Prognosedienst Wetten mit bitterem Nachgeschmack

Unabhängig von den rechtlichen Fragen - einige der "Märkte", die Intrade anbietet, hinterlassen einen bitteren Beigeschmack: Eine Wette auf die Möglichkeit, dass Israel oder die USA bis Ablauf des Jahres einen offenen Militärschlag gegen Syrien ausführen, kostet derzeit 2,31 Dollar, was einer Wahrscheinlichkeit von 23,1 Prozent entspricht. Wer das Papier zu diesem Preis kauft, kann sich also im Falle eines Angriffs über 7,69 Dollar Gewinn freuen.

Auch wenn Skepsis angebracht ist: Intrade weckt den alten Traum vom Blick in die magische Kristallkugel: Von der New York Times bis zum Handelsblatt tauchte die Seite im vergangenen Jahr immer wieder auf, wenn es etwa darum ging, Barack Obamas Chancen auf eine Wiederwahl zu bestimmen. Und die Vorhersagen bewahrheiteten sich. Wieder einmal.

Für die US-Wahlen 2004 stimmten die Prognosen sogar für jeden einzelnen Bundesstaat, 2012 lag man nur in Florida daneben. 2008 betrug die Abweichung eine einzige Wahlmann-Stimme. Wie genau die Prognosen die Lage diesseits des Atlantiks einschätzen können, bleibt abzuwarten. Zocken lässt sich jedenfalls auch auf die Eventualität, dass ein europäisches Land bis Ende des Jahres aus dem Euro austritt. Die Wahrscheinlichkeit angeblich: elf Prozent.

Verständliche Formel

Natürlich hat die Weisheit der Märkte ihre Grenzen. Als es um die Frage ging, ob der US-Supreme Court Obamas Gesundheitsreform bestehen lassen würde, stand die Wahrscheinlichkeit dafür noch Tage vor der Entscheidung bei gerade 20 Prozent. Die Erörterungen des Vorsitzenden Richters John G. Roberts, der schließlich die Zweifel an der Legalität des Gesetzes zerstreute, erwiesen sich als zu komplex für die Berechnungen der Hobby-Börsianer. Wann immer es aber darum geht, eine Masse an Informationen auf eine verständliche Formel zu reduzieren, ist dieser Prognosenmarkt schwer zu schlagen.

Dennoch betont Wolfenden: "Wir haben es bei allen Märkten immer noch mit Wahrscheinlichkeiten zu tun und eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent ist eben nicht dasselbe wie 100 Prozent." Intrades Zukunft sieht er optimistisch: "Irgendwo", so Wolfenden, "ist immer Wahl."