Von Sarah Ehrmann

Heidi Klums Model-Show lockt mit Drama und Glamour. Das PC-Spiel überrascht dagegen mit geräuschvollen Laufsteg-Unfällen und unfreiwillig hüllenlosen Mädchen.

Dass Heidi Klum als Vermarktungsikone Nummer eins gilt, ist bekannt. Auch haben wir uns längst daran gewöhnt, jeden Donnerstagabend mit "Germany's Next Topmodel" (GNTM) eine Dauerwerbesendung einzuschalten. Und wenn die Merchandise-Maschinerie erst mal läuft, muss es selbstverständlich auch ein PC-Spiel zur Show geben. Doch die Neuauflage des GNTM-Games ist noch schwächer als der Vorgänger.

Bild vergrößern

Nicht von dieser Welt: Traumsequenzartig, mit nach oben gedrehten Augen, entledigt sich das Topmodel auf dem Laufsteg seiner Ethno-Kleidung. (© Screenshot: GNTM Deluxe-Edition)

Anzeige

Wobei die grundsätzliche Idee des Spiels gar nicht schlecht ist. Die Hauptperson ist diesmal kein Model, sondern eine Studentin an der "Germany's Next Topmodel"-Modeakademie - ein Mittel um GNTM etwas Intellekt einzuhauchen? Stella muss für ihre Abschlussprüfungen Mannequins in Form bringen, das heißt Einkleiden, Schminken, Lauftraining und Fotoshooting. Je erfolgreicher die Modelle abschneiden, desto besser ist Stellas Abschlussdiplom. So weit so gut.

Doch wenn man das Spiel tatsächlich beginnt, erwartet einen nur eine Aneinanderreihung von Wiederholungen, unnötigen Hindernissen und seichten Rahmenhandlungen: Permanent-penetrant untermalt von einer monotonen Telefon-Warteschleifen-Musik halten die Models ihre ausdruckslosen Gesichter in den Schminkspiegel oder eiern über den Laufsteg. Durch die Gleichzeitigkeit von Tastenkombinationen und Mausbewegungen, die das Programm nicht synchron verarbeiten kann, ist ein bruchloser Wechsel von Gehen und Drehen nicht möglich. Ein weiteres Manko: Die Kameraperspektive wechselt ständig. Das erschwert die Links-rechts-Orientierung.

Stimmt die Laufrichtung allerdings nicht, stürzt das Model vom Laufsteg und schlägt mit lautem Klatschen auf dem Boden auf - eventuell ein makaberer Scherz der Programmierer? Ein weitere Fehler: Stellt man auf hohe Bildqualität, stolziert das Model plötzlich hüllenlos über den Catwalk? Bei einem ohne Altersbeschränkung freigegebenen Spiel wirkt das etwas befremdlich.

Die Grafik-Verarbeitung ist so langsam, dass jedes Betreten eines neuen Raumes eine sekundenlange Ladepause beansprucht. Was Power-Queen Heidi Klum wohl dazu sagen würde? Wahrscheinlich: "Das ist nicht professionell." Nichts in der Deluxe-Edition hält das Niveau der hochprofessionellen GNTM-Show.

Von vertikalem Catwalk, bei dem die Models möglichst galant eine Hauswand hinunterspazieren müssen, und Baywatch-Shootings kann man beim PC-Spiel nur träumen. Hier müssen sich die Models mit Ethno-Look oder Streetware begnügen, haben kantige Gesichter, kennen nur drei Foto-Posen und sehen so gar nicht nach dem Zeitalter der Animationsfilme aus. Vor sechs oder sieben Jahren wäre eine solche 3-D-Grafik vielleicht noch in Ordnung gewesen, im Jahr 2008 wirkt die Deluxe-Edition wie ein angestaubtes Retrospiel.

Im Abenteuer-Modus des Spiels wechseln sich Phasen des Trainings mit animierten "Live"-Sequenzen ab. Hier muss sich Modeschülerin Stella mit ihren fiesen Mitstudenten Elena und Martin herumärgern, die ihr falsche Tipps geben, um sie aus dem Wettbewerb zu kegeln. Sie muss Kritik von Schulleiterin Saidenfels einstecken und sich beim ergrauten Modedesigner MacAlister - einer Art bärtigem Giorgio Armani mit Großvater-Charme - in der Bibliothek Rat holen und irgendwie herausknobeln, welcher mysteriöse Fremde die Akademie ruinieren will.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche interessanten Features das Spiel doch noch bietet.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Germany's Next Flopmodel
  2. Germany's Next Flopmodel
Leser empfehlen