Regierungsanträge Löschanfragen bei Google steigen um 68 Prozent

Der Sexskandal soll aus dem Internet verschwinden. Laut Googles Transparenzbericht fordern Staaten deutlich häufiger als zuletzt, Youtube-Videos oder Suchergebnisse zu entfernen. Besonders ein Land fällt auf.

Google erhält immer mehr Anfragen von Regierungen, Inhalte wie Videos oder bestimmte Blogs von seinen Plattformen zu entfernen. Das berichtet der Suchmaschinen-Konzern in seinem halbjährlichen Transparenz-Bericht. Eine Übersicht gibt Google in diesem Blogeintrag.

Demnach erhielt der Konzern von Januar bis Juni 2013 mehr als 3800 Anfragen von Regierungen, 24.737 Inhalte zu entfernen - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von 68 Prozent. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Trend steigender Anfragen verstärkt - eine "beunruhigende" Entwicklung, schreibt Google.

Regierungen forderten etwa, politische Inhalte zu entfernen; Richter wollten, dass Google kritische Berichte über sie nicht listet. Auch von Polizei-Einheiten erhielt der Konzern die Forderung, Videos oder Blogs zu löschen, die über ihr Vorgehen informieren. Offizielle Gründe für Anfragen sind etwa das Persönlichkeitsrecht, Jugendschutz oder das Urheberrecht.

Google listet mehrere Länder, die besonders oft Anfragen stellten. Auffällig ist demnach die Türkei: Sie forderte 1673 Mal, dass der Konzern Inhalte von seinen Plattformen entfernt. Das sind zehn Mal mehr Anfragen als noch 2012. Google listet einige Beispiele: Von der Türkei erhielt das Unternehmen eine gerichtliche Verfügung, Suchergebnisse mit Informationen über türkische Beamte und Sexskandale zu löschen.

Ähnliche Anträge erhielt der Konzern von der Türkei auch zu einem Blog, der kritisch über einen Staatsanwalt berichtete, sowie zu einer Webseite, die Informationen über die kurdische Partei enthielt. Diese Ergebnisse hat Google nach eigenen Angaben nicht gelöscht. Verstießen Internetseiten mit ihren Inhalten gegen die Google-Produktlinien, etwa weil sie private Email-Adressen, Telefonnummern oder Bankdaten verbreiteten, entfernte der Konzern die Seiten aus den Sucherergebnissen.

Auch zu Russland äußert sich Google: Der Staat stellte in dem Halbjahr 257 Anfragen, mehr als doppelt so viele wie 2012. Russland forderte etwa, ein Youtube-Video zu löschen, das eine lokale Behörde kritisierte. Weil es ein Bild enthielt, das angeblich Eigentum der Behörde war, entfernte Google das Video.

Die USA forderten Google auf, Nachrichtenartikel aus den Suchergebnissen zu löschen, die über eine mögliche illegale Verwicklung eines Unternehmens berichteten - Google entfernte die Seiten nicht.

China wollte, dass Suchergebnisse über einen Korruptionsfall eines Beamten nicht erscheinen. Auch hier entfernte der Konzern die Seiten nicht.

Google weist im Bericht darauf hin, dass einige Länder Google-Dienste komplett abschalten. Zum Beispiel ist Youtube in Iran oder China seit 2009 nicht abrufbar.