Viele Worte als Ausdruck der Sprachlosigkeit: Wie Nutzer im Internet mit dem Tod des Fußballtorwarts Robert Enke umgehen.
Wenn es einen Beweis dafür bedurft hätte, wie nahe Sportler uns kommen, wie viel der Fußball den Menschen bedeutet, ein Blick ins deutschsprachige Internet hätte ihn seit Dienstagabend geliefert.
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Enke-Erinnerungsvideo auf YouTube: Nutzer des Internets nehmen Anteil (© Screenshot: YouTube.com)
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Als gegen 20 Uhr die erste Meldung über den Tod Robert Enkes die Runde machte, fanden sich zwei Worte in Fußballforen vieler Bundesligavereine wieder: "Bitte nicht!" Als weniger als 90 Minuten später die Vermutung zur Gewissheit geworden war, die Seiten von Bild.de und Hannover 96 unter der Last der Anfragen zusammengebrochen waren, war es ein anderes Wort, das den Abend prägte: Schock.
Zu diesem Zeitpunkt hatten Nutzer in Fanforen, in Kommentaren unter YouTube-Videos mit Enke oder auf diversen Medienportalen bereits ihrem Entsetzen Ausdruck verliehen. Der Schock ist im Web inzwischen der Trauer gewichen: Beinahe schon rituell bilden sich in den sozialen Netzwerken Erinnerungsgruppen, alleine die Gruppe "R.I.P. Robert Enke - Ganz Deutschland nimmt Abschied" auf StudiVZ zählte am Donnerstagmorgen mehr als 66.000 Mitglieder.
Auf YouTube finden sich mehrere Dutzend Gedächtnis-Videos, die Fotos oder Bewegtbilder von Enkes Paraden zeigen, unterlegt mit Musik von Künstlern wie Johnny Cash. Dort wie auch auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter sind Beileidsbekundungen aus aller Welt zu lesen, von Kroatien bis Chile, von der Türkei bis Spanien, ebenso auf Enkes Homepage, die zu einem Kondolenzbuch umfunktioniert wurde, in das sich minütlich neue Menschen eintragen.
Netz der Einsamkeit
Wenn die Meldung von Enkes Tod einen kollektiven Schock auslöste, so spürt man bei den Kommentaren, die sich näher mit der Tragödie auseinandersetzen, ein Gefühl der kollektiven Einsamkeit. "In dieser unserer schnelllebigen Zeit gibt es keinen Raum für persönlich erlittene Schicksalsschläge", schreibt ein Nutzer von sueddeutsche.de im Hinblick auf den Tod von Enkes zweijähriger Tochter im Jahr 2006, "So hatte auch Robert Enke unverzüglich zurückzukommen in die Wettbewerbsgesellschaft. Unsere Seelen halten nicht Schritt mit geballter Brutalität und Geschwindigkeit unserer Zeit."
Der Schweizer Blogger Monsieur Fischer formuliert seine Kritik an der Leistungsgesellschaft drastischer: "Wer in psychiatischer Behandlung ist, den nimmt man nicht mehr ernst und zweifelt an seiner Leistungsfähigkeit", schreibt er zu Enkes Ängsten, seine Depression stationär behandeln zu lassen, "Lieber ein bisschen Betroffenheit zeigen in den nächsten Tagen, den Verstorbenen loben und sich dann wieder der Schweinegrippe und dem nächsten Vertragsabschluss widmen."
Doch solche Analysen werden dem Freitod eines Menschen bei näherem Betrachten kaum gerecht. Der Tod Enkes macht das Netz auch zum kollektiven Projektionsraum für die individuelle Interpretation des Schicksals eines Menschen, den alle zu kennen glaubten, weil sie ihn jedes Wochenende in der Sportschau sahen. "Aus der scherenschnittartigen Charakteristik der öffentlichen Person, die Robert Enke war, werden Diagnosen für eine private Person konstruiert, von der niemand, der sich daran beteiligt, behaupten kann, dass er sie kannte", schreibt 11-Freunde-Autor Dirk Gieselmann in einem im Netz vielbeachteten Stück und erhält dafür viel Zustimmung.
Debatte oder Vergessen?
Gieselmann meint die Medien, doch im Internet des Jahres 2009 sind wir alle Medien. Auch wenn einige Geschmacklosigkeiten zu finden sind, zeigt sich in der überwiegenden Anzahl von Kommentaren echte Betroffenheit.
Diese steigert sich dort, wo Enke bereits zum Mythos, zum tragischen Helden stilisiert wird. Wird sein Tod zu einer schaurigen Anekdote, sobald nur etwas Zeit vergangen ist? Erste Anzeichen deuten darauf hin: Die Diskussion "Wie habt Ihr von Enkes Tod erfahren?" in der StudiVZ-Gedächtnisgruppe hat bereits mehr als 1500 Einträge.
So bleibt für den Moment das Gefühl, dass inmitten des Trauerstroms Leere herrscht. Dass die vielen Beileidsbekundungen, Erinnerungen, Analysen eigentlich das Wort "Sprachlosigkeit" buchstabieren.
Ein Internetnutzer fasst dies prägnant zusammen: "Von allem, was ich über Robert Enke heute gelesen habe, finde ich das hier am besten", schreibt er. Sein Link verweist auf die Homepage von Hannover 96.
Die besteht seit Mittwoch aus einem einzigen Satz: "Wir trauern um Robert Enke, 24. August 1977 - 10. November 2009."
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(sueddeutsche.de/joku)
"Unbeachtet dessen, sollte Herr Gieselmann auch darueber nachdenken, ob sein Kommentar nicht zu frueh erscheint, wer innerhalb der Reaktionszeit des Boulevards schon die Kritik eben zu dieser Berichterstattung schreibt, scheint durch sein Interesse, auch wenn dieses kritisch ist, sich genau so zum Protagonist und Befeuerer dieser beschleunigten Inhaltslosigkeit zu machen, wenn auch auf Seite des "anstaendigen" Journalismus. "
Man unterstützt es ja.
Ich schrieb lediglich, dass ich bis jetzt noch gar nichts schrieb, weil mir nichts angemessenens einfiel und ich den sog. Journalismus nicht abkann, wo Reporter, Verwandte und Bekannte befragen, wie es ihnen geht.
Es wurde gelöscht.
Man will eine inhaltsleere Beschäftigung mit dem Thema.
Dirk Gieselmann hat in vielem Recht, auch meine erste Reaktion war zuerst Zustimmung.
Die Berichterstattung hat innerhalb von Stunden einen Grad von Voyeurismus erreicht, der auch mich ekelt.
Unbeachtet dessen, sollte Herr Gieselmann auch darueber nachdenken, ob sein Kommentar nicht zu frueh erscheint, wer innerhalb der Reaktionszeit des Boulevards schon die Kritik eben zu dieser Berichterstattung schreibt, scheint durch sein Interesse, auch wenn dieses kritisch ist, sich genau so zum Protagonist und Befeuerer dieser beschleunigten Inhaltslosigkeit zu machen, wenn auch auf Seite des "anstaendigen" Journalismus.
Wie gesagt www.hannover96.de, mehr bedarf es nicht!
Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen oder als unsensibler Schwachkopf dazustehen....
Wird das mittlerweile nicht alles etwas zu groß aufgehangen?
Ich meine, in Deutschland begehen pro Jahr ca: 10.000 Menschen suizid - und wenn es dann einen Prominenten trifft - dann sind die Zeitungen tagelang voll davon?
Muß man nun unbedingt einen Rückschluss zwischen Leistungssport und Depressionen ziehen, wenn Millionen Bürger an Depressionen leiden?
Natürlich hat man Mitgefühl mit den Angehörigen und ist erstaunt, aber irgendwie steht die Bereichterstattung darüber in keinem normalen Verhältnis mehr zu den Realitäten.
PS: Den Briten ist die Massenhysterie nach dem Tod von Lady Di mittlerweile peinlich.
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