Von Ben Schwan

Leidenschaftliche Youtube-Videos für Kurt Beck, Online-Spenden für Angela Merkel? In Berlin diskutierten die Parteien, ob Amerika als Wahlkampf-Vorbild taugt.

Kurt Beck ist nicht Barack Obama. Diese leicht erkennbare Tatsache gilt nicht nur in Sachen Popularität in Partei und Bevölkerung, sondern auch im Internet. Denn: Es ist wohl kaum vorstellbar, dass die SPD für ihren potentiellen Spitzenkandidaten bei der kommenden Bundestagswahl 2009 viele Millionen Euro an Spenden über das Internet sammeln oder sich über leidenschaftliche Youtube-Song-Oden ("Yes we can!") freuen dürfte.

Digital mit analoger Umsetzung: Kurt Beck unterschreibt bei der SPD-Aktion wirkaempfen.de. (© Foto: dpa)

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Dass sich das Internet als Wahlkampfmedium in Deutschland nur schleppend entwickelt, war einmal mehr auf einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Deutschen Multimedia-Kongresses in Berlin zu erleben: Zwar dürfte auch der nächste Wahlkampf wieder zu jenem erklärt werden, in dem das Internet mindestens mit wahlentscheidend ist, doch was man genau tun kann, darüber sind sich die politischen Geister weitgehend uneins.

Auf dem Panel saßen der eloquente SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, die in der breiteren Bevölkerung bislang kaum jemand kennt, Jo Groebel, seit 2006 als Direktor des Deutschen Digital-Instituts voll ins Internet-Zeitalter eingeschwenkter Medienberatungs-Tausendsassa sowie Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von tagesschau.de. Er sagte recht wenig, wurde aber vom Moderator und den restlichen Diskutanten ständig mit Seitenhieben auf den neuen Rundfunkstaatsvertrag gequält.

Die Rolle als launiger Vermittler übernahm Christoph Dowe, Chefredakteur des Portals Politik Digital. Er saß allerdings einer Gruppe vor, die etwas einseitig wirkte. Das mag auch daran gelegen haben, dass die anderen Seiten des politischen Spektrums, namentlich CDU/CSU, FDP oder Linke, nicht auf dem Podium vertreten waren. Den Grund dafür kannte selbst Dowe nicht, man habe ihm das Panel so vorgesetzt. Der Ausrichter, der Bundesverband Digitale Wirtschaft, ist jedenfalls nicht als parteiisch bekannt, und auch der Veranstaltungsort, die Landesvertretung Baden-Württembergs, gilt nicht gerade als rot-grüne Bastion.

Interessant war es trotzdem, was die Ex-Koalitionspartner über ihre Online-Strategien zu erzählen hatten. Es wird viel probiert, man gibt sich informiert und netzkompetent.

Überhaupt schwang bei den Politprofis eine gewisse Abgeklärtheit mit. Egal ob Blogosphäre, Podcasting oder soziale Netzwerke: Heil und Lemke haben das alles schon gehört und gesehen und sich eine Meinung gebildet - been there, done that. Während Heil glaubt, in den deutschen Blogs einen weiteren "Nervenstrang" der Kommunikation entdeckt zu haben, den es als Stimmungsmesser zu beachten gilt, ist Lemke etwas vorsichtiger: Dort fänden sich keineswegs alle relevanten Zielgruppen, gerade für die großen Volksparteien seien sie nicht relevant. Heil entgegnete, man sehe in den Blogs natürlich kein Marktforschungswerkzeug, schaue sich aber "bestimmte, interessante" an. Welche das sind, lässt er sich seit kurzem von einem Online-Beirat mitteilen. In dem sitzen der Hamburger Internet-Unternehmer Nico Lumma und der Berliner Weblog-Kommentator Sascha Lobo.

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