Von Christopher Schrader und Patrick Illinger

Wie wirken Handystrahlen auf den Körper? Macht Telefonieren unfruchtbar? Darf man überhaupt noch ein Handy benutzen? Antworten auf vierzehn drängende Fragen von Redakteuren des "Wissen"-Magazins der Süddeutschen Zeitung.

1) Was sind Handystrahlen?

(© Foto: dpa)

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Das sind elektromagnetische Wellen, im Grunde nichts anders als Radiowellen, nur mit höherer Frequenz, also mehr Schwingungen pro Sekunde. Liegt die Frequenz noch höher, ist es Licht. Noch weiter oben auf der Frequenz-Skala stehen schließlich Röntgenstrahlen und am Ende radioaktive Strahlen. Letztere können die Moleküle in einem Organismus spalten und Krebs auslösen. Das können Handystrahlen nicht unmittelbar. Sollten Funkwellen gefährlich sein, muss es einen anderen Mechanismus geben.

2) Warum sind die Studien so widersprüchlich?

Das liegt offenbar daran, dass die mögliche Gesundheitsgefahr durch Handys, wenn sie existiert, eher gering ist. Die Forscher wissen nicht so genau, wonach sie suchen sollen. Sie bräuchten eine allgemein anerkannte Theorie, wie die Strahlung den Körper schädigt, eindeutige Tierversuche und aussagekräftige Studien an Patienten, die sie mit gesunden Kontrollpersonen vergleichen.

Wenn es um Krebs geht, vergehen oft viele Jahre, bis er diagnostiziert wird, auch Raucher entwickeln ihr Lungenkarzinom oft erst, nachdem sie schon Jahrzehnte Tabak konsumieren. Speziell Patienten mit Hirntumoren sind selten und viele von Ihnen sterben schnell, so dass es schwierig ist, sie in Vergleichsstudien einzubeziehen.

Bei der Suche nach Vergleichspersonen machen vielleicht eher die Wohlhabenden mit, was die Ergebnisse verzerren kann. Wie viel Strahlung die Menschen ausgesetzt waren, lässt sich nur aus ihrer eigenen Erinnerung rekonstruieren, die durch eine traumatische Diagnose womöglich getrübt oder beeinflusst ist. Ein anderer Ansatz, in einem ganzen Land alle Handybenutzer zu untersuchen, scheitert oft an den verfügbaren Daten. Forscher in Dänemark haben das vor kurzem versucht: Sie haben bei 420.000 Besitzer von Mobiltelefonen festgestellt, dass sie jedenfalls nicht mehr Krebsfälle aufwiesen, als man nach Erfahrungswerten erwartet hätte.

Danach schlossen sie eine Krebsgefahr zwar aus (siehe SZ vom 7.12.2006). Andere Wissenschaftler haben aber inzwischen kritisiert, dass die ausgewählte Gruppe von Handynutzern nicht repräsentativ war. Eine Verbindung zwischen dem Gebrauch eines Mobiltelefons und Hirntumoren könne die dänische Studie darum nicht ausschließen.

3) Ist es nun bewiesen: Dauertelefonierer leben gefährlich?

Nein, bewiesen ist noch gar nichts. Zunächst geht es nur um ein Krankheitsbild, für das es neue Daten gibt: Gliome. Das ist eine seltene Form von Hirntumoren. Bei etwa sechs von 100.000 Menschen wird pro Jahr ein solcher Krebs diagnostiziert.

Über andere mögliche Folgen des Telefonierens mit dem Handy gibt es keine belastbaren Daten. Zwei neue Studien über Gliome haben aber einen wichtigen statistischen Test bestanden: Erst wenn die Wahrscheinlichkeit unter fünf Prozent fällt, dass das Ergebnis einer solchen Studie auch rein zufällig entstanden sein könnte, nehmen Mediziner solche Resultate ernst und nennen sie "signifikant".

"Da zeigt sich ein Trend, der in diese Richtung deuten könnte", sagt Harald zur Hausen, ehemals Direktor des Deutschen Krebsforschungszentrums und jetzt Chefredakteur des Fachblatts International Journal of Cancer, in dem die umstrittene Studie der Finnin Anna Lahkola erschienen ist. "Aber das ist keinesfalls ein Beweis." Diese signifikanten Ergebnisse müssen aber noch in weiteren, längeren oder anders angelegten Studien bestätigt werden.

4) Schwankt die Strahlung bei den verschiedenen Handys?

Ja, sehr stark. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat auf einer Webseite eine Liste der sogenannte SAR-Werte, das ist die spezifische Absorptionsrate der Handys. Sie besagt, wie viel der Sendeleistung der Körper aufnimmt, wenn man das Handy ans Ohr hält. Die Werte reichen bei den Modelle auf dem Markt von 0,1 bis 1,6 Watt pro Kilogramm Körpergewebe.

Den niedrigsten Wert erreicht das Samsung SGH-Z560, den höchsten das Blackberry Pearl 8100. Das BfS empfiehlt wie international üblich einen Grenzwert von 2,0 Watt pro Kilogramm. Generell sind Klapphandys etwas strahlungsärmer, weil die Antenne weiter vom Kopf entfernt ist. Aber der Spitzenreiter in der Liste, das nicht mehr produzierte LG-Handy G512 mit 1,94 Watt pro Kilogramm, war auch ein Klapphandy.

Das BfS bietet den Herstellern seit Jahren an, Geräte mit einer SAR unter 0,6 Watt pro Kilogramm mit dem Umweltsiegel "Blauer Engel" auszuzeichnen; das wäre für 31 Prozent der aktuellen Modell möglich. Die Hersteller lehnen das geschlossen ab, weil sie die Strahlungswerte offenbar nicht in der Werbung benutzen wollen. Offiziell argumentieren sie, die tatsächliche Strahlenbelastung eines Handynutzers hänge so stark von der Situation und den Gewohnheiten ab, dass der SAR-Wert bedeutungslos sei. (Siehe auch Frage 7).

5) Sind Headsets zu empfehlen?

Sie haben zumindest keinen Nachteil, außer dass Menschen, die in der Öffentlichkeit mit Headset telefonieren, seltsam wirken. Insofern kann man die tragbaren Freisprechmikrofone als Vorsorgeprinzip empfehlen. Womöglich hilft ja auch das Gefühl, das Handy nicht so nah am Kopf zu haben.

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