die Funktion schafft also ganz neue Werbemöglichkeiten.
Demnächst soll es den Knopf auch auf vielen anderen Internetseiten geben. Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg sagte nun auf einer Entwicklerkonferenz von Facebook, das sei "die umwälzendste Neuerung, die wir jemals für das Internet gemacht haben".
Eine Viertelmililion Seiten sind dabei
Bei all den sozialen Treffpunkten im Internet wie Myspace.com, Linkedin.com oder hierzulande Xing, StudiVZ oder Lokalisten hat Facebook im Moment die Nase vorn. Die vor sechs Jahren in den Vereinigten Staaten gegründete Internetseite verbindet inzwischen bald eine halbe Milliarde Menschen.
Zwei von drei Nutzern wohnen außerhalb der Staaten. Eine Million selbständige Entwickler zählt das Unternehmen, die Erweiterungen für das Netzwerk programmieren wie beispielsweise kleine Spiele.
Andere Webseiten können Inhalte von Facebook auf der eigenen Seite einbinden. Nach Angaben des Unternehmens nutzen das bereits eine Viertelmillion Internetseiten. Die Anbieter anderer Seiten können demnächst auch den Gefällt-mir-Knopf einbauen, dadurch würde sich die Zahl deutlich erhöhen.
Zielgerichtete Werbung
Umwälzend ist diese Neuerung vor allem für die Werbekunden von Facebook, sie könnten deutlich mehr Informationen über Facebook-Nutzer erhalten und so ihre Anzeigen zielgerichteter schalten.
Wer etwa auf einer Internetseite angibt, dass ihm ein Film gefällt oder eine Musikband, in dessen Facebook-Profil könnte auch ein Link zu diesen Informationen auftauchen. Anzeigenkunden könnten diese Daten nutzen. Noch allerdings gebe es kein spezielles Werbeformat hierfür, heißt es. Die Webseiten, auf denen der Gefällt-mir-Knopf eingebettet ist, profitieren ihrerseits von höheren Nutzerzahlen, wenn die Freunde schauen, was gerade angesagt ist.
Die neue Funktion hat aber zu Bedenken geführt, was den Datenschutz angeht. Facebook-Chef Zuckerberg erklärte allerdings, dass keine personenbezogenen Informationen weitergegeben würden. Lediglich zusammengefasste Daten von mehreren Nutzern könnten weitergeleitet werden, wenn die Nutzer zustimmen, hieß es. Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.
- Google und Facebook Die Inbox unseres Lebens 10.02.2010
- Rat zum Boykott Verbraucherschützer: Raus aus Facebook 08.04.2010
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- Facebook und der Datenschutz Mehr Privatsphäre? Von wegen! 12.12.2009
- Facebook und Co. im Test Katastrophaler Datenschutz 25.03.2010
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Studentenprojekt Diaspora Vier gegen Facebook 18.05.2010
(SZ vom 23.04.2010/joku)
Ich verstehe die Aufregung hier nicht. Alles kein Problem, wenn man sich vorher genau überlegt, was man wann wo postet und preisgibt. Natürlich wollen die Macher möglichst viel Geld scheffeln. Wenn diese allerdings ihren heiklen Weg im Umgang mit sensiblen Daten weiter verfolgen, werden sich immer mehr Leute abmelden und an anderer Stelle im Netz entsteht wieder etwas Neues. So wie immer im Internet, wenn die Abzocke dann doch zu auffällig wird. D.h. wenn der Like-Button zu Werbezwecken missbraucht werden sollte, werden die User diesen dann in der Folge weniger nutzen. Mit solchen Plänen schaufeln die Facebook-Macher doch ihr eigenes Grab. Es ist falsch, davon auszugehen, dass Millionen von Menschen, die s.g. soziale Netzwerken nutzen, allesamt dämlich sind, wie das hier von einigen Schlaumeiern unterstellt wird. Es geht hier wie immer einzig und allein um Medienkompetenz. Dies bedeutet, mit Netzwerken kritisch umzugehen nicht soziale Netzwerke grundsätzlich zu verdammen.
Denn wer sich auf Dienste wie Facebook oder die davon abgeleiteten Derivate einlässt, der kann sich auch die Namen seiner Freunde auf die Stirn tätovieren lassen, seine Visitenkarte als Flugblatt verteilen und private Fotos in der Tagespresse abdrucken lassen, während er gleichzeitig mit einem Megafon die Menge um Werbemüll und Weiterverteilung seiner Daten bittet.
Das für sich genommen wäre aber nur für Außenstehende ein befremdlich anmutendes Gehabe aus einem fehlgeleiteten Geltungsbewusstsein heraus.
Schlimmer finde ich jedoch die Fahrlässigkeit, die diese Menschen im Umgang mit Daten und Privatsphäre anderer Menschen an den Tag legen: Da wird das Outlook-Adressbuch freigegeben, Einladungen verschickt um einen Freimonat o.ä. belangloses zu ergattern und gar nicht darüber nachgedacht, dass man so die Beziehung zwischen sich selbst und dem Gegenüber offen legt und gleichzeitig einem unbekannten Personenkreis mit unbekannten Absichten Daten wie Name und E-Mail-Adresse ohne Zustimmung des Datenbesitzers übermittelt - dieser wird dann in der Folge möglicherweise mit allerlei Angeboten beglückt und wird diese Pest kaum wieder los.
Ginge es nur um die armen Geschöpfe, die diesem medialen Wahnsinn verfallen sind, könnte man über ein angemessenes Therapieangebot für Ausstiegswillige nachdenken - aber es betrifft eben auch immer die Menschen, die im Umfeld dieser Exhibitions-Junkies leben.
Meiner Meinung nach wäre es Zeit, den Datenschutzbeauftragten die Samtpantoffeln ausziehen und ihnen ein paar angemessen scharfe und lange Krallen zu verpassen, damit zumindest hierzulande die schlimmsten Ferkeleien von Facebook unterbunden werden.
@toxicbuddha:
Ich würde mir die deutlich sichtbare Stigmatisierung als Nikotinabhängiger aus dem Avatar raus radieren.
Die Datamining Firma Facebook firmiert in der SZ nach wie vor als "soziales Netzwerk". Warum? Fragen wird man ja wohl dürfen, nur sinnvolle Antworten darf man keine erwarten. ;)
Wann berichtet die SZ über die enge Verflechtung der Facebook-Gründer mit der CIA? - Wie ich schon sagte: Fragen darf man ja (noch).
Oder positiv ausgedrückt hängt man hier vielleicht nicht so viel vorm Computer, sondern trifft sich im Gegensatz zu Berlin und Hamburg lieber mehr im realem Leben.
laberlaberlaber. Wird hier irgendwie Zwang ausgeübt? Muss ich hier unbedingt 'Mitglied' werden? Wohl eher nicht. Das Zeilengeld macht's, gell?
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