Schweizer Medienkonzern Ringier-Chef Walder kritisiert Googles "exorbitante Marktmacht"

"Kaum je gab es in einer Industrie ein Unternehmen, das derart marktdominant war." Marc Walder, der Vorstandschef des größten Schweizer Medienunternehmens Ringier, beklagt den starken Einfluss von Google. In der SZ fordert er ein neues Kartellrecht.

Das größte Schweizer Medienunternehmen Ringier kritisiert den starken Einfluss des US-Internetkonzerns Google. "Schauen wir es einmal nüchtern an: Die Marktmacht von Google ist - ich wähle dieses Wort bewusst - exorbitant", sagt Ringier-Vorstandschef Marc Walder der Süddeutschen Zeitung.

Google kontrolliere weltweit rund 70 Prozent des Internets im Bereich Suche. In den USA generiere Google 2013 mehr Werbevolumen als alle US-Zeitungen zusammen. "Kaum je gab es in einer Industrie ein Unternehmen, das derart marktdominant war", kritisiert Walder. 2006 habe der Springer-Konzern Pro Sieben Sat 1 nicht übernehmen dürfen - wegen zu starker wirtschaftlicher Konzentration im Medienmarkt. Dazu sagt Walder: "Im Vergleich zur Marktmacht von Google heute wäre das damals ja beinahe ein Nischenspieler gewesen."

Ringier-Chef Walder fordert nun angesichts der marktbeherrschenden Position von Google ein neues Kartellrecht. "Die Kartell-Theorie, die wir bis dahin kannten, ist wohl überfordert mit dieser Marktdominanz, einer historischen Marktdominanz. Demzufolge gilt es, diese Kartell-Theorie der neuen Realität anzupassen. Alles andere wäre eine Kapitulation", so Walder in der Süddeutschen Zeitung.

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"Journalismus darf nicht querfinanziert oder subventioniert werden"

Ringier mit etwa 7500 Mitarbeitern gibt unter anderem die Tageszeitung Blick und die Zeitschrift Schweizer Illustrierte heraus. Das Unternehmen befindet sich in Besitz der Familie Ringier. Die Tageszeitungen hätten in den vergangenen Jahren die Erosion gespürt, die Zeitschriften aber deutlich weniger, die hätten 2013 sogar das beste Jahr seit Langem, teilte Walder mit.

Der Ringier-Chef will im Internet keine Bezahlschranken einführen, warnte aber auch nachdrücklich vor einer Subvention von journalistischen Inhalten: "Journalismus darf nicht querfinanziert oder subventioniert werden. Das wäre Mäzenatentum, und das wäre katastrophal", sagte Walder. Mit dem Umbau des Unternehmens Richtung Internet in den vergangenen Jahren zeigt er sich zufrieden: "Wir schlafen ruhig. Man kann sagen: Wir haben uns von einem klassischen Verlag zu einer operativ geführten Medienholding entwickelt."

Das vollständige Interview mit Ringier-Chef Marc Walder lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, sowie in der SZ-App für iPad, iPhone, Android und Windows 8.