Die Bundesregierung will Kinderporno-Seiten im Netz sperren lassen. Führende Internet-Provider haben dem Vorhaben jetzt zugestimmt.
Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderpornographie massiv verschärfen. Zu diesem Zweck will sie gemeinsam mit den führenden deutschen Internet-Providern elektronische Zugangssperren einrichten. Darauf haben sich die Bundesministerien für Familie, Inneres und Wirtschaft verständigt.
Kinderpornographie im Internet: Von 2006 auf 2007 verdoppelte sich laut BKA die Zahl der Konsumenten in Deutschland. (© Foto: dpa)
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Die federführende Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Donnerstag in Berlin, die Minister hätten sich mit den Providern sowie dem Dachverband der Internetbranche und dem Bundeskriminalamt (BKA) abgestimmt. Eine Arbeitsgruppe soll bis März Vereinbarungen mit der Internetbranche schließen.
Bislang wehrten sich vor allem die Internetanbieter gegen Zugangssperren. Sie fürchteten, der Zugriff auf legale Internetseiten könnte blockiert werden, und die Haftung dafür würde bei ihnen liegen. Von der Leyen zufolge ist diese Sorge unbegründet. Das BKA werde die Seiten bewerten, die Politik die Verantwortung tragen, und die Provider würden allein die technische Arbeit leisten.
Zehntausende Zugriffe verhindern
Als Vorbild dient Norwegen. Das Land geht seit 2004 mit einem Internetfilter gegen die Kinderpornographie vor, und hat die internationale Polizeigruppe "Circamp" gegründet. "Hauptziel ist, dass Kinder nicht wieder und wieder zum Opfer werden", sagte der norwegische Polizist Björn-Erik Ludvigsen, der die Arbeit von "Circamp" in Berlin vorstellte.
Die Erfolge der Zugangssperren seien beachtlich: Allein Norwegen verhindere damit bis zu 18.000 Mal pro Tag den Zugriff auf kinderpornographische Seiten. Anders als oft vermutet sei der Markt für kinderpornographisches Material laut Ludvigsen überschaubar: "Es handelt sich ungefähr um 1000 aktive Adressen." Diese Zahl lasse sich von der Polizei noch gut kontrollieren.
Rechnet man die norwegischen Zahlen auf Deutschland hoch, dann muss man nach Angaben von der Leyens mit bis zu 350.000 Besuchern täglich rechnen. Entsprechend dringend sei die angestrebte Sperre. "Mit der Zugangsblockade möchte ich das Massengeschäft in Deutschland ganz empfindlich stören", sagte sie. Wichtig bleibe natürlich, auch die Täter zu ermitteln und die Kinder zu retten.
Die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet steigt in Deutschland rasant: Von 2006 auf 2007 verdoppelte sich laut BKA die Zahl der Konsumenten. Die Opfer werden immer jünger: 80 Prozent aller Kinder, die vor der Kamera missbraucht werden, sind jünger als zehn Jahre, 30 Prozent sogar jünger als drei Jahre.
(SZ vom 16.01.2009/mri)
Rekord in Deutschland
"Die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet steigt in Deutschland rasant: Von 2006 auf 2007 verdoppelte sich laut BKA die Zahl der Konsumenten."
bei der Schlussfolgerung von BKA-Mitarbeitern habe ich größte Sorge, wie da gearbeitet wird, weil das ist absurd - konsumenten sind ja nicht nur im internet unterwegs
die meisten werden ja erst durch die dauernde Berichterstattung aufmerksam und interessiert, gerade jugendliche, denn die frage ist ja "was gibt es denn da wirklich zu sehen??"
"Von der Leyen zufolge ist diese Sorge unbegründet. Das BKA werde die Seiten bewerten, die Politik die Verantwortung tragen, und die Provider würden allein die technische Arbeit leisten."
Seit wann tragen in DE Politiker Verantwortung für die Sachen die sie tun?
Eine Sperre der KiPo seiten ist kontraproduktiv da die User von KiPo sich in den "Untergrund" verlagern. Aber der Staat hat ja nun die möglichkeit unliebsame Seiten zu sperren.
Die Lösung des KiPo Problems dauert lange, ist aufwendig und vor allem nicht Medienwirksam. Eine Sperre der Seiten geht schnell, ist Medienwirksam und löst das Problem nicht.
Aber hier in DE werden Probleme schon lange nicht mehr gelöst sondern alles verboten!
Was für ein Unfug. Proxies sind also auch fortan verboten. Vielleicht sollte man sich wirklich ein paar Anregungen in China holen.
"Wichtig bleibe natürlich, auch die Täter zu ermitteln und die Kinder zu retten."
Das hört sich nicht gerade nach höchster Priorität an.
Mich würde mal interessieren, wieso versucht werden soll, die Zugriffe zu sperren, anstatt die entsprechenden Server vom Netz zu nehmen. Länder in denen das Anbieten legal ist, sollte es doch kaum geben, die Rechner sollten also eigentlich auf der ganzen Erde leicht vom Netz zu nehmen sein. Zugriffe wären dann deutlich besser unterbunden, als durch merkwürdige Filterversuche.
Aber statt Norwegen würd' ich eher China, Iran oder Saudi Arabien als Vorbilder und Berater für Zensur vorschlagen. Die sind da schon wesentlich weiter.
Paging