In den USA bauen Google und andere Konzerne die größten Serverzentren der Welt. Sie werden bewacht wie Hochsicherheitsgefängnisse.
The Dalles - Jahrelang kursierte nur ein Codename für dieses Projekt. Einige Lokalpolitiker wussten zwar, was sich hinter "O2" versteckte, mussten sich aber dazu verpflichten, das Bauvorhaben geheim zu halten. Als Bauträgerin wurde eine Firma aus dem Mittleren Westen vorgeschoben. Es ist jedoch schwer, ein Geheimnis zu bewahren, wenn sich dahinter ein riesiges Datenverarbeitungszentrum verbirgt, das mehr als zwei Fußballfelder belegt und mehr Strom verbraucht als das im Jahr 2000 stillgelegte Stahlwerk gleich nebenan.
Googles Serverfarm in Oregon: Der Bau von Server-Farmen eröffnet eine neue Runde im Kampf der Hightechkonzerne um den Zugang und den Ausbau des Internets. (© Foto: Niederberger)
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Der Komplex am Ufer des Columbia River, dem größten Fluss im Westen der USA, ist das bis dahin ehrgeizigste Unterfangen des Internetkonzerns Google. Mitten in der Prärie von Oregon, an einer günstigen Schnittstelle zwischen billigem Strom, leistungsfähigem Glasfasernetz und geschützter Lage, kommen jeden Augenblick Millionen Suchanfragen zusammen, werden Datenpakete weiterverarbeitet und von den Servern in Millisekunden wieder zurückgespeist. Google, Yahoo, Microsoft und andere Technologiefirmen stecken mitten in einem milliardenschweren Wettrüsten um die Dominanz im Internet und können ihre Ambitionen immer weniger verstecken.
"Wir müssen noch gewaltig dazulernen", sagt Ken Patchett bei einem Rundgang durch die Anlage, die als Modell für weitere Server-Farmen des Konzerns weltweit dient. "Wir meinten, wir könnten uns wie im Silicon Valley benehmen; aber hier sind wir in der Prärie." Wichtig sei hier auch ein gutes Verhältnis zur Gemeinde. Patchett wurde mit dem ausdrücklichen Auftrag von Microsoft abgeworben, nicht nur die Server-Anlage zu leiten, sondern gleichzeitig auch den Kontakt zur Bevölkerung zu verbessern. Also machte er Schluss mit der Geheimniskrämerei und trat als erster Google-Manager überhaupt einer lokalen Handelskammer bei.
"Kopierschutz"
Trotzdem geht es auf der Server-Farm zu wie im militärischen Sperrbezirk. Ein Wegweiser zur Anlage fehlt, nirgendwo ist ein Firmenschild zu sehen. Ein Rundgang ist zwar möglich, das Betreten der zwei Hauptgebäude mit den Servern ist untersagt. Rund um das Werkgelände patrouillieren Sicherheitsleute; Foto- und Filmaufnahmen der völlig unscheinbaren Hallen sind offiziell nicht erlaubt. Unter dem Wachpersonal ist sogar ein früherer Leibwächter von Exkanzler Helmut Kohl. "Wenn wir zu viel Informationen öffentlich machen, kann die Konkurrenz herausfinden, was wir im Schilde führen", rechtfertigt Patchett die strikten Sicherheitsvorkehrungen. Die Gefahr des "reverse engineering", des Kopierens der Baupläne, bei einer 600 Millionen Dollar teuren Anlage gilt als groß. "Dies hier ist unsere beste Internet-Fabrik. Andere wüssten nur zu gerne, was wir hier machen."
Für The Dalles schlägt Google ein neues Kapital der Wirtschaftsentwicklung auf. Die Kleinstadt mit knapp 15.000 Einwohnern war schon vor 10.000 Jahren Handelsplatz der amerikanischen Ureinwohner, später eine Drehscheibe für die Siedler sowie die Land- und Forstwirtschaft. Die ideale Lage am Fluss und die Nähe zur Großstadt Portland kommt The Dalles nun auch im Internet-Zeitalter zugute. Ein Hauptgrund, weshalb sich Google für diesen Standort entschieden hatte, war der billige und zuverlässige Strom: Server-Farmen sind Stromfresser. Die Abwärme der Server braucht mehr Kühlenergie als die Datenverarbeitung. Zwar fehlen verlässliche Angaben zur Anlage in The Dalles, doch schätzen Experten, dass diese im Vollbetrieb mehr als 100 Megawatt Strom braucht. Der Strom aus den gigantischen Flusskraftwerken am Columbia River kostet im besten Fall ein Viertel so viel wie in Großstädten wie New York oder San Francisco. Aus diesem Grund bauen auch Microsoft und Yahoo ihre neuen Server-Anlagen am Fluss, etwas weiter nördlich in Quincy (Bundesstaat Washington).
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