In den USA geht die Polizei neue Wege, um der Bandenkriminalität Herr zu werden: Per Handy-Kurznachricht können Informationen über Verbrechen anonym an die Ermittler weitergeleitet werden.
Angesichts ausufernder Gewalt greift die Bostoner Polizei bei der Verbrecherjagd zu einem ungewöhnlichen Mittel. Per SMS wollen die Beamten es Zeugen nun ermöglichen, komplett anonyme Hinweise zu geben. Damit sollen insbesondere Personen aus dem Gangmilieu, denen bei einem Hinweis an die Polizei Vergeltung droht, zu Aussagen animiert werden. Die "Regeln der Straße" würden die Verbrechensaufklärung enorm erschweren, klagt der Bostoner Polizeipräsident Edward Davis im Boston Herald.
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(© Foto: dpa, Collage: sde)
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Die "Text a Tip Program" getaufte Verbrecherjagd per SMS sei noch anonymer als ein Anruf, bei dem man mit einem Polizisten sprechen müsse, so Davis. Die kostenlose Hinweisnummer werde damit unnötig. Um im Rahmen des neuen Systems einen Hinweis zu geben, müssen Zeugen das Wort "Tip" (Hinweis) als Nachricht an die Nummer 27463 - das entspricht den Buchstaben für C-R-I-M-E (Verbrechen) auf der Handytastatur - schicken. Die Identifizierung des Senders ist blockiert, Polizeibeamte antworten per SMS, um nach Details zu fragen.
Sollte die Information zur Festnahme eines Verdächtigen führen und Anklage erhoben werden, sei der Hinweisgeber berechtigt, eine Belohnung von bis zu 1000 Dollar zu erhalten. Anonymität werde gewährleistet, heißt es bei der Bostoner Polizei. Zur eigenen Sicherheit sollten die Zeugen aber jegliche Nachrichten an oder von der Polizei aus den In- und Out-Boxen ihrer Handys löschen.
Fahndungsaufruf per Textnachricht
Seit 1. Januar sind in Boston bereits 27 Morde verübt worden und damit beinahe genauso viele wie im Vorjahr. Weil Zeugen sich fürchten Hinweise zu geben, bleiben viele Fälle unaufgeklärt. Erst wenige Tage vor der Einführung des SMS-Systems war im Bostoner South End der Bruder eines Mordopfers von Gangmitgliedern verprügelt worden, um zu verhindern, dass er mit der Polizei spricht.
In Deutschland hat das BKA vor vier Jahren das Thema SMS-Fahndung von einem anderen Gesichtspunkt aus in Angriff genommen. Hier sollten Fahndungsaufrufe via SMS an Bürger versendet werden, die sich zuvor auf einer Website freiwillig zur Teilnahme bereit erklärt hatten. Das System sollte als Ergänzung zu Funk und Fahndungsaufrufen via Medien genutzt werden, ist allerdings aufgrund der geringen Akzeptanz im Sand verlaufen.
(pte)
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Ich bin ja technischen Innovationen "weissgott" [bin dennoch Atheist] nicht abgeneigt, im Gegenteil: immer her damit! Aber diese Amerikanische Diffamierungskultur ist mir zuwider. Da gibt's ja auch das "schoene" Beispiel mit den TShirts, mit denen Verbrecher ihre Taten oeffentlich machen muessen, das schlaegt fuer mich in dieselbe Kerbe.
Das mag oberflaechlich vielleicht Sinn machen, aber ob das wirklich der richtige Weg ist um Verbrechen zu bekaempfen? Ich bin mir da wirklich nicht sicher, zumal die Anonymitaet und der Datenschutz - wie vorangegangene Kommentare an der Absurditaet der Pressemeldung aufzeigen - ja wirklich nicht gegeben sein kann.
Waere Anonymitaet denn ueberhaupt wuenschenswert oder waere es nicht besser, vom muendigen Buerger auch die Aufrichtigkeit zu verlangen, ggf ein Verbrechen nonym [ist das das Gegenteil von anonym? Ich hoffe...] anzuzeigen? Anonymitaet wuerde doch in so einem Fall dazu verleiten, dass man jede Kleinigkeit (oder auch Nichtigkeit) sofort zur Anzeige bringen kann. Wie soll man auch Zeugen fuer ein Verbrechen finden, wenn sich die Zeugen in der Anonymitaet verstecken? Kann man dann nicht einfach den unliebsamen Nachbarn "anonym" ueber SMS unbegruendet anschwaerzen, weil der sowieso nicht erfahren wird, wer ihn angezeigt hat, und muss der dann erstmal in U-Haft, bis festgestellt worden ist, ob tatsaechlich ein Verbrechen stattgefunden hat? Mir ist das sehr verdaechtig alles...
Irgendwie erinnert mich das alles an eine sehr dunkle Zeit, will das boese F-Wort in diesem Zusammenhang aber nicht nennen, weil so was gab s auch im System des K (Mao's Grosse Kulturrevolution wo Kinder dazu aufgefordert wurden Ihre Eltern zu diffamieren).
Irgendwie glaubt man dann doch dass man Technologie auch sinnvoller nutzen koennte.
Ein Land, das immer mehr überwachung einführt, Telefonate abhört etc. will seinen Bürgern klar machen, dass die SMS vollkommen anonym ist. Wie schon richtig festgestellt, ist fraglich wie dann an Anonym geantwortet wird. Und die Belohnung wird dann natürlich auch vollkommen anonym zugestellt, am besten auf ein ganz anonymes Nummernkonto auf den Caymans ... Was für ein Witz und was für eine Redaktion die so eine Pressemeldung einfach unreflektiert ins Portal kopiert ...
"Die Identifizierung des Senders ist blockiert, Polizeibeamte antworten per SMS, um nach Details zu fragen."
Der Polizeibeamte schickt eine SMS an den Absender, obwohl er seine Handynummer nicht kennt? Wie soll das gehen?
Anonyme Denunziation per SMS öffnet dem Mißbrauch Tür und Tor.
Im Gründe könnte nun jedes Kind anonym eine beliebige Person
bei der Polizei anschwärzen, oder?
Was kommt als nächstes?
Anonyme Denunziation per E-Mail oder über ein Formular auf einer Website?
Wie wärs, wenn stattdessen, verbale Vermeidung und Lösung von Konflikten als Pflichtfach in Schulen eingeführt wird?
Und strengere Waffengesetze würden sicher auch nicht schaden.
"Die Identifizierung des Senders ist blockiert, Polizeibeamte antworten per SMS"
Pisa hat nur die Spitze des Eisbergs entdeckt!
OT