Sotschi 2014 Russland will Olympische Spiele komplett überwachen

Wer verabredet sich auf Facebook zu Protesten gegen das russische Homosexuellen-Gesetz? Russland rüstet auf, um die Kommunikation während der Olympischen Spiele in Sotschi total zu überwachen.

Während der Olympischen Winterspiele in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi werden 40.000 Polizisten und 5000 Überwachungskameras im Einsatz sein. Verglichen mit London, verspricht der russische Inlandsgeheimdienst FSB, werden die Sicherheitsmaßnahmen aber "unsichtbar" sein. Was genau "unsichtbar" bedeuten könnte, wird nun im britischen Guardian ausführlich erklärt (hier und hier).

Russland plant demzufolge, die gesamte Kommunikation zu überwachen. Alles werde mitgeschnitten, abgehört, nach bestimmten Schlagwörtern gefiltert, lokalisiert und mit Daten über den jeweiligen Nutzer versehen für lange Zeit gespeichert. Das gilt für Anrufe per Telefon und Smartphone genauso wie für den gesamten Internetverkehr, die Kommunikation in Chats, E-Mails und sozialen Netzwerken. Es soll möglich sein, einzelne Worte gezielt zu suchen und zu verfolgen. Die Überwachung betrifft demnach auch Anbieter wie Googles E-Mail-Dienst.

"Sorm" gilt als "Prism auf Steroiden"

Der Sicherheitsexperte Ron Deibert nannte die Pläne "Prism auf Steroiden". Mit Prism überwacht der amerikanische Geheimdienst NSA die Kommunikation im Netz. Das russische Programm läuft generell unter dem Namen "Sorm". Sorm werde derzeit modernisiert und seit 2010 kontinuierlich ausgebaut - Sotschi stehe dabei als Stätte der Olympischen Winterspiele im Mittelpunkt.

Russland hatte mehrfach betont, dass das im Land geltende Anti-Homosexuellen-Gesetz auch während der Olympischen Spiele in Kraft bleiben werde. Mit Sorm könnte die russische Regierung kontrollieren, dass auch auf sozialen Netzwerken keinerlei Aktionen oder Proteste koordiniert werden können. Wer nach Begriffen wie "Nawalny" suche, der Name eines Oppositionspolitikers, könne sehen, wer über ihn spreche.

Seit 2010 stellt die russische Regierung laut Guardian sicher, dass Telefon-, Mobilfunk- und Internetanbieter in Sotschi Abhöranlagen installieren. Inhalte sollen per Deep Packet Inspection gefiltert werden können; dabei öffnet der Geheimdienst Datenpakete und analysiert ihren Inhalt, vergleichbar mit dem Öffnen eines Briefes.

Das technische Fundament für das Überwachungssystem mit dem Namen Sorm wurde zu KGB-Zeiten, also Mitte der achtziger Jahre, gelegt. Ursprünglich sollte Sorm dazu dienen, Telefonate abzuhören. Doch das System wurde jeweils neueren technischen Ständen angepasst.

Laut Sicherheitsexperte Deibert gehen die russischen Pläne weit über die Überwachung in Peking 2008 hinaus. Auch 2002 in Salt Lake City hatten FBI und NSA Abhörwerkzeuge eingesetzt, um sechs Monate rund um die Veranstaltung herum die Inhalte aller E-Mails und Textnachrichten zu überwachen.

Die beiden Journalisten Andrei Soldatov und Irina Borogan, die die Dokumente für den Guardian ausgewertet haben, haben bereits 2012 im Magazin Wired über ein Gesetz berichtet, auf deren Grundlage Russland das Internet filtern will. Soldatov und Borogan haben hier ihre aktuelle Recherche beschrieben.