Persönliche Daten im Internet Ein Knopf zur Selbstauskunft bei Facebook, Twitter und Co.

Unternehmen wie Facebook greifen nach Daten von all ihren Kunden - und die merken es oft nicht einmal.

(Foto: AFP)

Nie zuvor haben Unternehmen wie Facebook mehr Daten gesammelt als heute. Viele Menschen wissen oft gar nicht, was wo über sie gespeichert ist. Der aufgeklärte Umgang mit Daten im Netz muss dringend zum Alltag werden. Dafür müssen aber die Nutzer selbst zur Eigenverantwortung ermächtigt werden.

Von Johannes Boie

Am Ende ist es nur eine Rechenübung. Der britische Psychologe Michael Kosinski von der Universität Cambridge hat mit seinem Team Persönlichkeitsprofile von Facebook-Nutzern errechnet. Mit Hilfe von Algorithmen vervollständigten sie das Profil eines bestimmten Menschen, und zwar vor allem auf der Basis aller "Gefällt mir"-Klicks, die derjenige vorgenommen hat. "Gefällt mir" ist eine Funktion des sozialen Netzwerks. Registrierte Nutzer können sie nicht nur auf Facebook, sondern auch auf anderen Seiten nutzen, um ihre Zustimmung auszudrücken, zum Beispiel zu Unternehmen, Sprüchen, Fernsehsendungen oder auch nur zu den privaten Bildern ihrer Freunde.

So ein Klick verrät aber stets mehr, weil es für Psychologen einfach ist, das "Gefällt mir" einer männlichen Person für "Mac Cosmetics" nicht nur als positives Urteil über den Kosmetikhersteller zu werten, sondern auch, wie in der Studie geschehen, zu mutmaßen, dass der Nutzer schwul sein könnte. Je mehr Klicks ein Nutzer getätigt hat, desto exakter lässt sich die reale Person dahinter berechnen. Im Fall der Studie konnte das Geschlecht eines Nutzers mit 88 Prozent, seine Hautfarbe mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit errechnet werden. Die Studie hätte noch genauere Ergebnisse liefern können, wenn nicht nur die freiwillig herausgegebenen "Gefällt mir"-Daten der Nutzer zur Verfügung gestanden hätten, sondern alle Daten, die man bei Facebook anhäuft.

Diese Daten aber kann man als Privatperson gar nicht herausgeben, weil man sie weder besitzt noch im Detail kennt. Wer aber besitzt und kennt sie stattdessen? Facebook. Und genau da liegt das Problem.

Denn wenn es am Ende nur eine Rechenübung ist, unsere Wünsche und Absichten, Dinge, von denen wir selbst vielleicht noch gar nichts ahnen, zu berechnen, dann sollte nicht nur Facebook diese Gleichung lösen können. Sondern vor allem wir, die Nutzer. Und wir sollten uns im Klaren darüber sein, was Unternehmen wie Facebook über uns wissen und was sie mit diesem Wissen anfangen können.

Facebook-Studie Mein Geschlecht, meine Hautfarbe, meine Drogen

"Wer besitzt welche Daten über mich?"

Aber derzeit kann kein deutscher Bürger und wohl auch kein anderer Mensch auf der Welt folgende Frage auch nur im Ansatz beantworten: "Wer besitzt welche Daten über mich?" So steht das Problem seiner eigenen Lösung im Weg: Der Bürger, von ein paar Netzaktivisten und Datenschützern mal abgesehen, regt sich nicht auf. Denn er weiß überhaupt nicht, wie ihm geschieht.

Facebook mit einer Milliarde Nutzern weltweit ist für diesen Zustand ein Paradebeispiel, ähnlich wie Twitter, Apple und Google. Diese Unternehmen gehören zu den klassischen Datensammlern. Ihr Angebot an die Kunden ist zumeist gratis. Ihnen reichen die Daten der Kunden für ihr Geschäftsmodell. Und natürlich sammeln auch andere Unternehmen Daten, um von ihnen zu profitieren. Kreditkartennummern, das Datum eines Einkaufs und Bonuspunkte sind nur einige wenige Datensätze, die beispielsweise die allermeisten Kleidungsgeschäfte speichern.