Von Stefan Weber

Der Strichcode, mit dem Hersteller ihre Produkte seit 30 Jahren kennzeichnen, erhält Konkurrenz: Mit kleinen Funkchips soll in Zukunft der Warenfluss zurückverfolgt werden.

Er sieht aus wie ein Zebrastreifen und findet sich auf nahezu allen Produkten. Auf Chipstüten ebenso wie auf Joghurtbechern, auf Etiketten von Pullovern oder Autoreifen - der Barcode.

Bild vergrößern

Der Strichcode auf Waren könnte schon bald ausgedient haben. (© Foto: AP)

Anzeige

Seit der Wuppertaler Gewürzhersteller Wichartz seine Produkte vor 30 Jahren als Erster in Deutschland mit unterschiedlich dicken Balken und Zwischenräumen markierte, ist die Streifenoptik zu einem weltweiten Standard für die Kennzeichnung von Artikeln geworden. Lebensmittelhersteller wie Unilever, Nestlé und Oetker waren die Vorreiter. Im Handel sorgten vor allem die Konzerne Metro und Rewe dafür, dass sich der Barcode etablierte. Andere Branchen folgten mit Verzögerung.

Die Striche und Lücken stehen für eine bestimmte Zahlenfolge. Wenn die Kassierin im Supermarkt mit ihrem Scanner über die Balken fährt, setzt sie ein Räderwerk in Gang. Der Scanner tastet den Strichcode mit seinem Laserstrahl ab und liest ihn auf diese Weise maschinell ein.

Bestände stets im Blick

Die Kasse zeigt daraufhin den Preis des Produkts an. Außerdem registriert sie die verkauften Mengen und übermittelt diese Informationen auf elektronischem Wege an die Einkaufsabteilung. Auf diese Weise haben die Mitarbeiter dort die Warenbestände stets im Blick und können fehlende Artikel frühzeitig nachbestellen.

"Mit dem Barcode sprechen die Unternehmen eine gemeinsame Sprache und können ihre Geschäftsabläufe aufeinander abstimmen", sagt Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany, einem nicht auf Gewinnerzielung ausgerichteten Unternehmen, das in Deutschland für die Vergabe der Artikelnummern zuständig ist.

Information auf paperdünnem Funkchip

Das System hat aber Lücken. Sehr kleine Produkte, etwa Kosmetik- oder Schmuckartikel, bieten wenig Platz, um einen Code mit 13 Stellen wie er für Konsumartikel üblich ist, zu befestigen.

Außerdem ist der Strichcode ungeeignet, um frisch abgepackte Ware etwa an der Wurst- oder Fleischtheke zu kennzeichnen. Deshalb arbeiten die Entwickler bei GS1 Germany intensiv an der nächsten Generation des Barcodes. Der sogenannte GS1 Data-Bar ist um die Hälfte kleiner als der herkömmliche Strichcode. "Er wird ab 2010 im Handel sein", prognostiziert Jürgen Schade, der bei GS1 Germany für den Bereich Internationale Artikelnummern zuständig ist.

Doch auch diese Miniversion des Zebrastreifens auf den Produkten wird auf lange Sicht abgelöst werden. Computerexperten tüfteln derzeit gemeinsam mit Fachleuten aus Handel und Industrie an einer High-Tech-Version des Barcodes.

Dieser elektronische Produktcode verfügt neben den bekannten Ziffern noch über eine Seriennummer, mit der sich jede Wareneinheit eindeutig identifizieren lässt. Diese Information wird auf einem papierdünnen Funkchip gespeichert, der mit Hilfe der Funktechnologie berührungslos gelesen werden kann. Dahinter verbirgt sich die sogenannte Radiofrequenz-Technologie, kurz RFID-Technik.

Vorläufig noch nicht wirtschaftlich

Wenn etwa ein Joghurtbecher einen solchen Chip trägt, lässt sich nachvollziehen, von welchem Bauern die Milch stammt oder wann der Becher abgefüllt wurde. Der Chip überwacht auf dem Transport vom Hersteller zum Händler die Kühltemperatur und schlägt Alarm, wenn es im Laderaum des Lkw zu warm wird. Doch so weit ist es noch lange nicht. Bisher nutzen Handel und Hersteller RFID-Chips lediglich, um Paletten und Versandkartons zu kennzeichnen.

Bis jedes Produkt statt des Barcodes einen Chip aufweist, ist es noch ein weiter Weg. Das hat vor allem mit den Kosten zu tun. Zwar ist der Preis für einen Chip seit 2003 von 40 Cent auf acht Cent gefallen. Und dieser Trend wird sich fortsetzen.

Aber die Nutzung der RFID-Technik erfordert weitere Investitionen, etwa in die Lesegeräte. GS1-Geschäftsführer Pretzel rechnet deshalb damit, dass der Barcode in den nächsten Jahren zunächst nur bei hochwertigen Produkten, etwa teuren Textilien oder Sportgeräten, von einem Minichip abgelöst wird.

Bei vielen Lebensmitteln sei der Einsatz der neuen Technik vorläufig noch nicht wirtschaftlich. Deshalb ist sich Pretzel sicher: "Den Strichcode wird es auch in 30Jahren noch geben."

Leser empfehlen 

(SZ vom 17.06.2007)