"Science+Fiction"-Messe in Düsseldorf Wo Menschen zu Cyborgs werden

Aufschneiden, Magnet einsetzen, zunähen: In Düsseldorf treffen sich selbsternannte "Cyborgs". Sie lassen sich vor Publikum Chips unter die Haut implantieren - und wollen ernst genommen werden.

Von Pauline Schinkels, Düsseldorf

Wer Cyborg werden will, muss leiden, aber das muss er sich ja nicht anmerken lassen.

Keine Sekunde verzieht der junge Franzose das Gesicht, als ihm der Piercer in die Fingerkuppe sticht. Auch nicht, als der ihm einen Magneten unter die Haut schiebt und der Ringfinger anschwillt. Auf dem Handballen des 26-Jährigen klebt bereits ein Pflaster. Dort hat sich der Mann, der seinen echten Namen hier nicht lesen möchte, bereits einen etwa einen Zentimeter großen Chip einsetzen lassen. Willkommen auf der "Implant-Party", willkommen bei den Cyborgs.

Wie weit das Verschmelzen von Mensch und Maschine gehen kann, will die Messe Science+Fiction in Düsseldorf zeigen. Mehrere Hundert Menschen sind an diesem Wochenende in die Ausstellungsräume des "NRW-Forums" gekommen. Auf der "Implant-Party" können sich Besucher hier Gadgets unter die Haut setzen lassen.

Menschen, die ihren Körper mit technischen Implantaten optimieren wollen, nennen sich "Cyborgs". Was für Außenstehende nach dem wirren Wunsch klingt, eine Art Supermensch zu werden, ist aus Sicht der Szene nur konsequent: Wenn wir in Form des Smartphones schon ständig einen leistungsfähigen Computer in der Hosentasche tragen, der unsere Leben erleichtern soll, können wir die Technik auch gleich im Körper verbauen. Die Motive der selbsternannten Cyborgs sind unterschiedlich: Manche tun es aus gesundheitlichen Gründen, andere aus Technikvernarrtheit.

Geht ein Cyborg an einem Lautsprecher vorbei, kribbelt der Finger

Sind Cyborgs mehr als nur eine skurrile Science-Fiction-Phantasie? In jedem Fall sind sie für manche ein Geschäftsmodell. Auch eine Handvoll Jungunternehmer ist gekommen, schließlich lässt sich wenig so gut verkaufen wie die Zukunft. Mit ihren Chips können sich Implantierte zum Beispiel in Handys einloggen, Türen öffnen oder Daten direkt auf den Chips speichern. Implantierte Magneten ermöglichen es, Elektroschwingungen wahrzunehmen. Geht ein Cyborg an einem Lautsprecher vorbei, kribbelt der Finger. In der Szene nennen sie es "den sechsten Sinn".

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Das Cyborg-Treffen in Düsseldorf ist den Veranstaltern zufolge das weltweit erste seiner Art. Auch der schwedische "Biohacker" Hannes Sjöblad ist gekommen. Vor zwei Jahren warf er seinen Job als Unternehmensberater hin. Heute klärt der Cyborg-Aktivist auf Workshops und Lesungen über die Philosophie der Maschinen-Menschen auf. Sjöblad trägt Hemd und Krawatte, und im Handballen einen Chip, der sich nur bei genauem Hinsehen abzeichnet. Er hat ihn sich mit einer Spritze unter die Haut stechen lassen. Sjöblad sagt: "Je mehr Menschen einen Chip in sich tragen, desto mehr können ihre Erfahrungen austauschen und neue Anwendungen entwickeln."