Prozess gegen mutmaßlichen kino.to-Programmierer Packte ein kino.to-Insider aus?

Das Portal kino.to flog im Juni 2011 auf. Die von der Film- und Softwareindustrie finanzierte Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hatte drei Strafanzeigen gegen kino.to gestellt. Die ersten beiden Anzeigen des Verbands waren erfolglos, weil die Web-Seite nicht in Deutschland registriert ist und es für die deutschen Justizbehörden nahezu unmöglich war, die Betreiber ausfindig zu machen.

Mit der dritten Anzeige gelang es der GVU die 13-köpfige Gruppe zu ermitteln. Mehrere ehemalige Mitarbeiter von kino.to meldeten sich bei der GVU. Danach ging es schnell. Im Juni durchsuchten die Ermittler Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland, Spanien, Frankreich und Holland und nahmen 13 Verdächtige fest. Auf dem Konto des mutmaßlichen Chefs Dirk B. stellten die Ermittler 2,5 Millionen Euro sicher. "Die Betreiber sind nur aufgeflogen, weil es Insider gab, die ausgepackt haben", sagt Otto Freiherr Grote, Anwalt für Urheberrecht in Frankfurt. Ansonsten seien die Möglichkeiten der Behörden eingeschränkt.

Wie aussichtslos der Kampf ist, zeigt der Fall kino.to eindrucksvoll. Trotz des Ermittlungserfolgs mussten die Behörden wenige Tage, nachdem sie kino.to aus dem Netz genommen hatten, einen herben Schlag hinnehmen. Unter der Adresse kinox.to tauchte ein Angebot auf, das dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sieht. Es basiert offenbar auf einer älteren Arbeitsversion von kino.to, die entweder kopiert oder gekauft wurde. Die GVU vermutet deutschsprachige IT-Spezialisten hinter der Seite. Sie hat die Betreiber angezeigt. Ohne einen erneuten Tippgeber dürfte es jedoch schwierig werden, sie zu stellen.

Die Unterhaltungslobby macht Druck

Besonders in den USA versuchen die Filmleute ihr geistiges Eigentum vor illegalen Downloads zu schützen. In den vergangen Monaten machte sich Filmlobby deshalb für eine Verschärfung des Urheberrechts stark. In Zukunft, forderten sie, sollen Links im Internet, die zu illegal kopierten Inhalte führen, gelöscht und die Web-Seiten der Betreiber blockiert werden.

Große Internetfirmen werteten das jedoch als Eingriff, Wikipedia schaltete aus Protest im Januar einen Tag ihren englischsprachigen Dienst ab. Und Google veränderte sein Logo auf der Startseite. Die amerikanische Regierung hat ihr Gesetzesvorhaben vorerst auf Eis gelegt. Branchenbeobachter bezweifeln, dass die Filmbranche das Rennen noch gewinnen kann.

Nicht das erste Urteil

Im Fall kino.to hat es bislang vier Verfahren gegeben. Ende vergangenen Jahres wurde ein Angeklagter zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Er hatte zugegeben, Server für kino.to angemietet, Filme auf das Portal geladen und freigeschaltet zu haben. Außerdem soll er einen sogenannten Stream-Hoster betrieben haben, auf dem Raubkopien lagen.

Drei weitere Angeklagte wurden zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung beziehungsweise zu Freiheitsstrafen von zweieinhalb und drei Jahren verurteilt. Zwei Verdächtige sitzen noch in Untersuchungshaft, sie gelten als die Hauptschuldigen.

Einer davon ist Bastian P., der nun in Leipzig vor Gericht steht. "Sollte der Angeklagte tatsächlich einer der mutmaßlichen Drahtzieher gewesen sein, dürfte auch ihm eine Freiheitsstrafe drohen", sagt Anwalt Grote.