Software Mit Open Source siegt die Vernunft

Am Steuer: Das Betriebssystem Linux, symbolisiert durch den Pinguin Tux, ist in vielen Bereichen schon führend. Wenn es nach seinen überzeugten Anhängern geht, bald auch in Autos. Illustration: Stefan Dimitrov

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  • Google, Facebook und Amazon basieren auf Open-Source-Software .
  • Für Unternehmen ist es wenig sinnvoll, Basis-Leistungen ihrer IT-Systeme alleine zu entwickeln oder sie teuer bei kommerziellen Anbietern zu kaufen.
  • Mit freier Software wird aber trotzdem Geld verdient - und das nicht zu knapp.
Von Helmut Martin-Jung und Christoph Neidhart

Gerald Pfeifer sieht die Sache ganz pragmatisch: "Die Kunden brauchen Software, die funktioniert", sagt der Österreicher, der bei der Nürnberger Software-Firma Suse die Bereiche Produkte und Services leitet. "Wenn's nicht tut oder zu langsam arbeitet, ist es keine Option." Es, das ist Software, die man auch in Fachkreisen noch vor einigen Jahren vielfach belächelt hat. Oder, wie der Windows-Hersteller Microsoft, mit Krebs verglichen und bekämpft hat, wo es nur ging: Open-Source-Software, auch freie Software genannt.

Software also, deren Quellcode jedermann zur Verfügung steht, die jeder verändern darf. Man übertreibt kaum, wenn man feststellt: Diese Software regiert inzwischen die Welt. Und ja, sie ist eine Option, eine Option, die immer häufiger gezogen wird.

"Open-Source-Software ist in vielen Bereichen zum Standard geworden", sagt Peter Ganten, Chef der Bremer Open-Source-Softwarefirma Univention und Chef der Open Source Business Alliance. "Google, Facebook, Amazon - sie alle basieren auf Open-Source-Software", sagt Ganten, "auch Android", also Googles Betriebssystem, das die weitaus meisten Smartphones antreibt sowie viele andere Geräte.

Der Staat in Microsofts Hand

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Wieso diese überraschende Wende? Und wer schreibt eigentlich diese Software, was ist die Motivation dahinter?

Dass Open-Source-Software heute so erfolgreich ist, könnte man als Sieg der Vernunft bezeichnen. Es ist für Firmen wenig sinnvoll, Basis-Leistungen ihrer IT-Systeme alleine zu entwickeln oder sie teuer und unflexibel bei kommerziellen Anbietern einzukaufen. Mehr und mehr Unternehmen öffnen sich deshalb für die einst als Hobby-Produkte geschmähte Software.

Entstanden ist, was der Stuttgarter Open-Source-Unternehmer Frank Karlitschek als "Kollaborationsmodell" bezeichnet. Firmen, die bestimmte IT-Basisdienste brauchen, entwickeln sie gemeinsam. Firmen wie IBM, Google und viele andere leisten ihren Beitrag, alle profitieren davon. Das prominenteste Beispiel für eine Software, die so entwickelt wird, ist Linux.

Linux mit GNU-Lizenz

Linus Torvalds, sein Schöpfer, hatte die erste Version seines Betriebssystems 1991 nur für den Eigengebrauch geschrieben. Torvalds, damals 21, veröffentlichte es aber im Internet - und war überrascht vom großen Echo. Die nächste Version von Linux, die er im Sommer 1993 publizierte, versah er mit der sogenannten GNU-Lizenz. Sie erlaubt es Anwendern, das Programm herunterzuladen, den Quellcode einzusehen, es zu nutzen und auch, es zu verändern.

Verfasser dieser Lizenz war Richard Stallman. Mit Modifikationen ist sie zum Industrie-Standard geworden. Hersteller wie Microsoft und Apple hingegen verbieten es ihren Kunden, jene Programme zu modifizieren, für die sie teures Geld bezahlt haben. Was die Kunden auch kaum könnten, denn sie bekommen die Programme in einer Form, die nur Computer verarbeiten können, nicht aber als Quellcode.

Freie Software ist also - entgegen dem landläufigen Vorurteil - nicht zu verstehen als Software, die es kostenlos gibt. Die GNU-Lizenz erlaubt es dem Anwender sogar, die Software zu verkaufen, verbunden mit einem Servicevertrag etwa. Oder integriert in ein Gerät - ein Auto zum Beispiel.