Smartphones ersetzen Kameras Einfach zu kompliziert

Sind Digitalkameras zu kompliziert? Dieses Erdmännchen in einem Safari-Park in Südafrika hat offenbar Probleme, die richtigen Einstellungen zu finden.

(Foto: ag.dpa)
  • Der Absatz von Digitalkameras geht schon seit einigen Jahren zurück, ist im vergangenen Jahr sogar regelrecht abgestürzt.
  • Aber es sind nicht nur die Smartphones mit ihren immer besseren Kameras, die klassische Digital-Fotoapparate zunehmend überflüssig machen.
  • Vielen Nutzern ist die Bedienung der - zum Teil noch von analogen Konzepten abgeleiteten Kameras - zu kompliziert.
Von Helmut Martin-Jung

Und jetzt bitte lächeln! - Wann immer es "Klick" macht, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Smartphone, mit dem das Bild geschossen wird. Ist ja auch praktisch: Das Ding hat man sowieso dabei. Und soll das Foto verschickt werden, etwa über eine Nachrichten-App wie Whatsapp, oder soll es auf einer Social-Media-Plattform wie Facebook, Twitter oder Instagram landen, dann sind es bis dahin nur wenige Klicks. Um alles Schwierige, zum Beispiel das Heruntersetzen der Auflösung, kümmern sich die Apps - und das funktioniert auch von unterwegs, Internetanbindung vorausgesetzt. Wenn man sich nun ansieht, wie gut die Qualität von Smartphone-Fotos mittlerweile ist, muss man sich nicht mehr allzu sehr darüber wundern, dass ein Industriezweig ganz schön leidet unter den knipsenden Handys: die Fotobranche.

Der Absatz von Digitalkameras geht schon seit einigen Jahren zurück, aber vor allem im vergangenen Jahr ist er regelrecht abgestürzt: Wurden 2013 noch 6,1 Millionen Digicams verkauft, waren es 2014 nur noch 4,61 Millionen, ein Rückgang um fast ein Viertel. Im Jahr davor, 2012, hatte der Rückgang bei digitalen Kameras knapp 18 Prozent betragen. Verglichen mit dem Jahr 2011 ist die Branche mittlerweile bei etwas mehr als der Hälfte der verkauften Geräte angekommen. Und dabei sind hier sogar die Action-Kameras eingerechnet, die erfolgreichen kleinen Videokameras, die man sich beim Snowboarden, Surfen, Skaten oder Mountainbiken an den Helm pappt, um dann mit den Videos angeben zu können.

So knifflig wie vor 40 Jahren

Aber sind es wirklich nur die Handys mit ihren immer besseren Kameras, die die Fotoapparate in den Augen der Käufer zunehmend überflüssig machen? Nein, sagt der Hamburger Branchenexperte Heino Hilbig, der früher den Deutschland-Vertrieb des traditionsreichen japanischen Kameraherstellers Olympus verantwortet hat. Weder die Zahl der verkauften Smartphones noch die Entwicklung der Bildqualität könne den Absturz der Verkaufszahlen voll und ganz erklären.

Hilbig, der nun als PR-Berater arbeitet, sieht eine Reihe anderer Gründe, die seiner früheren Branche das Geschäft vermiesen. Die Kamerahersteller - die meisten davon schon sehr lange im Geschäft - produzierten zum größten Teil noch immer Geräte, die auf analogen Konzepten basierten. Anders gesagt: Die Bilder werden zwar digital gespeichert, aber das Fotografieren besonders mit den hochwertigeren Kameras ist noch immer ähnlich kompliziert wie mit Spiegelreflexkameras aus den 1970er-Jahren.

Aber warum wird das nicht geändert? Hilbig glaubt zu wissen, wieso: Das Geschäft sei sehr stark von Forschung und Entwicklung getrieben, von dem also, was sich Ingenieure, Profis und Foto-Freaks unter einer guten Kamera vorstellen. Da gibt es dann Rädchen für dies und jenes, Tasten, auf denen man bestimmte Einstellungen abspeichern kann. Das Problem ist aber: Die Zahl der Kamerakäufer, die sich mit derlei Feinheiten überhaupt beschäftigen wollen, sei "verschwindend klein", ist sich Hilbig sicher. Für alle anderen sind die Geräte nur eines: zu kompliziert.