In den USA ist das Rennen der sozialen Netzwerke entschieden: Während Facebook weiter wächst, muss MySpace kräftige Einbußen hinnehmen.
Es ist ein tiefer Abstieg, den das US-Marktforschungsunternehmen Hitwise dem Freundesnetzwerk MySpace bescheinigt: Noch im September 2008 war die Seite, gemessen an der Zahl der Besuche, unangefochtener Spitzenreiter bei den sozialen Netzwerken. Doch der damalige Marktanteil von 55 Prozent schrumpfte innerhalb eines Jahres auf 30 Prozent.
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US-Freundesnetzwerk Facebook: MySpace locker abgehängt (© Foto: dpa)
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Damit liegt die Seite, die zu Rupert Murdochs Konzern News Corporation gehört, nur noch auf Platz zwei der Hitwise-Rangliste. Marktführer ist inzwischen das Konkurrenznetzwerk Facebook, das die Zahl der Visits innerhalb eines Jahres um 194 Prozent steigern konnte und nun 59 Prozent des Marktes auf sich vereint.
Nach den Zahlen von Hitwise kommt das umstrittene Netzwerk "Tagged" mit 2,38 Prozent auf Rang drei. Die Seite ist für Spamattacken bekannt, das Time-Magazine kürte sie im Juni zur "nervigsten Webseite der Welt".
Auf dem vierten Rang findet sich der Mikrobloggingdienst Twitter, der mit einer Steigerung von 1170 Prozent den größten Zuwachs verzeichnete. Insgesamt ist der Marktanteil mit 1,84 Prozent allerdings noch bescheiden.
Geht es nach der Zeit, die Nutzer in sozialen Netzwerken verbringen, ist der Hitwise-Studie zufolge jedoch MySpace weiterhin Spitzenreiter: Durchschnittlich 26 Minuten haben amerikanische Nutzer die Seite geöffnet. Twitter scheint in dieser Beziehung hingegen deutlich an Reiz verloren zu haben; verbrachte ein Nutzer vor einem Jahr noch 36 Minuten mit dem Dienst, waren es im September 2009 nur noch etwa 16 Minuten.
Auch die Altersstruktur der Nutzer von sozialen Netzwerken ändert sich. So wuchs der Anteil der Nutzer über 55 Jahren insgesamt um 77 Prozent. Stellvertretend für diesen Trend steht Facebook: Dort bildet die Gruppe der 18 bis 34-Jährigen zwar immer noch fast ein Drittel der Nutzer, jedoch sind inzwischen 13,5 Prozent der Nutzer jenseits der 55.
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(sueddeutsche.de/jk/holz)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Die Statistik zeigt, dass man nur geschickt interpretieren muss, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Dass die Leute nur noch 16 statt 26 Minuten auf twitter.com bleiben, könnte z. B. auch daran liegen, dass die Clients besser geworden sind. Gerade Vielnutzer dürften höchst selten auf die Website gehen, sondern alles in Clients tun.
Das Überholen des alten Branchenprimus dürfte für Facebook wohl einen faden Beigeschmack haben ist es doch zuallererst ein Beweis für das Maß, in dem die großen Sozialen Netzwerken der Mode und der Hippness unterworfen sind. Das "Rennen" ist damit also wohl kaum entschieden. Es hat sich nur geändert, welcher Marktführer als nächstes seinen Zenith erreicht hat.