Mit seinem Abverkauf ist Quelle erstmals auch im Internet erfolgreich. Doch wer Schnäppchen sucht, wird auf harte Geduldsproben gestellt.
Zyniker würden es so formulieren: Kaum ist Quelle pleite, klappt es auch mit dem Internet. Die Marke, die den veränderten Bestellvorlieben der Kunden über Jahre keine Rechnung trug, wird für einige Zeit zu Deutschlands großem Internetkaufhaus, zum Gesprächsthema. Der Satz "Schon mal bei Quelle geguckt?" war wahrscheinlich seit den achtziger Jahren nicht mehr so populär.
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Quelle-Internetseite: "Tausend Wünsche. Eine Quelle." (© Foto: dpa)
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Doch unfreiwillig erfüllt Quelle.de mit seiner Aktion auch das Klischee des Offline-Versandhandels, der seinem Ruf online nicht gerecht wird. Das beginnt bereits mit der Startseite: Wird sich die Generation der heute unter 20-Jährigen einmal an Quelle erinnern, so werden sie an große rote Banner denken, die "Deutschlands größter Ausverkauf!" schreien. Schwarz-rot mit heller Schrift, es scheinen die Farben des Niedergangs des deutschen Einzelhandels zu sein: Im Sommer bewarben bereits Hertie-Filialen mit dieser Farbkombination ihr letztes Hurra vor der Schließung.
Zehn Tage hatte das Unternehmen Zeit, sich auf den Abverkauf vorzubereiten. Anscheinend zu wenig, um noch ein paar zusätzliche Server zu bestellen. Am Sonntagvormittag war Quelle.de nach dem Ansturm der Schnäppchenjäger zusammengebrochen.
Auch am Montag simuliert die Seite zeitweise das reale Einkaufsgefühl in einem Kaufhaus an einem Adventssamstag: Es geht langsam voran. Nachdem die Seite bereits gestern 2,4 Millionen Mal besucht wurde, dürften es am Montag kaum weniger sein: Heute ist der Tag der Bürosurfer, die während ihrer Arbeitszeit von Rabatten von bis zu 30 Prozent angelockt werden.
Einige von ihnen werden dabei nostalgisch, andere schlicht genervt sein. "Tausend Wünsche. Eine Quelle", lautet das Motto des Unternehmens. Für zigtausend Wünsche scheint die Seite nicht gerüstet: Die Detailinformationen zu Produkten lassen sich oft nicht aufrufen. Wenn die Bilder eines Artikels einmal nicht angezeigt werden, wird zumindest die Phantasie angeregt; wo sonst Fotos zu sehen sind, stehen nun Sätze wie "Abbildung des Produkts Pullover".
Gnadenlose Urteile im Netz
Der Pressesprecher des Quelle-Insolvenzverwalters verspricht, das werde sich "in den nächsten Tagen einpendeln" und wirkt dabei so genervt, als hätte er gerade bemerkt, dass sein Lieblings-Wintermantel bereits vergriffen ist. "Unser Unternehmen befindet sich im Liquidationsprozess", sagt er, "da funktioniert nicht alles auf Anhieb perfekt." Wer wiederholt kurz vor Abschluss der Bestellung einen Serverzusammenbruch erlebt, kann dies schmerzhaft bestätigen.
Ein Vergnügen ist der Online-Einkauf bei Quelle deshalb am Montag nicht. Im Internet fallen die Urteile meist gnadenlos aus: "Quelle.de nach 30 Min. geladen", schreibt ein Nutzer der Mikroblogging-Plattform Twitter, "Produkt immer noch 16 EUR teurer im Vergleich zu Amazon". Andere Nutzer verzichten wegen der eingeschränkten Gewährleistung auf eine Bestellung oder ärgern sich, dass das Stöbern nur durch ein umständliches Klicken von Menü zu Menü möglich ist.
Dass der jetzige Verkauf nicht dazu dient, den Kunden aus Nostalgie die Produkte nachzuwerfen, haben die Sprecher des Insolvenzverwalters immer wieder betont. Der große Abverkauf ist vor allem der Versuch, die Insolvenzmasse zu steigern, damit die Gläubiger an ihr Geld kommen.
Zumindest in dieser Hinsicht ist der Internethandel auf Quelle.de ein voller Erfolg: Am Sonntag gingen innerhalb von 24 Stunden etwa 70.000 Bestellungen ein. Das ist ein Drittel mehr als der Verkaufsrekord im Weihnachtsgeschäft 2007.
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(sueddeutsche.de/joku/holz)
Debatte über Urheberrecht
Kaum ist Quelle pleite, klappt es auch mit dem Internet. Die Marke, die den veränderten Bestellvorlieben der Kunden über Jahre keine Rechnung trug, wird für einige Zeit zu Deutschlands großem Internetkaufhaus
zu lesen. quelle war das 1. versandhaus welches den katalog auf CD rausbrachte, ebenso unter den ersten die die onlinebestellung ermöglichten, noch vor otto.de oder gar amazon.de (die damals als quelle ein vollsortiment anboten nur bücher verkauften). und hätte quelle die waren wie amazon oder ebay wie der bayr. wirtschaftsminister monierte dann hätten alle aufgeschrien weil dadurch tausende arbeitsplätze wegefallen währen.
ich arbeite nicht bei quelle oder in irgendeiner form dafür, bin halt nur kunde seit meiner lehrzeit in den späten siebzigern.
meiner meinung nach hat jemand interesse gehabt die firma pleite gehen zu lassen, denn die quelle hatte in 2008 gewinn und karstadt hatte verlust.
auch auffällig ist, dass die valois bank die karstadtquelle bank übernommen hat und jahrezentelang von quelle profitiert hatte um dann den vertrag aufzukündigen wenns mal eng wird.
70000?! Bei dem im Artikel besagten Versandhandel mit A werden sie aus dem Lachen nicht mehr rauskommen..
Na gut, hätte das mit dem Server funktioniert wärs wohl etwas mehr. Aber es funktionierte ja nicht..
Finde ich also nicht verwunderlich, daß es Leute gibt, die sich das antun...
warum tun sie sich das dennoch über Stunden an?
Da sitzt das Problem doch wohl vor dem Bildschirm.
"Eine der größten Unarten des Deutschen..."
Ausverkäufe bei Liquidationen sind weltweit üblich. Sparen Sie sich also Ihre Hetze...
"sondern man grabscht in seine Taschen und stopft sich die eigenen damit voll -- bis man ihn ausgeräumt liegenläßt und weiterzieht. "
Immerhin helfen die Erlöse, die Lieferanten und sonstigen Gläubiger zu bezahlen. Was sollte man sonst mit den Waren machen - verbrennen?
Ein gewisser Abschlag ist absolut legitim, weil die Kunden ja erhebliche Risiken hinsichtlich Gewährleistung und Umtausch eingehen. Und der Ausverkauf ja so schnell wie möglich über die Bühne gehen soll, um die Kosten möglichst gering zu halten.
Es handelt sich also um ganz normale und legitime Vorgänge, die Sie hier als moralisch verwerflich abqualifizieren. Ach ja, was ist eigentlich mit Ihnen - haben Sie noch nie verbilligte Schnäppchen gekauft? Die stammen nämlich häufiger mal aus Konkursposten...
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