Die kommerziellen Fernsehveranstalter setzen auch im Internet auf Seichtes - und haben damit bei der Jugend Erfolg.
"We love to entertain you", so lautet das Motto von Pro Sieben. Der Privatsender liebt die Unterhaltung - und das gilt auch für das Internet. Auf der Pro-Sieben-Webseite ist an diesem Dienstag auch Jennifer Hof in Großaufnahme zu sehen, die 17-Jährige ist auf dem Privatsender gerade zu Germany's Next Topmodel gekürt worden. Drum herum gruppieren sich Programmtipps, Shoppingangebote, Werbung. Im sogenannten Newsflash liest man Meldungen wie "Polizisten-Mord in Berlin" und "Puff Daddy ist wieder da".
Die Internetseite von Pro Sieben gehört zu den meistbesuchten in Deutschland - auch dank der Fernsehshow Germany's Next Topmodel. (© Foto: AP)
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Im Internet ist derzeit die Rollenverteilung zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern klar, klarer noch als in der alten (analogen) Fernsehwelt. Pro Sieben, Sat 1, RTL und die meisten anderen kommerziellen TV-Veranstalter setzen auf Unterhaltung, Programm-Promotion und Werbung. Damit versuchen sie, auch im Internet Geld zu verdienen. Seriöse Informationen wie etwa auf den Internetseiten der meisten Tageszeitungen sind kaum zu finden - wenn man von den Onlineportalen der Nachrichtensender n-tv und N 24 einmal absieht.
Die Privatsender sind vor allem bei den Jüngeren erfolgreich. Diese wollen auch ARD und ZDF im Netz zurückgewinnen. Die Internetseite von Pro Sieben gehört zu den meistfrequentierten in Deutschland - im Mai wurden 123 Millionen Besuche (Visits) registriert, das ist Platz sechs unter allen deutschen Internetseiten. Der Abstand zu Angeboten wie etwa Bild.de (60 Millionen Visits) oder Spiegel-online (84 Millionen Visits) ist groß. Offenbar nutzen vor allem jüngere Zuschauer das Internet und klicken die Marken, die sie kennen.
Andreas Bartl, Deutschland-Chef des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1, berichtet, dass jeder fünfte aus der für die Werbung wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen Germany's Next Topmodel bereits im Internet schaut. Auch RTL und Sat 1 liegen bei den Visits weit vorne. Die Internetseiten von ARD und ZDF, die sich vornehmlich auf Nachrichten konzentrieren, tauchen bei den regelmäßigen Untersuchungen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) nicht auf, weil dort keine Werbung geschaltet wird.
Die privaten TV-Konzerne wollen online verstärkt wachsen und investieren deshalb. Pro Sieben Sat 1 hat erst in der vergangenen Woche das Frauenportal Fem.com gekauft. Zum Konzern gehört auch das Video-Portal Maxdome, bei dem man gegen Gebühr Filme und Serien herunterladen kann. Mit MyVideo.de hat der Konzern eine deutsche Konkurrenz zu Youtube aufgebaut. "Wir wollen führend in der Online-Welt sein", sagt Konzernchef Guillaume de Posch. RTL ist bei dem sozialen Netzwerk Wer-kennt-wen.de aktiv. Die Pay-TV-Plattform Premiere ist mit dem Sportportal spox.com im Internet. Auch die großen Verlage expandieren im Netz.
Passend zur aktuellen Diskussion wurde am Dienstag die ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 veröffentlicht. Danach ist die schnelle Entwicklung der Internet-Verbreitung in Deutschland auf die steigende Nachfrage nach multimedialen Anwendungen zurückzuführen: 55 Prozent rufen Videos ab und schauen live oder zeitversetzt Fernsehsendungen im Internet. Im Vorjahr waren es laut Studie noch 45 Prozent.
(SZ vom 11.6.2008/mri)
Rekord in Deutschland