Eigentlich eine prima Idee, die "Steckdose zum Mitnehmen". Aber die Geräte zum Aufladen von Akkus mit Sonnenenergie versprechen mehr, als sie in Tests halten.
Auf Reisen schwinden ihnen schnell die Kräfte. Ist der Akku leer, zeigt sich, dass Mobiltelefone für den mobilen Einsatz fern jeder Steckdose nur bedingt geeignet sind. Dann wird die Energiekrise zur Sinnkrise: Soll man das Handy künftig zu Hause lassen? Man kann schließlich die Steckdose nicht mitnehmen. Oder etwa doch?
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Die einzige Lösung bislang bieten Ladegeräte, die den Handy-Akku mit Solarkraft auftanken. Scheint die Sonne, könnten diese knapp Taschencomputer-großen Geräte die Energiespeicher von Handys und anderen Kleingeräten wieder füllen, versprechen die Importeure der zumeist aus Fernost stammenden Minikraftwerke. Ob es stimmt, haben jetzt Elektrotechniker an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) überprüft.
Dazu wählten sie in Zusammenarbeit mit dem ARD-Ratgeber Technik drei typische Modelle aus dem breiten Feld der Angebote: das Solarladegerät 3612J des Importeurs Solarcosa, das nach Angaben des Anbieters sechs Watt leistet, sowie das Solar-Power-Set iSun der kanadischen Firma ICP Solar Technologies und den e.GoMaster der Berliner Firma Solarc, die jeweils 2,2 Watt leisten sollen.
Das Ergebnis: Alle drei Geräte schienen auf den ersten Blick brauchbar zu sein. Bei strahlendem Sonnenschein meldete das Mobiltelefon jeweils: "Akku wird geladen." Mit einem Nokia-Handy hatten sich die Tester auf die Reise gemacht.
Gustav Vaupel vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der HAW überprüfte die Leistungsangaben der Hersteller zudem im "Sonnensimulator". Darin stellen 48 Halogenlampen eine definierte Sonneneinstrahlung nach. Während die Sonne unregelmäßig scheint und auch die Atmosphäre dazu beiträgt, eine Vergleichsmessung zu erschweren, lässt sich im Prüfstand eine definierte Strahlungsintensität einstellen.
Zur Messung der Maximalleistung wählten die Tester die Einstrahlung eines sonnigen Tages in Mitteleuropa, also 1000 Watt pro Quadratmeter. Das Ergebnis: In den Angaben zur Leistung schummeln die Anbieter offenbar alle.
Anstelle der versprochenen sechs leistet das 3612J nur 3,7 Watt; iSun und e.Go liefern nicht 2,2, sondern nur 1,5 und 1,8 Watt. "Das sagt aber nichts darüber aus, wie lange der Ladevorgang dauert", sagt Vaupel, "denn diese Leistung liegt bei unterschiedlichen Spannungen an".
Das 3612 J erreicht seine Maximalleistung bei 12 Volt, das iSun bei 7,5 Volt. Nur das e.Go erwies sich als optimal auf Kleingeräte wie Handys abgestimmt, da es seine Leistungsspitze bei 3,7 Volt erreicht, was auch der Nennspannung des Lithium-Ionen-Akkus im Nokia-Handy 6230 entspricht.
Damit benötigt der e.Go-Lader theoretisch zwei Stunden, um den Akku des Testhandys bei optimalen Bedingungen aufzuladen. In Wirklichkeit aber dauert es länger. Denn abgesehen von chemischen Verlusten im Akku selbst, hängt die Leistung der Solarzellen vom Wetter ab.
Sie sinkt nicht nur bei fehlender, sondern auch bei stark strahlender Sonne. Denn sobald sich Solarzellen erwärmen, leisten sie weniger. Jedes zusätzliche Grad führt zu einem Leistungsverlust von etwa 0,4 Prozent. Bei starker Einstrahlung und hoher Außentemperatur können sich die Module auf mehr als 80Grad Celsius erhitzen.
Allerdings verlängert hierzulande eher schlechtes Wetter die Ladezeiten. Lässt starke Bewölkung die Einstrahlung auf eine Drittel sinken, beginnt der Ladevorgang oftmals erst gar nicht. Manche Handy-Akkus benötigen nämlich eine Mindestleistung von einem Watt, um den Ladevorgang zu starten.
Bei bewölktem Himmel schaffte das keines der drei Ladegeräte. Blinzelt die Sonne dann doch kurz zwischen den Wolken hervor, kann es zu einem paradoxen Phänomen kommen: Bei wechselhaftem Wetter reicht die schwankende Stromzufuhr aus den Solarzellen unter Umständen nicht einmal aus, um den während des Ladevorgangs vom Handy - etwa für die Anzeige des Ladebalkens - verbrauchten Strom zu decken. Dann heißt es zwar: "Akku wird geladen", faktisch aber verliert er Energie.
Dieses Manko gleichen nur Akku-Lader aus, die wie das iSun und das e.Go mit eigenen kleinen Energiespeichern arbeiten. So lässt sich an der Unterseite des iSun ein im Preis enthaltener "Batteriepack" aus zehn Mignon-Akkus andocken.
Die Notreserve kann über die Solarzellen oder eine Steckdose aufgeladen werden und liefert selbst dann noch Energie, wenn die Sonne schwächelt. Allerdings muss sich der Nutzer zwischen Sonnen- oder Batteriestrom entscheiden. Das e.Go hingegen besitzt eine Elektronik, die selbständig Energie aus internen Akkus zuführt, wenn die Sonne nachlässt. Zumindest auf die Kraft seiner Handy-Akkus allein ist der reisende Mobiltelefonierer somit nicht mehr angewiesen.
Den Test der Solar-Akkulader zeigt die Sendung "ARD-Ratgeber Technik" am Sonntag, 14. August, 17.03 Uhr.
(SZ vom 12.8.2005)