Sicherheitsstrategie gegen Hackerangriffe Reden ist Gold, Schweigen ist Murks

71,2 Millionen Euro haben Hackerangriffe in Deutschland im vergangenen Jahr an Schaden verursacht. Das klingt harmlos, ist es aber nicht: Die Zahl der Angriffe steigt. Die Wirtschaft muss jetzt den Kampf gegen diese Seuche aufnehmen.

Ein Kommentar von Björn Finke

Es klingt harmlos: Hacker, Datendiebe und Onlinebetrüger richteten in Deutschland im vergangenen Jahr einen Schaden von gerade mal 71,2 Millionen Euro an. So steht es geschrieben in der polizeilichen Kriminalstatistik. Das bedeutet weniger als einen Euro Schaden pro Bundesbürger.

Das Problem ist aber alles andere als harmlos: Denn tatsächlich sollen allein die Schäden durch Hackerangriffe und Datenabfluss bei deutschen Firmen und Behörden bis zu 50 Milliarden Euro jährlich betragen, schätzen Fachleute. Da geht es um gestohlene Betriebsgeheimnisse und Kundenadressen oder ausgefallene Webseiten. Die Experten der Deutschen Telekom, die das Netz nach auffälligen Aktivitäten absuchen, registrieren inzwischen 100.000 Hackerattacken pro Tag, zehnmal mehr als vor einigen Jahren - ein Dotcom-Boom für Kriminelle.

Der niedrige Wert gemeldeter Schäden bei der Polizei ist dabei kein Grund zur Beruhigung, sondern zur Beunruhigung. Offenbar bemerken zahlreiche Firmen noch nicht einmal, dass in ihre Rechner eingebrochen wurde. Oder sie verschweigen es peinlich berührt: Wer gibt schon gerne zu, dass seine Computer nicht sicher sind? Und damit vielleicht auch nicht die sensiblen Kundendaten?

Doch so spielen die Betriebe den Verbrechern in die Hände. Denn die können die gleiche Schwachstelle, durch die sie beim ersten Unternehmen zum Ziel kamen, auch beim nächsten arglosen Opfer nutzen. Besser wäre es, wenn Konzerne und Behörden sich über Angriffe - ob erfolgreich oder erfolglos - austauschen würden. Dann könnten die IT-Experten bei Polizei und Wirtschaft schneller Trends und Vorlieben der Eindringlinge erkennen.