Papego Bücher einfach auf dem Smartphone weiterlesen

61 Prozent der Buchkäufer lesen sowohl digitale als auch gedruckte Bücher. Mit der App Papego können Leser mitten im Buch kostenlos das Medium wechseln.

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  • Papego soll den nahtlosen Wechsel vom gedruckten Buch aufs Smartphone ermöglichen.
  • Leser können eine Seite im Buch einscannen und bekommen die folgenden Seiten dann automatisch aufs Smartphone geschickt.
  • Hinter der App steckt das deutsche Start-up Briends.
  • Die ersten Reaktionen fallen positiv aus. Auch große Buchketten wie Thalia und Hugendubel machen mit.
Von Dieter Sürig

Im Grunde hat der amerikanische Horror-Autor Stephen King dazu beigetragen, dass es die App Papego des Hamburger Start-ups Briends gibt. Gründer Karl-Ludwig von Wendt, 57, kann sich noch daran erinnern, wie er im Dezember 2014 mit der U-Bahn zu einem Kunden fahren musste. Er wollte den King-Thriller "Joyland" weiterlesen, sein Lesezeichen trennte die Seiten 72 und 73.

Gerne hätte er die Fahrzeit genutzt, doch wollte er das gebundene Buch nicht mit in den Zug schleppen. "Es wäre toll, wenn unten auf der Seite ein Barcode wäre, den ich mit dem Handy einscannen könnte", dachte er sich. Mit diesem Service könnte der Buchkäufer die nächsten Seiten auf das Gerät laden und unterwegs elektronisch weiterlesen. Allerdings verwarf er den Gedanken gleich wieder. Barcode? Auf jeder Seite? Viel zu aufwendig und nicht wirklich ästhetisch!

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Also setzte er sich in die U-Bahn, las ein anderes Buch auf seinem Lesegerät und stieg nahe der Speicherstadt aus. Er befand sich gerade auf einer Fleet-Brücke, da ging es ihm durch den Kopf: "Der Barcode ist ja schon da!". Macht die unterschiedliche Anordnung der Buchstaben nicht aus jeder Buchseite eine Art Fingerabdruck?

Der kalte Dezembermorgen war auf einmal gar nicht mehr so unangenehm, die Sonne ging gerade auf, Wendt hatte seinen Heureka-Moment. "Ich wusste sofort, dass das eine Idee mit viel Potenzial war." So viel Potenzial, dass jetzt sogar die Hagener Buchkette Thalia bei Briends einsteigt.

Bislang enthält die App erst 200 Bücher, aber es werden täglich mehr

Wendt hatte also den richtigen Riecher. Als er damals zwei Softwareexperten fragte, mit denen er bereits bei anderen Projekte zu tun hatte, waren diese begeistert. Bei der Frühjahrs-Buchmesse in Leipzig stellte das mittlerweile fünfköpfige Team 2016 seine App Papego vor, die das kann, was Wendt vermisst hatte: Der Leser kann die Buchseite scannen, die er zuletzt gelesen hat, und der Server des jeweiligen Verlags lädt die nächsten Seiten kostenlos aus der Datenbank auf das Smartphone.

Nicht jedes beliebige Buch kann mit der App gelesen werden, "dazu brauchen wir die Rechte des Verlags", sagt Wendt. Sprich: Der Verlag muss sich an dem Projekt beteiligen und dafür eine Gebühr zahlen. Zum Papego-Kanon gehören derzeit etwa 200 Titel, "aber täglich werden es mehr". Trotzdem haben bereits fast 23 000 Nutzer die App heruntergeladen. Wendt sieht ein großes Potenzial und verweist auf die Leser, die sowohl das gedruckte Buch als auch E-Bücher kaufen. Nach Angaben des Börsenvereins des Buchhandels lag der Anteil solcher Hybridleser unter Buchkäufern im vorigen Jahr bei 61 Prozent.

Mehr als 20 Verlage hat Briends bislang für die App gewinnen können, erster Partner war der Piper Verlag. "Papego nimmt den Kunden die Kaufentscheidung zwischen Print und digital ab und bietet ihnen so einen unmittelbaren Mehrwert", sagt Piper-Geschäftsführer Christian Schniedermann. Autoren sähen in der App eine Aufwertung ihrer Titel, Buchhändler eine Unterstützung des Handels. Und vom Kunden werde "vor allem das medienübergreifende Lesen ohne zusätzliche Kosten für App oder E-Book" geschätzt.

Große Buchketten und Zwischenhändler machen schon mit

Auch die Buchketten Thalia und Hugendubel sowie der Zwischenhändler Libri waren bald dabei. "Das ist eine pfiffige Sache für unsere Kunden", sagt Stephan Roppel, Hugendubel-Geschäftsführer Digital und Marketing. "Wir präsentieren die Papego-Titel in den Filialen mit Aufklebern und Einsteckern und kennzeichnen das in unseren Prospekten", erzählt er. "Das kostet uns nichts, wir bekommen einen netten Zusatznutzen, und die Kunden finden es gut."

Thalia lässt sich die Sache nun aber sogar etwas kosten und übernimmt eine Minderheitsbeteiligung an dem Start-up im zweistelligen Prozentbereich, aber "deutlich unter 50 Prozent", sagt Wendt. Es gibt eine Aufstockungsoption, doch die Gründer sollen die Mehrheit behalten. Details zur Investitionshöhe gibt es nicht.

"Die Verquickung von Print und E-Book hat bisher keiner gut gelöst", sagt Thalia-Mitgesellschafter Leif Göritz der SZ. "Zum ersten Mal seit Langem ist das eine Innovation für den Leser, er kann damit den Medienbruch aufheben". Und warum will Thalia gleich als Geldgeber einsteigen? "Wir finden das Team, die Technologie und die Idee gut", sagt er, "wir wollen aus dem Nischenmodell ein Standardmodell machen."