Personalisierte Medizin Das Erbgut wird zum Datenträger

Krankenakten im Internet, Erbdgutanalyse per Mausklick: Auch unsere DNS verwandelt sich im Netz zur Information, die sich vermarkten lässt. Bald werden wir über genetischen Datenschutz reden.

Von Andrian Kreye

Das menschliche Genom enthält nach jüngsten Erkenntnissen 6,3294 Milliarden Nukleotide. Das sind viele Information über einen Menschen. Und auch wenn der Großteil dieser Informationen nur aus Ursuppe und dem unverständlichem Biokauderwelsch der Natur besteht, so kann die Wissenschaft einen beträchtlichen Teil heute schon entschlüsseln.

Es versteht sich also von selbst, dass eine solche Menge an Informationen in einem Wirtschaftssystem, das darauf ausgerichtet ist, Informationen aller Art zu Geld zu machen, auch an unserem Erbgut interessiert ist.

Der Handel mit medizinischen Daten ist nichts Neues. Jede Krankenakte enthält Informationen, die sich zu Geld machen lassen. Weil die Gesundheitsindustrie, also Pharma, Ärzteschaft, Krankenhäuser, Pflegedienste und ihre Umfelder, als wachstumsträchtigste Industrie der Zukunft gilt, sind solche Datensätze schon jetzt viel wert.

Gesundheitswesen in der Wolke

Kein Wunder also, dass sich der weitsichtige Google-Konzern schon früh um dieses Geschäft bemühte. Google Health heißt die Plattform, die seit zwei Jahren das Gesundheitswesen in die ominöse digitale Wolke des Cloud Computing verlegt. Das hat viele praktische Vorteile. Erkrankt oder verunglückt man beispielsweise außer Reichweite des Hausarztes, kann jeder Arzt weltweit auf die lebenswichtigen Daten zugreifen.

Google Health ist eine Investition in die Zukunft. Man muss sicherlich die Frage klären, ob das Arztgeheimnis denn schon verletzt ist, wenn nicht ein Mensch, sondern ein Algorithmus Einblick in die Krankenakte bekommt, der einem dann entsprechende Pharmawerbung zukommen lässt. Das ist nicht unbedingt nur finsterer Kommerz. Wer akut an einer Krankheit leidet, wird Pharmawerbung nicht nur als aufdringliches Angebot, sondern auch als willkommene Information empfinden.

Der wahre Zukunftsmarkt wird jedoch nicht in der Heilung, sondern in der Vorbeugung von Krankheiten und in der Selbstoptimierung liegen. Da aber kann das Erbgut eine wichtige Rolle spielen. Wer seine Schwächen und genetischen Risiken kennt, der kann Gefahren vermeiden und vorbeugende Maßnahmen einleiten. Das ist auch das wirksamste Verkaufsargument für die ersten erschwinglichen Gentests, die es in den USA schon für ein paar hundert Dollar im Supermarkt zu kaufen gibt.