Smartphone-Displays Größer ist besser

Erst wurden Handys winzig, nun aber wachsen sie wieder. Auch das iPhone 5 wird vermutlich mit einem größeren Display ausgestattet sein. Warum nur?

Von Varinia Bernau

Manches ist mit einem Smartphone eher schwierig geworden: Etwa in einer überfüllten U-Bahn einhändig eine Kurznachricht tippen, weil man sich mit der anderen Hand festhalten muss. Oder das Ding in die Tasche stecken.

Lange konnten Handys gar nicht klein genug sein. Auf einmal aber wachsen sie wieder. Und auch beim neuen iPhone, das Apple am Mittwoch vorstellt, wird wohl zumindest der Bildschirm eine Nummer größer ausfallen. Dabei übte sich der Konzern bislang in Zurückhaltung. Anders als die Konkurrenten HTC, LG oder Samsung: Von den androidbetriebenen Smartphones, die in den vergangenen drei Monaten weltweit verkauft wurden, war fast jedes dritte größer als elf Zentimeter, zeigen Zahlen der Marktforscher von Kantar. Das jüngste iPhone misst derzeit nicht einmal neun Zentimeter.

Dass die Telefone immer größer werden, liegt auch daran, dass Telefonieren zur Nebensache geworden ist. Als der Softwarekonzern Microsoft vor zwei Jahren Kunden befragte, worauf sie bei einem Smartphone wert legen, tauchte Telefonieren nicht mal unter den zehn häufigsten Antworten auf. Je mehr die Leute aber auf ihren Handys herumdaddeln, Filme ansehen und Nachrichtenportale ansteuern, desto wichtiger wird ein großer Bildschirm. Dafür nehmen sie es auch in Kauf, das Ding mehrmals täglich an die Steckdose anzuschließen. Denn ein größerer Bildschirme frisst auch mehr Strom.

"Früher musste man sich auf die Couch setzen, wenn man einen Film sehen wollte. Und man musste sich an den Schreibtisch setzen, wenn man arbeiten wollte. Das hat sich stark verändert. Und diese Flexibilität wird geschätzt", sagt Holger Hampf, der das Münchner Büro von Frog leitet, jener Designfirma, die Apple einst das Schneewittchenweiß schenkte.

Deshalb tauge ein Smartphone auch nur dann als Statussymbol, wenn sein Besitzer damit zeigen kann, dass er wirklich vernetzt ist, sagt Hampf. Mit anderen Worten: Ein großes Handy ist hässlich. Ein großes Handy aber, mit dem sich unterwegs eben noch das neue YouTube-Video ansehen lässt, über das abends im Club alle sprechen, das ist cool.

Smartphones stoßen an Grenzen

Doch Hampf ist sich sicher, dass die Wachstumsschübe der Smartphones gerade an ihre Grenze stoßen. "Spätestens, wenn ein Telefon nicht mehr angenehm in die Hosentasche passt, wird es kritisch." Gut möglich, dass Frauen, die ohnehin eine Handtasche dabei haben, von den Herstellern eines Tages mit eigenen Geräten umgarnt werden. "Wenn man mit dem Smartphone irgendwann auch bezahlen kann, wenn also das Handy eher ein Portemonnaie wird, dann ist es durchaus denkbar, dass sich unterschiedlich große Modelle ausprägen."

Die Marktforscher von Kantar kamen kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass der Bildschirm auch darüber entscheidet, ob ein Kunde einer Marke oder auch einem Mobilfunkanbieter die Treue hält. Je größer, desto mehr lässt sich damit anstellen - und desto zufriedener der Kunde. Im besten Falle kauft er sich dann ein noch teureres Gerät oder bucht ein noch teureres Datenpaket. Keinem gelingt es so gut, die Kunden bei Laune zu halten wie Apple. Bislang zumindest. Aber noch ein bisschen was nachzulegen, kann natürlich nicht schaden.

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