Open AI So will Elon Musk künstliche Intelligenz bändigen

Elon Musk traut den Maschinen der Zukunft nicht so recht über den Weg.

(Foto: dpa)
  • Elon Musk, Chef des E-Autobauers Tesla, hat sich mit anderen Größen aus dem Silicon Valley zusammen getan und ein Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (KI) gegründet.
  • Musk bezeichnete KI in der Vergangenheit als "existentielle Bedrohung".
  • Sämtliche Forschung des Zentrums öffentlich verfügbar sein. Seine Förderer wollen KI nicht privaten Unternehmen überlassen.
Von Hakan Tanriverdi, New York

Ausgerechnet die Elite des Silicon Valley hat Angst vor der Zukunft - zumindest ein Teil von ihr. Eine Gruppe um Tesla-Chef Elon Musk und die Investoren Peter Thiel (der gemeinsam mit Musk Paypal gründete) und Sam Altman macht sich Sorgen, dass künstliche Intelligenz (KI) der Menschheit langfristig schaden könnten. Die Entwicklungen in dem Forschungsfeld sind tatsächlich atemberaubend. Um herauszufinden, ob sie auch gefährlich sind, haben Musk und Co. nun das Forschungszentrum "Open AI" (AI steht für "artificial intelligence") eröffnet. Eine Milliarde Dollar stellen sie dafür bereit.

Was ist das Ziel von "Open AI"?

In einem Blogbeitrag des Zentrums heißt es: "Unser Ziel ist, digitale Intelligenz so zu erweitern, dass die Menschheit als Ganzes davon profitieren kann, unabhängig von finanziellen Interessen." Es sei schwierig, vorherzusehen, wie nützlich oder schädlich KI sein wird. Genau deshalb brauche es eine Organisation, die sich nicht um Aktionäre und deren Sorgen kümmern müsse, sondern nur um die Forschung. "Open AI" ist eine Non-Profit-Organisation, die die nichtkommerzielle KI-Forschung bündeln soll.

In einem Interview auf der Blog-Plattform Medium schreibt Musk: "Ich will ein tiefes Verständnis bekommen, wo wir uns in Sachen KI befinden und ob etwas gefährliches passieren könnte." Er wolle sich alle ein bis zwei Wochen mit dem Team treffen und sich auf Stand bringen lassen.

Außer Musk, Thiel und Altman sind mehrere erfahrene KI-Forscher bei "Open AI" dabei. Yoshua Bengio beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema, Ilya Sutskever hat sich bei Google um KI gekümmert. KI-Forschung braucht enorme Rechenkraft. Dafür stellt Amazon Web Services, Tochter von Jeff Bezos' Konzern, "Open AI" Server zur Verfügung.

Was ist künstliche Intelligenz?

Der britische Forscher Alan Turing stellte bereits 1950 die entscheidende Frage: Können Maschinen denken? Seither suchen Forscher eine Antwort. Künstliche Intelligenz ist der Versuch, Maschinen zu bauen, die wie Menschen denken. Doch dafür muss erst einmal abschließend geklärt werden, wie Menschen lernen.

Seit Jahrzehnten wird versucht, Maschinen beizubringen, Menschen Denkaufgaben abzunehmen. Doch mangelnde Rechenkraft führte dazu, dass es lange nur wenig nennenswerte Fortschritte gab. Doch in den vergangenen Jahren hat sich das verändert. Die Rechner sind deutlich schneller und billiger, und die IT-Branche entwickelt die Technologie schnell weiter. Skype übersetzt Gespräche in Echtzeit, Instagram beschreibt Blinden, was auf Bildern zu sehen ist, Facebooks virtueller Assistent soll den Menschen eine Art Butler sein (braucht allerdings noch Live-Unterstützung von Facebook-Mitarbeitern).

KI-Forscher gehen davon aus, dass Maschinen in der Zukunft denken können wie Menschen - und dass das schon in wenigen Jahren passieren könnte. Für diesen Fall will "Open AI" gewappnet sein. Allerdings ist völlig unklar, wann Maschinen tatsächlich in einem Maße autonom denken können, das sie zu mehr befähigt, als Schachspiele oder Quizshows zu gewinnen. Schätzungen reichen von 2035 bis 2100. Viele Forscher halten sich mit Langfrist-Prognosen völlig zurück.

Warum wird das "Open-AI"-Zentrum gegründet?

Während unter manchen Forschern und in Konzernen, die KI einsetzen, die Euphorie über die rasanten Fortschritte groß ist, haben sich mehrere bekannte IT-Unternehmer und Forscher kritisch geäußert. Elon Musk sagte schon vor längerem über künstliche Intelligenz: "Wenn ich raten müsste, was unsere größte existenzielle Bedrohung ist, dann ist es vermutlich das" (in diesem Video ab Minute 67:45)." Microsoft-Gründer Bill Gates ("Ich verstehe nicht, warum manche Menschen nicht besorgt sind") und Physiker Stephen Hawking ("Künstliche Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten") äußerten sich ähnlich.

Dutzende Forscher haben einen offenen Brief verfasst, in dem es heißt, KI müsst unbedingt "wohlwollend" sein. Forschungsergebnisse dürften nicht missbraucht werden, um beispielsweise autonome Waffensysteme zu bauen.

Maschinen, die schlauer sind als Menschen und gleichzeitig nicht "wohlwollend", das wäre ungünstig. Zumindest für die Menschen.

Aber Google, Facebook und weitere Unternehmen forschen doch schon zum Thema. Wozu braucht es "Open AI"?

Nicht nur Google und Facebook arbeiten intensiv an der Technologie, auch viele Investoren pumpen Geld in Start-ups, die sich mit KI befassen. Waren es 2010 noch 15 Millionen Dollar, sind es 2014 schon 309 Millionen. Aus Musks Sicht ist das problematisch, diese Firmen seien an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet. Allerdings lässt sich dem entgegnen, dass Firmen wie Facebook und Google Teile ihrer Forschung bereits heute öffentlich verfügbar machen (und betonen, dass diese Forschung nur dann möglich ist, wenn sie öffentlich nachgeprüft werden kann). Abgesehen davon sind auch Musk und Thiel nicht mit Menschenfreundlichkeit steinreich geworden, sondern indem sie in die vielversprechendsten Zukunftstechnologien investiert haben - so wie heute künstliche Intelligenz eine ist. Und ausgestattet mit ihrem Geld tritt "Open AI" auch in den Wettbewerb mit Facebook und Google um die besten Forscher.