Snowden-Enthüllungen Hacker schreibt mit

Schreibprogramm außer Kontrolle: Guardian-Autor Luke Harding schildert Hacker-Angriffe

Was passiert, wenn ein Journalist über geheimste Spionage schreibt? Ein "Guardian"-Autor schildert merkwürdige Szenen: Plötzlich machte sich sein Text selbständig - und verschwand.

Von Maja Beckers

Es liest sich fast wie das Drehbuch für eine Geheimdienst-Parodie. Doch als der Autor Luke Harding über die Verstrickungen des US-Nachrichtendienstes NSA mit amerikanischen Internetfirmen schrieb, soll tatsächlich etwas Merkwürdiges passiert sein: Plötzlich habe sich der Cursor auf dem Bildschirm von allein bewegt und ganze Absätze gelöscht. Das schreibt Harding jetzt im Guardian.

Harding begleitete die Enthüllungen von Edward Snowden als Vertrauter von Glenn Greenwald und Alan Rusbridger, um ein Buch darüber zu schreiben. Im Dezember erschien "The Snowden Files. The Inside Story of the World's Most Wanted Man". Nun beschreibt er die Hintergründe: Geheimdienste hätten ihm gedroht, er sei beschattet worden, irgendjemand habe auf seine Geräte zugegriffen.

Als sich der Curser selbständig gemacht habe, habe Harding gerade geschrieben, dass Snowdens Enthüllungen den amerikanischen Tech-Firmen und ihren Umsätzen schaden würden. Da habe sich der Curser plötzlich bewegt und den ganzen Absatz wieder gelöscht. Als er versucht habe, die Open-Office-Datei zu schließen, habe die Tastatur geblinkt und das Gerät gepiept.

Wer war das? Die NSA? Ein russischer Hacker?

In den folgenden Wochen habe sich das Prozedere wiederholt. Es habe auch nicht aufgehört, als Harding Botschaften in seinem Manuskript hinterließ, die zeigten, dass er den Schwund bemerkte:

Once I wrote: "Good morning. I don't mind you reading my manuscript - you're doing so already - but I'd be grateful if you don't delete it. Thank you." There was no reply.

Einen Monat später erzählte ein Kollege einem deutschen Journalisten davon, der in der taz darüber schrieb. Seitdem sei nichts mehr dergleichen passiert.

Nun fragt Harding, wer wohl sein heimlicher Lektor war: Ein Analyst im Hauptquartier der NSA? Der britische Abhördienst GCHQ? Ein russischer Hacker? Oder ein ganz anderer Störenfried? Vielleicht wollte auch nur irgendjemand Harding spüren lassen, was mit seinen Daten passieren könnte, wenn er weiter an dem Buch arbeite.

In idle moments I wonder who might have been my surreptitious editor. An aggrieved analyst at the NSA's Fort Meade spy city? GCHQ? A Russian hacker? Someone else intent on mischief? Whoever you are, what did you think of my book? I'd genuinely like to know.

Harding erzählt auch von Kabinettssekretär Jeremy Heywood, der den Guardian besuchte und die Herausgabe der Dokumente forderte. Bei der Gelegenheit habe Heywood deutlich gemacht, dass der Guardian nun selbst unter Beobachtung stehe. "Ich frage mich, wo unsere Männer gerade sind", habe er gesagt und auf die Wohnungen gegenüber dem Guardian-Gebäude gedeutet.

Plötzlich Bauarbeiten

Auch in den Guardian-Büros in den USA passierte offenbar Seltsames. Stunden nach der ersten Veröffentlichung der Snowden-Erkenntnisse begannen Bauarbeiten vor beiden Redaktionen, in New York und Washington, sowie vor dem Haus des Chefs der US-Ausgabe der britischen Zeitung. "Zufall?", schreibt Harding, "vielleicht".

Im Juli traf er Glenn Greenwald in Rio de Janeiro. Hier habe ihn ein Mann angesprochen, der sich als Chris vorstellte und ihn auf ein Bier einladen und fotografieren wollte. Als Harding sich daraufhin per SMS bei seiner Frau über die plumpen Spionage-Methoden der CIA beschwert habe, könnte er wohl jemanden irritiert haben, vermutet Harding: Sein Handy habe angefangen, wild zu blinken und die Tastatur habe sich nicht mehr bedienen lassen:

I declined the beer and dinner, later texting my wife: "The CIA sent someone to check me out. Their techniques as clumsy as Russians." She replied: "Really? WTF?" I added: "God knows where they learn their spycraft." This exchange may have irritated someone. My iPhone flashed and toggled wildly between two screens; the keyboard froze; I couldn't type.