Sicherheitsexperte Kaspersky Darauf haben es Hacker abgesehen

In Rechenzentren speichern Firmen wichtige Informationen - für Hacker sind sie besonders wertvoll

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Das Geschäft mit Cybersicherheit wird wachsen. Denn aus alltäglichen Gegenständen werden Computer - und diese sind hackbar.
  • Der IT-Experte Kaspersky warnt davor, dass Hacker bereits neue Ziele in Angriff nehmen, kritische Infrastruktur gehört dazu. Darunter fällt zum Beispiel Steuerungsanlagen für Stauseen.
  • Auch die Angriffe auf Banken werden zunehmen. Erst kürzlich wurde die größte amerikanische Bank, JP Morgan, Opfer eines solchen Angriffs.
Von Bastian Brinkmann

Jewgeni Kaspersky schiebt ein Glas, einen USB-Stick und sein Sonnenbrillen-Etui vor sich hin, um die Welt vor dem totalen Chaos zu schützen. Mit diesen Gegenständen will er nun zeigen, wie Stauseen, Stromnetze und andere wichtige Objekte vor Hackern abgesichert werden können. Kaspersky ist Gründer der gleichnamigen IT-Firma. Die stellt eine Antivirensoftware her und schützt Computer vor Angriffen aus dem Internet.

Das Geschäft mit der Cybersicherheit wächst. Denn alles wird hackbar werden, wenn überall Computer drinstecken. Smartphones sind schon Computer mit Telefonhörer. Moderne Häuser werden Computer mit Türen, Autos werden Computer auf vier Rädern. Das hat zuletzt BMW gemerkt. Der Autohersteller musste die Software für Millionen Fahrzeuge aktualisieren, die das System "Connected Drive" nutzen. Damit können die Fahrer unterwegs im Internet suchen oder aus der Ferne die Hupe tröten lassen. Und Hacker können damit das Fahrzeug öffnen, fand der Autoklub ADAC heraus. BMW hat die Sicherheitslücke mittlerweile geschlossen.

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Und die Kriminellen nehmen schon neue Ziele ins Visier. Unternehmer Kaspersky geht davon aus, dass bald eine Angriffswelle auf Smart-TVs beginnen wird, also auf Fernseher mit Internetanschluss. Seine Firma hat schon einen Prototypen entwickelt, der Viren auf Smart-TVs bekämpfen soll, sobald es ernst wird. Kaspersky erwartet, dass Angreifer den Fernseher blockieren könnten, um die Besitzer zu erpressen. Nur wer zahlt, kann dann weiterglotzen. Die Masche wenden Kriminelle bereits für Computer an. Wer Pay-TV schaut, hat mitunter auch seine Kreditkartendaten im Gerät abgespeichert. Diese Daten sind auf dem Schwarzmarkt viel Geld wert.

Virenschutz ist ein schwieriges Geschäft. Die Nutzer können nicht sehen, was das Programm leistet

Für die russische Firma Kaspersky ist Deutschland der wichtigste Markt in Europa. Insgesamt macht sie vierzig Prozent ihres Umsatzes mit Unternehmen, sechzig Prozent mit Privatkunden. Die müssen eine jährliche Gebühr zahlen. Kaspersky steht im Wettbewerb mit kostenlosen Alternativen wie AVG oder Avira, die in Tests von Fachmagazinen auch nicht schlecht abschneiden. Virenschutz ist ein schwieriges Geschäft: Die Nutzer können nicht sehen, was das Programm leistet. Man kann sich in schmuddeligen Ecken des Internets ein Schadprogramm einfangen, aber nichts davon mitbekommen, dass Kriminelle Daten auslesen oder den Rechner aus der Ferne steuern. Deswegen ist Werbung für die Branche so wichtig. Sicherheitsfirmen warnen davor, wenn sie Sicherheitslücken entdecken - und können sich so positionieren.

Auch Kaspersky will seinen Markennamen bekanntmachen. Deswegen sucht der Firmengründer die Öffentlichkeit, etwa jüngst beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Dort hat er sich in einem Apartment eingemietet, in der Nähe des Dorfbachs, und empfängt Besucher. Die müssen die Schuhe ausziehen und treffen einen besockten Kaspersky in einem T-Shirt, das aussieht, als sei es schon viele Male gewaschen worden.