Privatsphäre Die Tech-Elite ist heuchlerisch und feige

Mark Zuckerberg ist auch deshalb Multimilliardär, weil Facebook-Nutzer bereitwillig ihr Privatleben entblößen - sein eigenes schützt er aber hartnäckig.

(Foto: dpa)

Die Reichen und Mächtigen im Silicon Valley predigen Transparenz - von ihrem eigenen Privatleben soll die Öffentlichkeit aber nichts erfahren.

Gastbeitrag von Evgeny Morozov

Wir leben in einer Welt, in der eine Handvoll Technologie-Firmen und eine größere Gruppe von Milliardären, denen sie gehören, eine Macht besitzen, die beinahe absolut ist - unangefochten nicht nur von der Politik, sondern auch von den Medien.

Zwei Nachrichten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, beweisen das. Die erste stammt aus Moody's Investor Service. Danach besitzen fünf amerikanische Tech-Firmen - Apple, Microsoft, Google, Cisco und Oracle - 504 Milliarden Dollar in Cash, das ist ein Drittel der Kapitalreserven aller US-Unternehmen (die Banken nicht eingerechnet). Erstmals gehen die fünf ersten Plätze an Firmen aus der Tech-Branche.

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Eine Durchsuchung des Pariser Google-Sitzes durch die französische Polizei im Rahmen von Steuerermittlungen, bei denen es um 1,6 Milliarden Euro geht, lässt ahnen, woher dieser Reichtum stammt. Dieses überschüssige Geld beruht auf politischer Macht - und es vermehrt diese. Nehmen wir Google: Kaum ein anderes Unternehmen gibt so viel Geld für Lobbyismus aus wie Google. Google-Lobbyisten waren in der Zeit zwischen Obamas Wahl zum Präsidenten und Oktober 2015 im Durchschnitt mehr als einmal pro Woche im Weißen Haus.

Rache oder Philantropie? Peter Thiel gegen Gawker

Die zweite Geschichte hat mit Peter Thiel zu tun, dem Investor, der smart genug war, früh auf Facebook zu wetten. Thiel unterstützt den umstrittenen Prozess, den der Wrestler Hulk Hogan gegen die Klatsch-Website Gawker angestrengt hat. Hogan ist verwickelt in einen Skandal, bei dem es um Sex-Aufnahmen geht, die bei Gawker gelandet sind. Ihm wurden vom Gericht 115 Millionen Dollar zugesprochen. Die Zukunft von Gawker ist seitdem ungewiss.

Thiel bot Hogan seine Hilfe nicht deshalb an, weil er ein Wrestling-Fan ist. 2007 outete ihn Gawker. Sie schrieben: "Peter Thiel, der smarteste Venture Capitalist der Welt, ist schwul." Thiel heuerte ein Anwaltsteam an, das Gawkers viele große und kleine Vergehen genau beobachtete, bis sie eines fanden, mit dem sie das Unternehmen in den Ruin stürzen könnten.

Thiel, der für diese Übung zehn Millionen Dollar lockermachte, "eine meiner größeren Philanthropie-Sachen", sagt, sein Vorgehen habe mit Rache nichts zu tun. Es gehe lediglich um Abschreckung. Er wolle nicht, dass Gawker und andere Medien weiterhin "Aufmerksamkeit damit erzeugen, Leute bloßzustellen, obwohl es mit öffentlichem Interesse nichts zu tun hat".