Saloppe Sprüche statt ernsthafter Diskussion: Im Petitionsausschuss zeigt sich, dass Abgeordnete die größte Petition in der Geschichte des Bundestages nicht ernst nehmen.
Es war die größte Petition in der Geschichte des Bundestages, aber irgendwie wurde man das Gefühl nicht los, dass der Abgeordnete Thomas Feist (CDU) das Anliegen von 134.015 Deutschen nicht ganz ernst nahm. "Vielleicht sollten wir chatten", schlug der Leipziger Abgeordnete der Hauptpetentin Franziska Heine am Montag im Petitionsausschuss des Bundestages vor, als diese bei der Beantwortung einer Frage ins Stocken geriet.
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Petitions-Initiatorin Franziska Heine vor dem Bundestag (Archivbild) (© Foto: dpa)
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Seine Bemerkung gilt Beobachtern der Debatte als Beweis dafür, wie weit viele Politiker noch immer davon entfernt sind, sich auf Heines Argumente einzulassen. Geschweige denn, die digitale Welt, in der ihre Generation lebt, zu betreten.
Die 31-Jährige setzt sich vehement gegen das Gesetz zur Sperrung von Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten ein. Und kämpft so für demokratische Werte. Das Gesetz ist vom Bundespräsidenten bereits unterschrieben, aber noch nicht in Kraft getreten. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass das Gesetz nicht wie vorgesehen angewendet werden soll. Es sollen keine Netzsperren im Internet installiert werden.
Damit folgt die Regierung bereits Heines Position, die für ein freies Netz ohne Hürden kämpft - aber auch ohne Kinderpornografie. Die wollen Heine und ihre Mitstreiter nämlich löschen lassen, statt sie hinter digitalen Sperren zu verbergen. Die Debatte um das Gesetz ist ein Lehrstück. Es handelt von Basisdemokratie im Internet und einem Generationenkonflikt zwischen alten Politikern und jungen Netzbewohnern.
Furcht vor Aktionismus
In der CDU/CSU-Fraktion rumort es bei der Anhörung: Ob Heine eigentlich versucht habe, während jener Zeit, in der das Gesetz geschrieben wurde, mit Politikern in Kontakt zu treten, fragt der Abgeordnete Siegfried Kauder.
Er muss die vergangenen Monate schlafend verbracht haben: Keine basisdemokratische Bewegung hat dermaßen laut für ihre Sache gekämpft wie jene Gruppe, der Heine vorsteht. Alles ist im Internet belegt, Briefe an Abgeordnete sind veröffentlicht, Argumente gegen das Gesetz für jedermann gut einsehbar dokumentiert. Denn unter den Internetnutzern sind viele politisierte, kluge Denker, die sich für ihre Werte einsetzen.
Sie mobilisieren im Netz über Blogs, Webseiten und Twitter Stimmen. Doch gerade diesen Aktionismus fürchten offenbar mache alteingesessenen Politiker. Denn er bedient sich einer digitalen Technik, die nicht jeder Abgeordnete versteht, deren Auswirkungen er aber an der Wahlurne und im Postfach zu spüren bekommt.
Diese Diskrepanz verhärtet die Fronten. Die Jungen fühlen sich nicht ernst genommen. Sie erkennen, dass es vielen Abgeordneten auch am schieren Sachverstand fehlt, Fragen der digitalen Gesellschaft zu beantworten. So hat die Posse um das Netzsperrengesetz das Potential, die allgemeine Poltikverdrossenheit zu vergrößern.
Denn im Netz schauen Tausende zu, wie ihre Forderungen im Bundestag von Abgeordneten nicht nur kaum verstanden, sondern auch noch mit saloppen Sprüchen bedacht werden. Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.
- Internetsperren bei Kinderpornographie Stoppschild für die Politik 08.05.2009
- Koalition kippt Internetsperren Aus für von der Leyens Stoppschild 09.02.2010
- Europa und das Internet Ein Kontinent sperrt sich 05.11.2009
- Kinderpornographie Simple Lösungen für ein komplexes Problem 06.08.2009
- Kinderpornographie Köhler unterzeichnet Sperrgesetz 17.02.2010
(SZ vom 24.02.2010/joku)
Afrika droht neue humanitäre Katastrophe
Man möchte ja es denen ja gern heimzahlen, so ein Dummschwätz.
Idee hätt ich dazu:
Mal auf Hrn. Kauders Impressum schauen:
http://www.siegfriedkauder.de/Kauder2010/07_Sonstige/impressum.html
Kann doch nicht Rechtkonform sein, oder ?
Anwälte hier ?
Das Netz darf rechtsfreier Raum sein! LOL
Seit wann nehmen die Politiker die Bürger ernst?
Schon viele andere Petitionen wurden vom Bundestag mit Füßen getreten!
Diese Petition ist hier nicht die erst!
Der Wille des Volkes interessiert die meisten Abgeordneten nicht!
...denn in der vergangenen Legislaturperiode haben sich viele spezialdemokratische und leider auch grüne und linke Abgeordnete als ebenso inkompetent geoutet. Wäre das Anliegen von Frau Heine von Grünen und Linken angemessen aufgegriffen worden, dann hätte es bei der Bundestagswahl nicht 2% für die Piratenpartei gegeben.
Ich sehe eher ein Kompetenzdefizit und keinen Generationenkonflikt.
Martin Dörmann, der Verhandlungsführer der SPD ist 1962 geboren,
der junggebliebene Pirat Jörg Taus aber 1953...
Ich gehe momentan grob gesagt davon aus dass sich die Wahlbeteiligung der nicht-radikalen (vor allem nicht-braunen) wahlberechtigten Bürger so lange verringern wird bis die NPD oder eine vergleichbar demokratisch ... unvorteilhafte Gruppierung anfängt, prozentual deutlich an Kraft zu gewinnen. Ich kann mir leider keinen anderen Grund mehr vorstellen um unsere lieben Politiker aufzurütteln, dazu waren die letzten Monate zu deutlich und enttäuschend.
Zum Inkrafttreten des Gesetzes (so weit ich informiert bin): Mit der Gegenzeichnung des Bundespräsidenten ist das Gesetz so ziemlich "fertig". In Kraft treten tut's zum Zeitpunkt, der im Gegsetz genannt ist (keine Ahnung wann das in diesem Fall ist), oooder zwei Wochen nach Veröffentlichung im "Bundesgesetzblatt".
So gesehen "gilt" es wohl noch nicht, aber kann auch nicht mehr aufgehalten werden, wie ein Fels, der den Berg runterrollt.
Zum übrigen Thema: Naja, was soll man dazu noch sagen? Die Kasperltruppe, die sich unsere Regierung schimpft, und angeblich im Namen des Vokes (und über4 das Volk hinweg) regiert, hat meine Erwartungen voll getroffen.
Das Problem, das ich sehe, ist folgendes: "Unsere" Politiker machen so lange so weiter, bis es richtig, richtig knallt.Zu dem Schluss muss ich kommen, wenn ich mir auch nur die Politik der letzten ~5 Jahre angucke. Und wenn schon die Ergebnisse der letzten Wahl kein solcher Rumms waren, der die Politik aufgeweckt hätte, was soll "das Volk" sonst noch tun?
Paging