Programmieren für Grundschüler Große Vorteile für Mädchen

Der Unterricht in der Grundschule hat zudem für Bergner einen ganz entscheidenden Vorteil: Grundschülerinnen hätten noch keine Berührungsängste und Vorurteile. "In Kursen ab der 6. Klasse trauen sich Mädchen bei Mathe oder Informatik nicht mehr das Gleiche zu. Oft denken sie, das sei nichts für sie." Und Nadine Bergner denkt auch über das Schulalter hinaus: "Wer nicht möchte, dass nur zehn Prozent der Informatik-Studierenden Frauen sind oder der Fachkräftemangel noch schlimmer wird, der muss bereits in der Grundschule ansetzen."

Wie sehr sich alle Kinder fürs Programmieren begeistern können, bestätigt auch Sebastian Kirch, der an der Werner-Richard-Schule in Herdecke unterrichtet. Er leitet eine Arbeitsgemeinschaft (AG), in der Dritt- und Viertklässler mit den Lego-Education-Kästen erste Programmiererfahrungen machen können. "Die Kinder sind Feuer und Flamme, egal ob Mädchen oder Junge. Wir hatten so viele Interessenten, dass wir die Plätze schließlich verlosen mussten, " sagt der 31-Jährige. Besonders wichtig findet Kirch, dass die Kinder immer in Zweiergruppen zusammenarbeiten müssen. "Da lernen sie Teamarbeit, sie helfen und unterstützen sich gegenseitig."

Angst der Eltern, dass die Kinder "nur" spielen

Mehr Unterstützung wünscht sich der junge Lehrer allerdings von den Eltern. Die Legokästen kommen manchmal auch im regulären, jahrgangsübergreifenden Unterricht zum Einsatz - wenn die Kinder ihr Pensum geschafft haben. "Viele Eltern haben aber Angst, dass die Kinder mit den Legosteinen einfach nur spielen würden und sie deshalb den Anschluss verlieren würden." Kirch findet, dass das Gegenteil der Fall ist. Zum einen gehöre auch noch das Spiel in die Grundschule und zum anderen werde gerade durch den spielerischen Umgang die Phantasie geweckt, um auf kreative Weise Probleme zu lösen.

Nadine Bergner hat ganz andere Erfahrungen mit Eltern gemacht. "Mehrheitlich sind sie sehr froh, wenn die Schule es ihnen abnimmt, den Kinder die Funktionsweise des Internets zu erklären, wie Roboter oder auch Verschlüsselungstechniken arbeiten." In den Modellschulen sieht der Lehrplan drei Module aus drei Doppelstunden vor. Natürlich gebe es da die Sorge, dass deshalb andere Inhalte unter den Tisch fielen. Zeigten die Kinder aber ihren Eltern, dass sie eine App programmiert haben, überwiege bei allen der Stolz. So zeige sich, dass Kinder die digitale Welt aktiv gestalten und ihre eigene Kompetenz beweisen können. Und dann werde auch klar, dass die oft als unverständlich und erratisch geltenden Algorithmen nichts anderes als von Menschen geschriebene Befehle an Maschinen seien.

Auch beim MINT-Campus in Dachau freuen sich Dani und Max über ihre ersten Erfolge beim Programmieren. Alles hat geklappt, die Kinder haben ihre kleinen Legofiguren so programmiert, das sie das tun, was sie tun sollen. Der Propeller rattert und dreht sich, das Krokodil reißt sein Maul auf und das Vögelchen zwitschert.